Berlin - Bevor der Kunde auch nur einen Cent von seinem Baukredit bekommt, kassieren Banken überhöhte Bereitstellungszinsen, berichtet die Stiftung Warentest in der Zeitschrift „Finanztest“ (12/14). Das kostet oft einige tausend Euro. Kunden sollten deshalb vor dem Abschluss von Baukrediten nicht nur auf den Effektivzins, sondern auch auf die Bereitsstellungskosten achten.
Fällige Rechnungen
Banken zahlen Darlehen an Bauherren nicht auf einen Schlag aus, sondern in Etappen nach dem Baufortschritt – zu den Zeitpunkten, an denen die Rechnungen der Baufirmen fällig werden und der ausgezahlten Kreditsumme ein entsprechender Sachwert gegenübersteht. Beim Kauf vom Bauträger beispielsweise sieht die Makler- und Bauträgerverordnung bis zu sieben Teilzahlungen vor.
Die ersten Monate nach Abschluss des Kreditvertrags sind in der Regel noch frei. Danach berechnen die Banken jeden Monat 0,25 Prozent Bereitstellungszinsen auf den Betrag, den der Kunde noch nicht abgerufen hat – zusätzlich zu den normalen Zinsen auf die bereits ausgezahlte Kreditsumme.
Die drei Prozent im Jahr oder 0,25 Prozent im Monat sind ein Einheitszinssatz, den fast alle Banken, Sparkassen und Versicherer in Deutschland seit mehr als 30 Jahren verlangen, darunter sogar staatliche Förderbanken wie die KfW-Bank oder die landeseigene WI-Bank in Hessen.
Die Commerzbank beispielsweise bot Mitte Oktober 2014 ein 200 000-Euro-Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung zu einem Zinssatz von 1,55 Prozent im Jahr an. Der Zinssatz gilt aber nur für den vom Kunden in Anspruch genommenen Kredit. Kann er das Geld noch nicht gebrauchen, weil sich zum Beispiel der Baubeginn verzögert, verlangt die Bank ab dem dritten Monat nach der Darlehenszusage Bereitstellungszinsen. Die sind mit drei Prozent fast doppelt so hoch wie der Kreditzinssatz.
Das verrückte Ergebnis: Solange der Kunde noch keinen Cent von der Bank bekommen hat, kassiert sie 500 Euro Zinsen im Monat. Nachdem sie das Geld ausgezahlt hat, sind es nur noch 258 Euro.
Dass Banken überhaupt Bereitstellungszinsen nehmen, ist in Ordnung, schreibt „Finanztest“. Zurzeit wären Bereitstellungszinsen bis zur Höhe des Kreditzinssatzes verständlich. Doch die drei Prozent, die Banken wie vor 30 Jahren verlangen, liegen deutlich darüber. Banken erzielen daher Zusatzgewinne, wenn der Kunde das Darlehen spät abruft.
Der Bereitstellungszinssatz ist bei fast allen Banken gleich. Trotzdem wird die Bauzeit je nach Institut unterschiedlich teuer. Entscheidend ist die Zahl der Freimonate, in der keine Bereitstellungszinsen anfallen. Viele Banken berechnen die Zinsen ab dem dritten oder vierten Monate nach der Darlehenszusage. Die ING-Diba und andere räumen eine Karenzzeit von sechs Monaten ein.
Wichtiger Vergleich
Mitunter kommen Bauherren auch komplett um die Bereitstellungszinsen herum: Der Versicherer DEVK oder die PSD Nürnberg beispielsweise verzichten ein ganzes Jahr lang darauf.
Solche Unterschiede sind beim Kreditvergleich wichtig. Denn der von den Banken genannte Effektivzins berücksichtigt weder Bereitstellungszinsen noch Teilauszahlungszuschläge. Rechnet man sie ein, liegt der Effektivzins oft um ein oder zwei Zehntel Prozentpunkte höher.
Neubau: Sie wollen bauen und dafür einen Kredit aufnehmen? Dann achten Sie beim Vergleich von Kreditangeboten nicht nur auf den Effektivzins, sondern auch auf die Bereitstellungszinsen bis zur vollen Auszahlung des Kredits. Sie fallen zusätzlich zu den normalen Kreditzinsen an und können einige tausend Euro betragen.
