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NWZonline.de Ratgeber

Gesundheit: Hündin Smillas Gespür für niedrigen Blutzucker

31.12.2020

Ankum Seit 22 Jahren leidet Ilona Löhr (52) unter Diabetes Typ 1, einer Stoffwechselkrankheit, von der weltweit 46 Millionen und deutschlandweit rund 360 000 Menschen betroffen sind. Drei Jahre lang hat ein CGM- Sensormessgerät am Bauch oder am Oberarm ihren Blutzucker gemessen und über ein akustisches Signal eine Unter- bzw. Überzuckerung per Handy angezeigt. Im Laufe der Zeit entwickelte die Diabetikerin aber eine Allergie gegen Klebstoffe, sodass sie nach Alternativen für das Messgerät suchte.

In Gesprächen mit Freunden und ihrem Diabetes-Arzt bekam Löhr den Anstoß, sich mit der Anschaffung eines Hypo-Hundes auseinander zu setzen. Er wäre ein treuer Helfer im Alltag, der bei einer gefährlichen Unterzuckerung in 90 Prozent der Fälle ihr Leben retten könnte. „Ich habe mir ein Jahr lang für die Entscheidung Zeit genommen, weil ich ja Verantwortung für ein Tier übernehmen wollte und dieses mein Leben komplett verändern würde. Denn ich müsste den Hund überall hin mitnehmen. Da dieses aber nicht immer gehen würde, müsste ich meinen Lebensrhythmus verändern und Einschränkungen in Kauf nehmen“, schildert Löhr ihre anfänglichen Überlegungen.

Frühe Bindung

Auf der Suche nach einer geeigneten Hunderasse, verliebte sie sich in einen Australian Shepherd, der in der Nähe von Berge gezüchtet wird. „Ich hatte mich auch dafür entschieden, weil eine frühe Bindung ab der sechsten Lebens-woche zu meinem zukünftigen Hypo-Hund die Basis für eine erfolgreiche Ausbildung des Tieres sein würde. Und das führte in unmittelbarer Nähe am schnellstens zum Ziel“, erzählt die Diabetikerin.

In einigen Tests kristallisierten sich zwischen der fünften und sechsten Woche schließlich zwei geeignete Welpen unter den acht Tieren heraus. „Die kleine süße Maus ‚Fräulein Smilla‘ war und ist die Richtige für mich. Sie reagierte positiv auf mein Unterzuckerungs-T-Shirt und ist langfristig leichter zu führen als ein Rüde“, sprühte Löhr von Anfang an vor Begeisterung, auch wenn sie zunächst sehr viel Zeit in die Schulung und Betreuung ihres Hundes investieren musste.

Sie zäunte den Garten ein und stellte ein Sand- und Badebecken auf. Smillas Box, ihr Spielzeug und sonstige Dinge integrierte sie in ihrer Wohnung und an ihrem Arbeitsplatz.

In die Welpenschule

Gleichzeitig besuchte Löhr mit Smilla die Welpen- und Hundeschule und absolvierte den Hundeführerschein. Die Hündin lernte bald die Stubenreinheit und den Grundgehorsam, alles Voraussetzungen für die nächsten Schritte auf dem Weg zum Hypo-Hund.

Die Hundeschule von Anna Sophie Müller im holsteinschen Uelsby berät Ilona derzeit coronabedingt digital über weitere Module. Nach der Geruchskonditionierung für den Unterzuckerungsfall, lernt die Hündin jetzt das Notfall-Etui zu bringen. Sie wird dafür mit Leckerlis belohnt. In zwei Jahren hat Smilla dann so viele Fortschritte gemacht, dass sie ihre Prüfung als Hypo-Hund vor einem unabhängigen Gremium ablegen kann, das jedenfalls hofft Ilona Löhr: „Sie ist sehr lernfreudig und gibt mir ein Gefühl der Sicherheit. Ich bewege mich viel in der Natur und lerne meine Heimat neu kennen. Smilla ist in jeder Beziehung eine Bereicherung für mich. Mein Herz ist dauergeöffnet“.

Die Ausbilderin sieht in der Mensch-Hund-Beziehung schon jetzt optimale Ansätze. Müller war im August bereits in Berge und Ankum, um die Beiden und ihre Lebensorte kennenzulernen sowie die Kennweste für den Hypo-Hund in Ausbildung zu übergeben. „Der Hund ist wunderbar ausgewählt. Smilla gehört zu einer sehr intelligenten Hunderasse und hat bei der Talentsuche den besten Ansatz gezeigt. Zwischen Ilona Löhr und Smilla stimmt auch das Energie-Kraft-Verhältnis und die intensive Beziehung“, lobt Müller die positiven Grundbedingungen.

Überaus lernfreudig

Bringe ein Hund darüber hinaus die geforderten Eigenschaften als wesensfester, lernfreudiger Hund mit hoher Reizschwelle ohne Aggressionsneigung und Friedfertigkeit gegenüber Menschen und Artgenossen mit, sei er der ideale Begleiter für Diabetiker. Er brauche auch einen ausgeprägten Willen, seinem Menschen zu gefallen und ihn zu beschützen. Selbst wenn dieser „im Unterzucker“ ablehnend oder aggressiv reagiere, dürfe der Hund sich nicht abschrecken lassen. Er müsse ihn solange nerven, bis dieser etwas Zuckerhaltiges esse oder trinke.

Die Assistenzhunde-Trainerin Anna Sophie Müller hat seit 2009 schon 60 Teams ausgebildet. Leider würden Hypohunde von den Krankenkassen bis auf wenige Ausnahmen nicht als Hilfsmittel (wie bei Blindenführhunden) anerkannt, bedauert Müller. Der Hypo-Hund sei aber in vielen Landeshundeverordnungen dem Blindenführhund gleichgestellt und dürfe seinen Menschen in Geschäfte, Kino und Flugkabine (usw) begleiten.

Beim Einkaufen dabei

Auch Ilona Löhr hat von ihren umliegenden Lebensmittelgeschäften und Gastronomen die Erlaubnis für ihren Hypo-Assistenzhund eingeholt. So kann Smilla die selbstständige Goldschmiedin schon jetzt während ihrer Arbeit und bei Einkäufen begleiten.

Ein Hypo-Hundwarnt einen Diabetiker Typ 1 vor schweren Unterzuckerungen (Hypoglykämie). Der Hund werden darauf trainiert, seinem Menschen so frühzeitig ein Signal zur Selbsthilfe zu geben, das die Spitzen im Blutzuckerverlauf deutlich gemindert werden. Notsituationen sollen allgemein verhindert werden. Hypohunde sind in der Lage den steigenden und sinkenden Blutzucker anzuzeigen. Infos: Tel. 04623 -185 702

NWZonline.de/gesundheit
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