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Literatur Am Siel dem Täter auf der Spur

Neustadtgödens - Am 1550 erbauten Neuen Siel begegnen wir einer Radfahrerin. Interessiert mustert sie das lange, schwarz-rote Kleid mit weißer Spitze, das Regine Kölpin trägt. „Schick“, sagt sie. Regine Kölpin bedankt sich und lächelt. Wir sind in Neustadtgödens und folgen den Spuren der Hebamme Hiske Aalken, der Hauptfigur in dem historischen Roman „Der Meerkristall“, dem zweiten Buch einer Trilogie der 50-jährigen Autorin. Die Vorgeschichte erzählt der erste Band „Die Lebenspflückerin“. Der dritte Band „Das Signum der Täufer“ ist gerade erschienen und spielt ebenfalls in Neustadtgödens

Liebeserklärung

Sechs Jahre hat Regine Kölpin an der Trilogie geschrieben, umfangreich dafür recherchiert, sich mit theologischen Themen wie der Reformation auseinandergesetzt, mit Heimatforschern und Historikern gesprochen. Und sie hat viele Radtouren gemacht, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie es ausgesehen haben mag in Neustadtgödens im Jahr 1548. „Ich habe im Ort viel Unterstützung bekommen“, sagt die Autorin, die seit 25 Jahren in Neustadtgödens wohnt. Der Roman „Der Meerkristall“ sei auch eine Liebeserklärung an den Flecken, in dem noch heute fünf Kirchen von der religiösen Toleranz zeugen, die dort über Jahrhunderte geherrscht hat.

Die Mutter von fünf Kindern und Krankenschwester wusste schon als Kind, dass sie Schriftstellerin werden wollte. Als Zehnjährige schrieb sie ihren ersten Roman „Jessica und der Pferdenarr“. „Den Roman wollte kein Verlag haben. Zum Trost schickten sie Bücher“, erzählt die 50-Jährige, „vom Schreiben hab’ ich aber nie gelassen“.

Neben Familie und Beruf belegte sie im Fernstudium Kurse in Deutsch und Literatur, geriet in Autorenkreise und als dann ihre ersten Geschichten veröffentlicht wurden, hatte es sie endgültig gepackt. „Mein Mann hat mich sehr unterstützt“, sagt sie. Sie hängte ihren Beruf an den Nagel und konzen­trierte sich aufs Schreiben – mit Erfolg.

Neben historischen Romanen schreibt sie Krimis und Kurzgeschichten und unter dem Namen Regine Fiedler auch Kinder- und Jugendbücher. Im Frühjahr 2015 erscheint der Oldenburg-Thriller „Straßenschatten“, der im Obdachlosenmilieu spielt. Außerdem – Abwechslung muss sein – arbeitet sie an einem amüsanten Familienroman mit dem Titel „Operation Socken locken“. Irgendwann werde sie auch wieder einen historischen Roman schreiben, versichert Kölpin. Hintergrund könnte die Weihnachtsflut von 1717 sein.

Wenn Regine Kölpin nicht am Schreibtisch sitzt, macht sie Lesungen (etwa 100 im Jahr), gibt Workshops für angehende Autoren und ist als Gästeführerin unterwegs. Die Hexenprozesse im 16. Jahrhundert bilden den Hintergrund ihrer Krimiführung durch Jever. In Neustadtgödens geht sie in einer szenischen Führung mit Besuchern auf Mördersuche.

Marschenfieber

Im Jahr 1548 grassiert das Marschenfieber (eine Form von Malaria) in Neustadtgödens. Hiske Aalken hat alle Hände voll zu tun, um die Menschen zu versorgen. Als ihr der Arzt Jan Valkensteyn zur Hilfe eilt, taucht auch der holländische Kaufmann Friso van Heek auf, den ein Geheimnis umgibt. Ein Geheimnis, das mit einem wertvollen Medaillon – dem Meerkristall – zu tun hat. Als van Heek dann tot im Neuen Siel gefunden wird und der Meerkristall verschwunden ist, wird Hiske Aalken klar, dass der Kaufmann in der Herrlichkeit Gödens viele Feinde hatte.

Vom Tatort am Neuen Siel, durch den sich Neustadtgödens zu einem bedeutenden Handelsplatz entwickelte, bis zur Mennonitenkirche erzählt Regine Kölpin die Geschichte weiter. Das Ende wird an dieser Stelle nicht verraten.

Neustadtgödens entstand Mitte des 16. Jahrhunderts. Unter den ersten Siedlern waren mennonitische Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden, die vom Herrscher der Herrlichkeit Gödens gezielt als Deicharbeiter und Leinenweber angeworben worden waren. Ende des 17. Jahrhunderts lebten etwa 800 Menschen in dem Ort, neben Mennoniten auch Lutheraner, Reformierte, Katholiken und Juden.

Die Romantrilogie von Regine Kölpin ist im Verlag KBV, Hildesheim, erschienen. Die Bücher kosten jeweils 9,90 Euro. Bei Sandes musikalischem Lesesommer ist sie am 20. Juli unter dem Motto „Wer mordet schon am Wattenmeer“ vertreten.

Alle Gästeführungen durch Neustadtgödens beginnen am Landrichterhaus, Brückstraße 19.

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