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NWZonline.de Ratgeber

Erfolgsgeschichte Von „king Art“: Fantastische Abenteuer-Welten aus Bremer Hand

25.07.2020

Bremen „Bevor ich den ersten Satz schreiben konnte, kannte ich schon eine Menge DOS- Befehle“, erzählt Jan Theysen von seiner Kindheit in den Achtzigerjahren. Der gebürtige Bremer aus Grolland und sein Grundschulfreund Marc König aus der Neustadt, beide Jahrgang 1979, hatten früh ihre Leidenschaft entdeckt. Weil Computer früher nicht mit „Mäusen“ gesteuert wurden, musste man DOS-Befehle eintippen, damit die Rechner machten, was sie sollten.

Jan und Marc nutzten die Computer, die jeweils ihre Väter nach Hause gebracht hatten, vor allem für Spiele. Aber die jungen Gamer begeisterten sich nicht bloß für „Monkey Island“, „Indiana Jones“ und andere Produkte der US-Firma LucasArts. Die Jungs wollten wissen, wie das geht mit dem Spieleentwickeln.

Heute residieren Jan Theysen und Marc König in der Bremer Innenstadt und sind aus Platzgründen kürzlich das vierte Mal umgezogen mit ihrer Firma King Art, die dieses Jahr das 20-jährige Bestehen feiert. Die Gründer daddeln noch immer gern und haben aus der Passion eine Profession gemacht. Die King-Art-Macher und ihre über 70 Mitarbeiter belohnen sich anlässlich des Firmen- Jubiläums mit einem neuen Spiel. Nach vier Jahren Entwicklungszeit geht am 1. September „Iron Harvest“ offiziell in den Verkauf.

Das Echtzeit-Strategiespiel der King-Artisten ist in einer alternativen Welt nach dem Ersten Weltkrieg angesiedelt und die aufwendigste und teuerste Produktion der Bremer. „Iron Harvest“ wurde vorab von Fans und Kritikern mit Lob überhäuft. Gamestar.de jubelt etwa: „Iron Harvest hat das Potenzial für eines der spannendsten Strategiespiele der nächsten Jahre.“

Erfolgreiches Start-up

Die Bilanz der Computerspiele-Entwickler von der Weser gleicht auf den ersten Blick einem supererfolgreichen Start-up, das seit zwei Jahrzehnten durch die Decke geht. King Art hat über 50 Spiele für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht in zahlreichen Genres und für sämtliche Plattformen sowie Endgeräte. Darunter waren Bestseller wie „The Book of Unwritten Tales“ (2009) und „Die Zwerge“ (2016) nach dem gleichnamigen Fantasyroman von Markus Heitz.

Bei der mehrfach ausgezeichneten Firma kreiert man am liebsten Rollen- sowie Strategiespiele. Seit 2013 finanzieren die Unternehmer ihre Projekte unter anderem über Fundraising, um sich bei der Umsetzung ihrer Ideen mehr Freiraum zu verschaffen. Normalerweise zahlen Verlage, die später Vermarktung nebst Vertrieb übernehmen, einen Großteil der Spiele und nehmen entsprechend Einfluss. Für „Iron Harvest“ sammelten die King-Art-Chefs ihre bislang größte Summe: 1,5 Millionen US-Dollar. Die Gesamtkosten liegen bei circa fünf Millionen Euro.

Kein Selbstläufer

Allerdings war King Art alles andere als ein Selbstläufer. Jan und Marc hatten sich in den Neunzigerjahren noch mit Büchern erarbeitet, wie man programmiert, virtuelle Landschaften hinbekommt und darin Figuren das Laufen beibringt. Und klar war, dass die beiden nach dem Abi irgendwas mit Computern machen wollen. Deshalb haben sie nach dem Zivildienst nacheinander ein Praktikum in einer Multimedia-Agentur absolviert.

Eine kommerzielle Spiele-Entwicklung erschien so allerdings unrealistisch wie ein Spaziergang auf dem Mars. „Auch wenn wir das im Hinterkopf hatten. Aber dafür hätte uns keine Bank einen Kredit gegeben“, erinnert sich Jan Theysen ans Jahr 2000. Also gründeten er und König, der an der Bremer Uni ein BWL-Studium begann, eine eigene Multimedia-Agentur mit Firmensitz in Jans Wohnung.

Bei King Art bastelte man fortan hauptberuflich Web-Seiten für Fitness-Studios, Versicherungen, Steuerberater und andere Unternehmen. Nebenbei entwickelten die Jung-Unternehmer „Murphy’s Gesetz“, das erste Computerspiel, mit dem die Gamer 2003 an die Öffentlichkeit gingen. Das kostenlose Browserspiel kam gut an und zog Aufträge nach sich. RTL und Sport1 bestellten bei King Art weitere Browserspiele. „Das war schön. Aber es gab dafür kein Geld hinterhergeschmissen“, sagt Betriebswirt Marc König, bei King Art zuständig für Zahlen und Verträge.

Interessanter wurde es vier Jahre später, als sich die Programmierer ein Spiel à la LucasArts ausdachten und damit einen Kindheitstraum erfüllten. „The Book of Unwritten Tales“ war konzipiert für Konsolen und Computer. Es wurde 2009 einerseits als das erfolgreichste Adventure-Spiel des Jahres gefeiert und bedeutete anderseits fast den King-Art-Ruin. Denn der Hamburger Verlag, mit dem King Art das Spiel herausbrachte, ging pleite, ohne die Bremer bezahlt zu haben. „Zum Glück kamen andere Aufträge rein, die uns den Hals gerettet haben“, sagt Theysen, selbst ernannter King-Art-Regisseur und kreativer Kopf der Firma.

Projekte gleichzeitig

Um solche aufreibenden Achterbahnfahrten zwischen Höhenflug und Absturz künftig zu vermeiden, arbeitet man bei King Art stets gleichzeitig an drei unterschiedlichen Projekten mit unterschiedlichen Partnern. Vor acht Jahren wurde die Multimedia-Agentur dann endgültig begraben.

Die King-Art-Leute konzentrieren sich auf Computerspiele und mauserten sich hierzulande nach eigenen Worten zu einem der größeren Spielesoftware-Häuser. Als Zielgruppe haben sie gewissermaßen sich selbst ausgeguckt: Anspruchsvolle Hardcore-Spieler, die lang dabei und ein bisschen Oldschool sind und die auf Qualität stehen.

Was plant man bei King Art? „Wir denken übers nächste Spiel nach. Wahrscheinlich geht’s Anfang oder Mitte kommenden Jahres los“, verrät Jan Theysen. „Und es wird größer als ,Iron Harvest’.“

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