• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Ratgeber

Natur: Die Königinnenmacher vom Schaalsee

24.09.2022

Bantin Ein Königinnen­züchter braucht Fingerspitzengefühl. Unter etwa 100 ­Bienen im sogenannten Begattungskasten gilt es, die wenige Tage junge Königin zu finden und herauszufischen. Mit bloßen Händen holt im Bienenzuchtzentrum Bantin am Schaalsee in Mecklenburg ein Mitarbeiter die Gesuchte vorsichtig aus dem Kasten. Die anderen Bienen nehmen den Verlust nicht schwer. „Sie ­merken das erst nach 24 ­Stunden“, sagt Betriebsstellenleiter Hilger Jagau. Noch rasch sechs Begleitbienen zur Versorgung der Königin herausgefischt, alle in ein Gitter­kästchen aus Plastik gesetzt und in einen mit Luftlöchern versehenen Briefumschlag ­gesteckt.

So beginnt die Reise einer jungen Bienenkönigin zu ihrem Volk – per Post. Ein ­wassergetränkter Wattebausch sorgt dafür, dass die kleine Gruppe bis zu 14 Tage im Reisekästchen überleben kann, sagt Jagau. Er hat Erfahrung: Allein in diesem Jahr versenden die sechs Mitarbeiter von Bantin aus mehr als 1500 Königinnen an Imker im In- und Ausland.

Imkern in Mode

Die Nachfrage nimmt zu, seit das Imkern in der Bundesrepublik wieder in Mode ist. Nach jahrzehntelangem Tief verzeichnet der Deutsche Imkerbund seit 2017 eine stetig wachsende Zahl von Imkereien. Aktuell gibt es nach Schätzungen des Verbandes bundesweit rund 170 000 Imker mit mehr als 1,1 Millionen ­Bienenvölkern.

Verbandspräsident Torsten Ellmann will dabei nicht von einer Mode sprechen. Er sieht in dem Trend ein Zeichen für ein bewussteres Umgehen mit der Natur, wie der Imker aus Pasewalk in Vorpommern sagt. „Wir haben weiter Zuwachs an Imkerinnen und Imkern und sie werden jünger“, freut er sich. Das Durchschnittsalter liege derzeit bei 55 Jahren.

Bienenzuchtzentren wie das in Bantin seien wichtig für die Imkerei, obwohl auch jeder Bienenhalter seinem Nachbarn einfach eine Königin abgeben könne. In den Zentren würden regional angepasste Linien gezüchtet und es werde bei der Zuchtauswahl auf gefragte Merkmale geachtet, wie Sanftmut und guten Honig-Ertrag.

Im Bantiner Zentrum, das nach Worten des Verbands­präsidenten zu den großen Züchtern in Deutschland zählt, konzentrieren sie sich auf die die Honigbienenrasse Carnica, wie Leiter Jagau sagt. „Sie stammt ursprünglich aus dem südlichen Alpenraum und damit aus einem warmen, im Sommer trockenen Klima, das wir hier auch bekommen.“

Weniger anfällig

Sie brüte nicht das ganze Jahr durch, dadurch sei ihr Volk weniger anfällig für den Befall von Parasiten wie die gefürchtete Varroamilbe. Die Bantiner Züchter lassen zudem ihre Zuchtlinien jedes Frühjahr auf Viren testen.

Das Zuchtzentrum in Bantin ist nach Angaben des Agrarministeriums in Schwerin bundesweit das einzige, das vom Landesimkerverband betrieben wird. „In anderen ­Bundesländern werden Aufgaben, wie sie Bantin erfüllt, von Instituten, Universitäten oder Landesanstalten wahrgenommen“, sagt eine Ministeriumssprecherin. Jenseits der Zucht beraten die Mitarbeiter Imker und solche, die es werden ­wollen.

Aktuell gibt es dem Ministerium zufolge allein in Mecklenburg-Vorpommern etwa 3200 Imker mit rund 30 000 Bienenvölkern. Dieses Jahr ­liefere jedes Volk im Schnitt 34 Kilogramm Honig. Dies entspreche fast dem Vorjahresniveau. Trockenheit und Hitze in diesem Sommer hätten sich nicht negativ bemerkbar gemacht.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Wirtschafts-Newsletter der Nordwest Mediengruppe erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Im Begattungskasten in Bantin geht die Bienenzucht unterdessen von vorn los. ­Jagaus Mitarbeiter setzen eine besondere Zelle in eine Wabe ein, in der eine neue Königin heranwächst. Diese schlüpft nach ein bis zwei Tagen und wird von männlichen Bienen, den Drohnen, begattet. Ist sie groß genug, kann auch sie auf die Reise zu ihrem neuen Volk gehen. Experten empfehlen, Bienenköniginnen alle paar Jahre auszuwechseln, denn ihre Legeleistung gehe mit der Zeit zurück.


     www.deutscherimkerbund.de 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.