Patientenversorgung geht uns alle an. Das sollte nicht nur ein Thema unter den Medizinern sein. Oft stehen wir ratlos am Tresen in den Praxen und lassen uns sagen, dass wir auf einen Termin mindestens acht Monate warten müssen. Unseren Unmut bekommt in der Regel die Sprechstundenhilfe zu spüren, die an dem System und an der Politik am wenigstens Schuld trägt. Aber das kann nicht der Weg sein. Was also tun?
Zunächst muss man einmal festhalten: 90 Prozent der ambulanten Versorgung wird von den Vertragsärzten abgearbeitet, sagt Dr. Jörg Hennefründ, Vorsitzender des Bezirksausschusses der Kassenärztlichen Vereinigung in Oldenburg. Diese Effektivität schlägt sich in der Zeit, die ein Mediziner für seinen Patienten übrig hat, nieder. Im Schnitt unter zehn Minuten. Das ist kein Zustand. Weder für den Arzt noch den Patienten.
Die Kassenärztliche Vereinigung vertritt in Deutschland rund 24.370 Mitglieder, davon 14.700 Vertragsärzte und Psychotherapeuten in Niedersachsen. Es gibt in Deutschland 17 Kassenärztliche Vereinigungen.
Die Vertragsärzte fordern, die fehlenden 2,8 Milliarden Euro durch Kostensteigerungen vom Bund auszugleichen.
Strukturelle Nachteile für die niedergelassenen Ärzte in der Gebührenordnung sollten sukzessive ausgeglichen werden. Laut KVN gebe es für diese Finanzierung Reserven der Krankenkassen und aus dem Gesundheitsfonds.
Die bürokratischen Hürden in den Praxen sollten abgebaut werden.
Vom Land Niedersachsen verlangt die KVN zusätzliche Studienplätze in der Humanmedizin zu finanzieren. Das Land Niedersachsen hat in seinem am Dienstag vorgestellten Haushaltsentwurf 2024 aber die European Medical School Oldenburg nicht berücksichtigt. Damit ist der Ausbau weiterer Studienplätze von 120 auf 200 in Gefahr.
Aber: Statt in den Praxen zu zetern, dass wir keinen Facharzttermin bekommen, sollten wir die Ärzte und Medizinische Fachangestellten bei ihren Forderungen unterstützen und unseren Unmut deutlich machen – es braucht einen finanziellen Ausgleich für gestiegene Kosten, einen Bürokratieabbau und mehr Studienplätze für Mediziner. Gerade die beiden letzten Punkte sind lange bekannt und wurden immer wieder ignoriert. Das muss in Berlin und bei Gesundheitsminister Karl Lauterbach ankommen.
