Im Nordwesten - Den geliebten Menschen nah bei sich haben, auch nach dem Tod. Das verspricht die Baumbestattung im eigenen Garten. Neues Leben soll aus der Asche des Verstorbenen entstehen, eine Rückkehr in den Kreislauf des Lebens stattfinden, so werben zwei der Anbieter mit der Baumbestattung. Doch stimmt das wirklich und ist das hierzulande überhaupt legal?
Wie funktioniert die Baumbestattung ?
Bei der Baumbestattung soll aus der Asche der Verstorbenen ein Baum wachsen. Dafür wird die Urne nach der Einäscherung durch den Bestatter vor Ort an einen Dienstleister übergeben, der sie ins Ausland überführt. Dort wird die Asche unter Aufsicht mit einem Substrat vermischt, in welches der Baum einer zuvor von den Angehörigen ausgewählten Baumart gepflanzt wird. Nach sechs bis neun Monaten kann der Baum von den Angehörigen abgeholt oder von einer beauftragten Firma überführt werden. Dann kann der Baum gepflanzt werden.
Bei dem Anbieter Baumfrieden kostet das Grundpaket einer derartigen Bestattung rund 1600 Euro. Die Kosten für das Bestattungsunternehmen vor Ort sind dabei nicht inbegriffen. Zum Vergleich: Die Gebühr für die Bestattung eines Verstorbenen beträgt auf dem Katholischen Friedhof der Gemeinde St. Willehad in Oldenburg 500 Euro, die Gebühr für die 25-jährige Nutzung einer Grabstätte rund 1500 Euro.
Grundgedanke der Baumbestattung ist, dass der Baum, die in der Asche enthaltenen Mineralien wie Stickstoff oder Phosphat und so einen Teil des Verstorbenen aufnimmt. Doch geschieht das tatsächlich innerhalb von sechs bis neuen Monaten? „Hier unter unseren Bedingungen wäre Asche im Boden noch Asche im Boden“, sagt der wissenschaftliche Leiter des Botanischen Gartens in Oldenburg Klaus Bernhard von Hagen. Irgendwann habe sich die Asche soweit mineralisiert, dass der Baum sie aufnehmen könne. Manche Mineralien brauche ein Baum dringend, andere wie etwa Eisen brauche der Baum weniger. „Ein Teil der Atome und Moleküle wird aufgenommen ein Teil bleibt zurück.“
Bei der Tree of Life GmbH, mit Sitz in Seehausen (Sachsen-Anhalt), sieht man die Baumbestattung im eigenen Garten als „Alternative zum Friedhofszwang“. Der Friedhofszwang ist hierzulande Ländersache und gesetzlich geregelt. In Paragraf 11 des niedersächsischen Bestattungsgesetzes heißt es „Erdbestattungen sind nur in geschlossenen (...) Särgen und nur auf Friedhöfen zulässig.“ Auch die Urne mit der Asche eines Verstorbenen ist auf einem Friedhof beizusetzen, so Marie Elbers, Anwältin mit dem Schwerpunkt Verwaltungsrecht bei der Oldenburger Kanzlei Wandscher und Wandscher. Eine Alternative bietet die Seebestattung. „Eine Beisetzung der Asche im eigenen Garten ist verboten“, sagt Elbers. Auch die Aufbewahrung der Urne ist nicht gestattet. „Aber wenn ich keine Asche habe, ist der Paragraf hinfällig.“
In den Niederlanden oder der Schweiz gibt es keinen Friedhofszwang. Die Asche gilt nach dortigem Recht durch die Vermengung mit dem Substrat als beigesetzt, die Bestattung findet somit nicht in Deutschland statt. Die Baumbestattung sei eine Grauzone, so der Geschäftsführer des Verbands unabhängiger Bestatter Hans-Joachim Möller: „Man umgeht damit im Prinzip die Bestattungspflicht.“
Was sagen die Anbieter in der Region ?
„Es gibt einen unglaublichen Wandel in der Branche, Wald- und Seebestattungen nehmen immer mehr zu“, so Bastian Hemken von dem Ammerländer Bestattungshaus Freiraum Bestattungen. Bestattungen auf dem Friedhof machen bei dem Unternehmen aus Bad Zwischenahn noch 25 bis 30 Prozent der Beisetzungen aus.
Die Baumbestattung im eigenen Garten bietet das Haus seit zwei Jahren an. Kunden, die sich für diese Bestattungsform entscheiden würden, kämen häufig aus den Bauerschaften. Gerade wenn der Nachwuchs den eigenen landwirtschaftlichen Hof übernehmen wolle, komme eine Baumbestattung für die Angehörigen in Frage.
Etwa einmal pro Monat würde eine derartige Beisetzung durchgeführt, mit Steigerungspotenzial. „Aber ich bin da sehr skeptisch. Was passiert, wenn jemand stirbt und dann soll der Hof verkauft werden?“, sagt der 40-jährige Hemken.
Hans-Joachim Möller, Geschäftsführer des Verbands unabhängiger Bestatter, vermutet, dass „Erdbestattungen in zehn Jahren abgehakt sind“ und sieht einen absoluten Trend zu Baumbestattungen. Bundesweit waren laut Möller 77 Prozent aller Bestattungen in 2022 Feuerbestattungen. Wie hoch der Anteil an Baumbestattungen im eigenen Garten war, ist nicht bekannt. „Die Anbieter behandeln alles sehr geheimnisvoll“, sagt Möller.
Auch Christoph Onneken sieht einen riesigen Umbruch in der Bestattungskultur. Der 57-Jährige betreibt das Unternehmen Onneken Bestattungen im ostfriesischen Großefehn und bietet ebenfalls Baumbestattungen an. Diese seien eine „kleine Alternative für Angehörige, die sagen: Natur ja, aber nicht im Wald.“ Ein Friedwald sei nicht immer direkt vor der Haustür, für manche sei fraglich, ob sie den Baum ihres Partners dort im hohen Alter noch aufsuchen könnten.
85 Prozent der Beisetzungen in seinem Hause seien mittlerweile Einäscherungen. Die Baumbestattung im eigenen Garten habe er in vier Jahren jedoch erst fünf- oder sechsmal durchgeführt. Auch er selbst will später eingeäschert werden, in welcher Form die Beisetzung erfolgen soll, wisse er jedoch noch nicht. „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“, sagt Onneken.
