BERLIN - Etwa jedes sechste Kassenmitglied zahlt bereits einen Zusatzbeitrag. Auch diejenigen, die momentan noch davon verschont sind, werden möglicherweise im Laufe des Jahres zur Kasse gebeten. Sie dürfen bis zu einem Prozent des beitragspflichtigen Einkommens ihrer Mitglieder verlangen. Das können zurzeit bis zu 450 Euro im Jahr sein. Darauf weist die Zeitschrift „Finanztest“ (6/10) hin.
Auch Studierende zahlen
Menschen mit monatlichen Einkünften unter 800 Euro zahlen bei neun der zwölf Kassen mit Zusatzbeitrag sogar mehr als einen Prozent ihres Einkommens. Denn BKK advita, BKK Gesundheit, BKK Phoenix, City BKK, DAK, Deutsche BKK, Esso BKK, KKH-Allianz und Novitas BKK verlangen pauschal acht Euro im Monat. Das dürfen sie, ohne das Einkommen ihrer Mitglieder zu prüfen. So zahlen auch Studierende bei diesen Kassen nun 61,40 Euro im Monat statt 53,40 Euro.
Die BKK Westfalen-Lippe verlangt ein Prozent, begrenzt aber ihren Zusatzbeitrag auf zwölf Euro im Monat. Schlecht für Gutverdiener ist der Zusatzbeitrag bei der BKK für Heilberufe und der Gemeinsamen BKK Köln. Sie berechnen tatsächlich ein Prozent. Allerdings werden Einkünfte nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt: Wer mehr als 3750 Euro brutto im Monat verdient, zahlt deshalb trotzdem nicht mehr als 37,50 Euro.
Neben den Zusatzbeiträgen hat „Finanztest“ im aktuellen Test von 104 Krankenkassen auch Service und Leistungen unter die Lupe genommen. Service fängt für viele damit an, einen persönlichen Ansprechpartner bei der Kasse zu haben. Am besten jemanden, mit dem man sich zusammensetzen und ein Formular ausfüllen oder dem man Fragen stellen kann. Wer darauf Wert legt, braucht eine Geschäftsstelle seiner Kasse in der Nähe.
Die größte Chance, diese zu finden, haben AOK-Versicherte. Die Ortskrankenkassen bieten mit bundesweit 1476 Geschäftsstellen das dichteste Servicenetz, gefolgt von der Barmer GEK mit 1090 Geschäftsstellen im gesamten Bundesgebiet. Die DAK unterhält stattliche 829 und die Techniker Krankenkasse (TK) 235 Geschäftsstellen.
Rund um die Uhr erreichbar
In Test gibt es sogar neun Kassen, die bundesweit eine einzige Geschäftsstelle für alle Versicherten betreiben, zum Beispiel die Big direkt gesund oder die Securvita BKK.
Wenn ich nicht zur Kasse gehen kann, kommt die Kasse zu mir – diesen besonderen Service kennen die meisten gar nicht. Dabei bieten 34 der 104 Kassen dies in ihrem gesamten Tätigkeitsgebiet an.
Sieben Kassen aus der Untersuchung bieten ein Maximum an Service: Sie sind sieben Tage die Woche erreichbar, für medizinische Fragen sogar rund um die Uhr, sie machen flächendeckend Hausbesuche und vermitteln ihren Versicherten auf Wunsch Termine bei Fachärzten. Darunter sind drei Kassen, die bereits einen Zusatzbeitrag erheben: DAK, KKH-Allianz und Novitas BKK. Noch ohne Zusatzbeitrag bieten den Rundumservice die AOK Berlin-Brandenburg, AOK Rheinland/Hamburg, Bergische und TK.
Ähnlich wichtig wie der Service sind die Leistungen. Unterschiede zwischen den Kassen können unabhängig vom Einkommen mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen. Deswegen kann es sich trotz Zusatzbeitrag lohnen, in seiner Kasse zu bleiben.
Die medizinischen Leistungen sind zwar einheitlich geregelt. Die Kassen dürfen aber in einigen Punkten mehr zahlen, als das Gesetz vorschreibt. Bietet eine Kasse nur den gesetzlichen Standard, tragen Versicherte die Kosten für bestimmte Leistungen privat – falls sie es sich leisten können.
Sie nur, wenn Sie unzufrieden mit Service und Leistungen Ihrer Kasse sind. Schauen Sie nicht allein auf den Zusatzbeitrag. Sie wollen sich ja nicht verschlechtern. Jedes Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung darf seine Kasse wechseln. Die neue Kasse darf ihn nicht ablehnen, auch wenn er alt oder krank ist.
Sie, indem Sie die Leistungen Ihrer Kasse besser nutzen. Manche sind mehrere hundert Euro im Jahr wert, und guter Service ist unbezahlbar. Oft können Sie Zuschüsse für Gesundheitskurse oder Reiseimpfungen erhalten. Manche Kassen bieten finanzielle Vorteile, wenn Sie an Behandlungsprogrammen teilnehmen.
