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NWZonline.de Ratgeber

Krankenhauszusatzversicherung: Chefarztbehandlung hat ihren Preis

19.11.2018

Berlin Sich in der Klinik in die Hände eines Chefarztes zu begeben und in einem Ein- oder Zweibettzimmer zu liegen – das ist für die meisten privat Krankenversicherten selbstverständlich. Wollen Kassenpatienten das auch, haben sie zwei Möglichkeiten, schreibt die Zeitschrift „Finanztest“ (12/18): Sie zahlen alle Extraleistungen selbst oder sie schließen eine Krankenhauszusatzversicherung ab. Knapp sechs Millionen Deutsche haben zurzeit eine solche Police – Tendenz leicht steigend.

Die Finanztester haben 35 Einbettzimmer- und 22 Zweibettzimmertarife untersucht und für einen 43-jährigen gesunden Modellkunden Beiträge und Leistungen ermittelt. Das Ergebnis: Die Preisspannen sind groß, Einbettzimmertarife kosten beim Abschluss mit 43 Jahren zwischen 39 und 77 Euro im Monat, Verträge fürs Zweibettzimmer zwischen 37 und 54 Euro. Je älter der Versicherte bei Vertragsabschluss ist, desto höher ist sein Beitrag.

Abrechnen nach Punkten

Um das Preis-Leistungsverhältnis zu ermitteln, haben die Finanztester den Monatsbeitrag des Modellkunden zu den Tarifleistungen ins Verhältnis gesetzt. Bei Einbettzimmertarifen sind WKplus der Debeka und SZL der Ergo Direkt mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis vorn, bei Zweibettzimmertarifen die sehr guten KlinikSchutz Premium Zweibett der DFV, 262 der Arag sowie SZ2 der Concordia.

Der Abschluss einer Krankenhauszusatzversicherung ist für diejenigen sinnvoll, die in der Klinik Wert auf die Chefarztbehandlung legen. Selbst bei einem einfachen chirurgischen Eingriff kommen dafür mitunter mehrere Tausend Euro zusammen. Wer nur das Mehrbettzimmer vermeiden will, sollte prüfen, ob er die Zuschläge für das bessere Zimmer nicht selbst tragen könnte. Ein Einbettzimmer kostet im Bundesdurchschnitt zurzeit rund 100 Euro mehr pro Tag.

Grundlage für die Abrechnung privatärztlicher Leistungen ist die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Für jede Behandlung – vom kurzen Beratungsgespräch bis zur Operation am offenen Herzen – gibt es eine bestimmte Punktzahl.

Je aufwendiger die Leistung, umso höher ist die Punktzahl. Eine Blutentnahme aus der Vene wird zum Beispiel mit 40 Punkten bewertet, das Einsetzen eines künstlichen Kniegelenks mit 3600 Punkten. Ein GOÄ-Punkt wird derzeit mit 5,82873 Cent multipliziert: Die Blutentnahme ergibt so eine einfache Gebühr von 2,33 Euro, die Knieoperation eine von 209,83 Euro.

Ist die Behandlung aufwendiger, kann der Arzt den Regelhöchstsatz erheben und den 2,3-fachen Satz abrechnen. Bei der Kniegelenkoperation wären das 482,62 Euro (2,3 × 209,83 Euro). Die Abrechnungspraxis ist Standard und ohne besondere Begründung erlaubt. Ein Überschreiten des Regelhöchstsatzes ist in der Rechnung zu begründen. In schwierigeren Fällen können Ärzte bis zum 3,5-fachen Satz verlangen – den GOÄ-Höchstsatz. Das Chefarzthonorar für das Einsetzen des künstlichen Kniegelenks würde so auf 734,42 Euro steigen.

Chefarztbehandlungen werden immer für den gesamten Krankenhausaufenthalt vereinbart. Patienten können nicht die Operation beim Chefarzt und nur Regelleistungen für den Rest der Behandlung wählen. Auch Röntgenaufnahmen, Narkose und andere Behandlungen werden dann privat abgerechnet.

Wahl des Spezialisten

Bei der Wahl eines Tarifs ist die Frage wichtig, bis zu welcher Höhe das Chefarzthonorar übernommen wird. Einige Krankenhauszusatzversicherungen erstatten Chefarzthonorare auch über den GOÄ-Höchstsatz hinaus.

Wer sich bei einer schweren oder seltenen Erkrankung von einem selbst gewählten Spezialisten behandeln lassen will, der in einer Klinik am anderen Ende Deutschlands tätig ist und den fünffachen Gebührensatz verlangt, sollte einen Tarif wählen, der über den GOÄ-Höchstsatz hinaus leistet.

Über die Unterbringung im Einbettzimmer entscheidet aber letztlich die Klinik. Ist dort kein Platz frei, werden auch Patienten mit einer Krankenhauszusatzversicherung im Zweibett- oder sogar im Mehrbettzimmer untergebracht. In diesen Fällen zahlen viele Versicherer ein Ersatzkrankenhaustagegeld. Bei manchen Policen gehen die Patienten aber leer aus.

Interessierte sollten sich um einen Vertrag bemühen, solange die Gesundheit keine Probleme macht. In den Antragsformularen sind umfangreiche Fragen zum Gesundheitszustand und den Erkrankungen der letzten Jahre zu beantworten. Bereits bei Bluthochdruck oder Übergewicht verlangen Versicherer mitunter einen Zuschlag. Bei schweren Erkrankungen wie Krebs oder nach einem Herzinfarkt ist der Abschluss praktisch ausgeschlossen.

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