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NWZonline.de Ratgeber

Sammlung: Bei ihm dreht sich alles um zwei Räder

12.11.2016

Varel In der Werkstatt aus den 1950er Jahren fehlt es an nichts, die handbetriebene Bohrmaschine und die über 100 Jahre alte gusseiserne Drehbank sind voll intakt. An der Wand über der Werkbank hängen Zangen, Schraubenschlüssel und Zahnräder – ordentlich aufgereiht in jeder Größe. Die Schubkästen in den Regalen und Schränken sind bis an den Rand gefüllt mit Ersatzteilen für jedes Zweirad, das Peter Zielasko im Laufe der Zeit gesammelt und restauriert hat. Aus seiner Leidenschaft für Zweiräder mit und ohne Motor ist in Varel (Kreis Friesland) ein kleines Museum entstanden.

Hoher Aktenstapel

Der 60-Jährige ist in Einswarden (Kreis Wesermarsch) aufgewachsen und hat schon als Kind gesammelt, „sehr zum Leidwesen meiner Mutter“. Als er mit 14 oder 15 seine erste Fahrt mit einem Motorrad macht, steht sein Berufswunsch fest: Er will Motorradmechaniker werden. Aber die Eltern sind dagegen, er soll etwas Vernünftiges lernen und wird Optiker. Den Beruf übt er 40 Jahre lang aus, aber seine Zweirad-Leidenschaft bleibt. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau. „Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich“, sagt er.

Zielaskos Interesse gilt vor allem den Fahrrad- und Motorradgeschäften in Varel und Umgebung. Dabei ist es ein Motorrad der Urania-Werke in Cottbus (Sachsen), mit dem vor 15 Jahren eigentlich alles begonnen hat. Beim Kauf der Maschine lernt Zie­lasko den letzten Werksleiter und dessen Frau kennen. „Daraus ist eine nette Bekanntschaft entstanden“, erinnert sich der 60-Jährige an viele Begegnungen. Das Ehepaar überlässt Zielasko Papiere, Pläne, Prospekte und Persönliches aus der Fabrik – alles in allem ein zwei Meter hoher Aktenstapel.

In Zielaskos Garage stehen drei Urania-Motorräder – allesamt fahrbereit. Das älteste Fahrzeug in seiner Sammlung ist ein Motorrad der Firma Hulla, Baujahr 1926. „Die Hulla-Werke, gegründet von Heinrich Helms, existierten bis 1931 in Hagen bei Stotel“, erklärt er. Die Hulla im Originallack und mit dem Originalnummernschild ist eine Rarität. Der DKW-Zweitakt-Motor bringt es auf vier PS. Der Antrieb erfolgt über einen Keilriemen.

Vorbei an einer roten Adler M 100, Baujahr 1952, und einem Damenmotorrad der Firma Phänomen, Baujahr 1941, kommen wir zu den Fahrrädern in Zielaskos Sammlung. Ins Auge fällt gleich ein Urania-Fahrrad im Originalzustand aus dem Jahr 1926. Der Kettenschutz ist aus Zelluloid, die Felgen sind vernickelt. „Ein absolutes Luxusrad“, sagt er.

Im Museum im Obergeschoss tauchen wir ein in die Geschichte der Fahrradfirmen in Varel. Etwa zehn Fachgeschäfte hat Zie­lasko im Laufe der Jahre mit aufgelöst. Die Vareler Firma Diedrich Müller produzierte zum Beispiel von 1891 bis Anfang der 60er Jahre das Markenfahrrad Cyrus. „Ein unverwüstliches Rad“, urteilt Zielasko und setzt zu einem kleinen Exkurs an: „In den 60er und 70er Jahren waren die Fahrräder gruselschlecht. Das änderte sich erst mit der Trimm-Dich-Welle.“

Eine Geschichte für sich ist die Entwicklung der Beleuchtung am Fahrrad. Anfangs leuchteten Kerzenlampen, dann kamen die Acetylengaslampen. „Die waren heller als die Lampen heute und wurden in Katalogen als Blender angepriesen“, erzählt Zielasko. Die Lampen mit der Mischung aus Wasser und Carbid zu befüllen, sei eine fürchterliche Kleckerei gewesen. 1885 gab es bereits elektrisches Licht für Hochräder, um 1900 kamen dann Lampen mit Trockenbatterien auf den Markt, um 1910 fahren die ersten Fahrräder mit Dynamos.

Im Zweiten Weltkrieg bestand auch für Fahrradlampen die Pflicht zur Verdunklung. Zielasko hat etliche bizarre Stoffüberzüge und Schablonen der Marke Eigenbau aus dieser Zeit gesammelt.

Liebe zum Detail

Kernstück des kleinen Museums ist der mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Fahrradladen. Die Uhr über der Ladentür tickt, und man würde sich nicht wundern, wenn gleich der Ladenbesitzer den Raum betritt. Vor dem Tresen aufgebaut stehen ein Damenfahrrad der Marke Kiebitz von 1954, hergestellt von der Firma Kleinsteuber in Jever, und ein Jungenfahrrad der Marke Nofa, um 1960 produziert von der Firma Johann Lehmkuhl in Oldenburg.

Der kleine Laden lässt keine Wünsche offen. Fahrradnetze fürs Hinterrad, wie sie unsere Großmütter noch kannten, gibt es in allen Farben, ebenso Fahrradlampen samt Dynamos, Ersatzbirnen und Batterien, außerdem Flickzeug, Pedalen und Griffen. Auch ein Rockhalter für Rad fahrende züchtige Damen fehlt nicht – eine kuriose Rarität in der an Besonderheiten reichen Sammlung.

Dazu zählen ohne Frage auch die etwa 200 Fahrradklingeln, die Zielasko gesammelt hat. Eine gusseiserne Klingel der Firma Georg Decker aus Varel ist bereits 110 Jahre alt.

Bei einer Panne unterwegs oder für eine kleine Reparatur des Drahtesels zu Hause griff der Radfahrer früher gern zum universellen Werkzeugschlüssel der Firma WiWa von Willy Watzky in Varel. Ein solides Stück Zeitgeschichte – wie alles im kleinen Zweirad-Museum.

Der Platzim kleinen Zweirad-Museum von Peter Zie­lasko ist begrenzt. Deshalb können auch nicht mehr als fünf Besucher zur gleichen Zeit durch die Sammlung geführt werden. Führungen finden nur nach vorheriger Anmeldung statt. Terminabsprache unter

Telefon  04451/2625 oder per E-Mail: peter.zielasko@ ewetel.net

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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