Im Nordwesten - Auf die Frage, ob ein übergewichtiger Mensch gesund sein kann, hat Dr. Antje Eimers-Jelen, Hausärztin in Aurich, eine klare Antwort: „Ja, das kann er.“ Für die Medizinerin ist ein Mensch erst krank, wenn er aufgrund von Beschwerden seinen Alltag nicht mehr meistern kann, in seiner Arbeit oder seinem sozialen Leben eingeschränkt ist. „Solange man sich wohlfühlt und keine Beeinträchtigungen hat, ist alles in Ordnung“, sagt die 55-Jährige.
Kein Schönheitsideal
Sie weiß, dass Ärzte als Grundlage einer Bemessung, ob jemand übergewichtig ist, den Body Mass Index und den Taillenumfang mit hinzuziehen. „Aber das sind Werte, die nicht immer alles aussagen können“, erklärt Dr. Eimers-Jelen. Denn um zu beurteilen, ob jemand übergewichtig ist, müsse man sich erst einmal die Frage stellen: Was ist eigentlich normal? Das Gewicht müsse Zeichen des eigenen Wohlbefindens sein und die eigene Körperwahrnehmung spiele eine wichtige Rolle. „Es geht immer um mich. Nicht darum, einem Schönheitsideal entsprechen zu müssen“, betont die Ärztin.
Sie behandelt sowohl Menschen mit Magersucht als auch mit Fettleibigkeit. Die Ärztin weiß aber, dass sich nicht alle vermeintlich gesunden Werte im Blut ablesen lassen, denn gerade die Fettleibigkeit schlägt sich erst spät in diesen Werten nieder. Hat das Übergewicht aber Auswirkungen auf die Kondition, auf die Gelenke und führt es zu weiteren gesundheitlichen Beschwerden, dann sollte man die Reißleine ziehen, so die Auricherin. Um zu ermitteln, wie hoch der eigene Fettanteil im Körper ist, gibt es spezielle Waagen. „Aber sie unterscheiden nicht zwischen dem Bauchfett und dem Viszeralfett“, sagt die Ärztin.
Essgewohnheiten
Sie hat einen klaren Ansatz: „Diät ist Mist.“ Vielmehr müsse man seine Essgewohnheiten hinterfragen und sie langsam ändern – aber ohne ständigen Verzicht zu üben. „Viele Frauenzeitschriften veröffentlichen wöchentlich irgendwelche Diäten“, sagt Dr. Antje Eimers-Jelen. Drei Kilo in einer Woche – das kann nicht gut gehen, so die Medizinerin. „Der Körper geht in den Kriegszustand, wenn er nicht ausreichend Nahrung bekommt, er wird dann für schlechte Zeiten einlagern“, erklärt die Ärztin. Das Problem bei Diäten sieht sie zudem darin, dass man sich nur eine gewisse Zeit lang an Regeln halten könne und viele Pläne einfach nicht alltagstauglich sind. Die Auricherin setzt bei ihrer Ernährung auf die Kontrolle der Energiedichte von Lebensmitteln. „Sie zu verringern, kann beim Abnehmen helfen, aber nicht radikal, ein halbes Kilo in der Woche sollte das Ziel sein“, erklärt Dr. Antje Eimers-Jelen. „Schließlich will keiner hungrig ins Bett gehen.“
