Friedrichsfehn/Oldenburg - Es gibt prächtigere Orden, repräsentativere Ehrenzeichen, prunkvollere Tapferkeitsmedaillen und künstlerisch hochwertiger gestaltete Erinnerungsstücke. Es gibt vielleicht aber nicht so viele Gedenkmünzen, die gerade durch ihre Einfachheit viel Vollkommenes zu ihrem Umfeld erzählen.
Hans Krefeldt nimmt so ein Stück in die Hand: die Kriegsgedenkmünze von 1815, dem Jahr der Schlacht von Waterloo. Gestiftet hat sie Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755–1829) am 30. April 1816 für alle „wirklich im Feld gegen den Feind gestandenen Offiziere und Mannschaften“. Zwischen Mai 1816 und November 1834 ist sie 1561-mal verliehen worden. „Sie zählt zu den ganz wenigen Oldenburger Ehrenzeichen”, sagt der Sammler.
Schlichte Münze
Krefeldt (68) hat zu Hause im ammerländischen Friedrichsfehn an der Stadtgrenze zu Oldenburg über Jahrzehnte Orden gekauft, getauscht, über verschlungene Wege besondere Fundstücke aufgespürt und gezielt gesucht. Die Ehrenzeichen sind katalogisiert und geschichtlich eingeordnet – wie in einem Museum.
Die schlichte Kriegsgedenkmünze von 1815 führt in die Zeit der Befreiungskriege und zu den Anfängen des späteren Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91. Das ist noch durch die Benennung der 91er-Straße am Pferdemarkt gegenwärtig.
Militärisch war Oldenburg bis zu den Napoleonischen Kriegen bedeutungslos. Als Oldenburg 1808 dem Rheinbund beigetreten war, musste es eine Kontingenttruppe stellen, in der fast ausschließlich auswärtig angeworbene Söldner dienten. Nach der Annexion Oldenburgs 1810 gliederten die Franzosen dieses Kontingent in das kaiserlich-französische 129. Linien-Infanterieregiment ein. Das wurde im Russland-Feldzug 1812/13 vollständig aufgerieben.
Nach der Befreiung des Herzogtums von der napoleonischen Herrschaft kehrte Herzog Peter Friedrich Ludwig 1813 aus dem russischen Exil zurück. Inmitten der militärischen Prägung dieser Zeit führte er die allgemeine Wehrpflicht ein. Begeisterung darüber brach in seinem Ländchen offenbar nicht aus. „Ausrüstung und Ausbildung der Oldenburger Infanterie gingen schleppend voran”, weiß Krefeldt.
In den Krieg marschierten die Oldenburger unter dem Kommando von Oberst Wilhelm Gustav Friedrich Wardenburg (1781–1838) als Nachzügler. Für die Befreiungskämpfe 1814 wurde das Regiment nicht mehr rechtzeitig einsatzbereit. „Das Regiment ist dann 1815 in den Krieg gezogen, weil es noch einen Beitrag zur Befreiung von den Franzosen leisten wollte“, resümiert Krefeldt.
Bei der Einschließung von Mézières nahe Sedan griffen die Oldenburger in die Kämpfe ein und erbeuteten zwei Geschütze. Zwei weitere wurden ihnen nach Kriegsende zugestanden. Bis 1919 hatten sie ihren Platz vor der Haupt-Schlosswache.
Letzte Ausgabe 1834
Auch bei den zeitgemäß durchaus begehrten Kriegsorden zog Oldenburg später nach. Peter Friedrich Ludwig griff die Aufforderung auf, auch für den Einsatz der Oldenburger eine Feldzugsmedaille zu schaffen. Generalfeldmarschall von Blücher, zusammen mit Wellington der populärste Held der Befreiungskriege, hatte diese Auszeichnung angeregt. Im Januar 1816 legte der preußische Staatsrat Nicolivius den Oldenburgern eine silberne Medaille vor. 1750 Exemplare wurden im Februar an der Berliner Münze geprägt und im April nach Oldenburg geschickt. Verleihung und Verteilung waren dann bis zum August offiziell abgeschlossen.
Auf besonderen Antrag wurden jedoch später weitere der Orden verliehen. Die letzte Ausgabe ist registriert am 26. November 1834 an einen Hauptmann Noell.
Bis 1900 wurden noch Gesuche um Ersatz von verlorenen Medaillen zugelassen. Zudem erhielten etliche Offiziere Zweit-Orden. So vermieden sie das Wechseln der Dekoration auf weitere Uniformen. Später wurde häufiger der Name auf den Rand graviert, um bei Verlust den Inhaber ausfindig zu machen.
Der Ausdruck „verliehen“ ist im Übrigen nicht wörtlich zu nehmen. Die Auszeichnung musste nach dem Tod des Trägers nicht zurückgegeben werden. Sie blieb den Erben zur Erinnerung.
„Man muss sich da nichts vormachen“, sagt Krefeldt, „solche Ehrenzeichen verbinden sich auch mit unzähligen persönlichen und tragischen Schicksalen.”
Das Herzogtum Oldenburg war 1810 durch französische Truppen besetzt worden. Militärisch war es zu Beginn der napoleonischen Feldzüge ohne Bedeutung. Es besaß lediglich ein „Herzogliches Infanteriekorps“, das Wachdienste und repräsentative Aufgaben wahrnahm. Die Einheit war 50 Mann stark und überaltert. Nach ihrem Kommandanten von Knobel hieß sie bei den Bürgern „Knobelgarde“.
Auf dem Wiener Kongress wurde Oldenburg 1815 zum Großherzogtum ernannt. Das Territorium hatte 20 000 Einwohner. Die allgemeine Wehrpflicht für Männer zwischen 17 und 40 Jahren führte Peter Friedrich Ludwig Ende 1813 ein.
Das neu gegründete Infanterie-Regiment griff bei der zweiten Niederwerfung Napoleons 1815 ein, die mit der Schlacht von Waterloo vollzogen wurde. Es zeichnete sich bei der Einschließung der Festung Mézières aus. Die Oldenburger hatten 32 Gefallene zu beklagen.
Den Orden „Pour le mérite“ erhielt nach der Rückkehr der Kommandeur Oberst Wardenburg (34). Das in 1750 Exemplaren gefertigte silberne Ehrenzeichen mit angeprägter Öse zeigt auf der Vorderseite ein geschwungenes P mit der Herzogskrone, auf der Rückseite die Jahreszahl 1815 in einem Ährenkranz.
