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NWZonline.de Ratgeber

Ausstellung: Geschnittene Märchen für gute Freunde

20.10.2018

Bremen /Oldenburg Wer kennt sie nicht – die Märchen von Hans Christian Andersen (1805–1875). „Die kleine Meerjungfrau“, „Die Prinzessin auf der Erbse“ oder „Des Kaisers neue Kleider“ haben den Dänen bereits zu seinen Lebzeiten berühmt gemacht. Kaum aber jemand weiß, dass der Dichter ein Meister mit der Schere war.

Die Kunsthalle Bremen zeigt feinsinnige Scherenschnitte, Collagen und Zeichnungen des Schriftstellers in einer Ausstellung, die an diesem Samstag eröffnet wird und bis zum 24. Februar zu sehen ist. Es ist nach Angaben der Kunsthalle die größte Präsentation zu Hans Christian Andersen als bildenden Künstler, die jemals in Deutschland gezeigt wurde. Zu verdanken ist das dem Bremer Kunsthistoriker Detlef Stein, der in Odense, Andersens Geburtsstadt, auf die Scherenschnitte aufmerksam wurde. Zusammen mit Anne Buschhoff, Kustodin an der Kunsthalle Bremen, entwickelte er das Ausstellungskonzept.

Besuche in Oldenburg

Dass die Ausstellung in Bremen stattfindet, ist kein Zufall. Andersen war im Haus des Großkaufmanns und Senators Karl Friedrich Ludwig Hartlaub (1792–1874) und seiner kunstsinnigen Frau Johanna Elisabeth ein gerngesehener Gast. Mit Hartlaubs Tochter Lina von Eisendecher (1820–1875), die in Oldenburg in der Gartenstraße wohnte, verband Andersen eine jahrelange innige Freundschaft. Der Titelheld in Andersens Märchen „Der kleine Tuk“ (1847) trägt den Spitznamen von Lina von Eisendechers Sohn Carl. Und nach einem seiner Besuche in Oldenburg teilt sie ihm in einem Brief mit: „Ich habe alle ihre für die Kinder ausgeschnittenen Sachen an die Wände gehängt.“

Andersen schuf Scherenschnitte im Weißschnitt oder aus farbigem Papier. Schnitttechnisch variieren die Arbeiten zwischen der freien Schnittführung und dem damals noch unüblichen Schneiden des ein- oder mehrfachgefalteten Papiers. Der beim Auffalten entstehende Überraschungseffekt dürfte ihn dabei besonders gereizt und seine Fan-Gemeinde begeistert haben.

Sein Ruhm als Autor hatte Andersen zu einem beliebten Gast in Kopenhagener Bürgerwohnungen, auf dänischen Herrensitzen, an europäischen Fürsten- und Königshäusern gemacht. Bei den Tischgesellschaften erzählte er Geschichten oder las aus Büchern vor und schuf dazu simultan Scherenschnitte. Besonders frappierend muss für sein Publikum der synchrone Abschluss von Erzählung und Scherenschnitt gewesen sein. Andersen verschenkte die Schnitte solcher Abende an seine Gastgeber und deren Kinder.

Ab Anfang der 1850er Jahre begann Andersen, seine Scherenschnittmotive in Bilderbücher einzukleben und mit Illustrationen aus Zeitschriften, Seiten aus Theaterprogrammen oder Titelblättern von Büchern, Zeitungsanzeigen, Fahrkarten, Eintrittskarten und Speisekarten, eigenen Versen und Notizen zu kombinieren. Auch diese Collagen verschenkte er an die Kinder und Enkelkinder befreundeter Familien. Sie waren wie die Scherenschnitte sein Privatvergnügen.

Als Andersen am 4. August 1875 starb, fand man in seiner Wohnungen nicht einen einzigen Scherenschnitt, nicht eine einzige Collage von Ihm. Erst mit der Einrichtung des Hans Christian Andersen Museum in Odense 1905 begann man seine Bildkunst systematisch zu erfassen. Heute besitzt das Museum die größte existierende Sammlung mit Scherenschnitten des Künstlers. In öffentlichen dänischen Sammlungen sind insgesamt 174 Scherenschnitte verzeichnet. Rechnet man jene hinzu, die verschenkt wurden, kommt man auf rund 400 Scherenschnitte.

Inspirationsquelle

Der älteste erhaltene Scherenschnitt – ein Soldat – stammt aus dem Jahr 1822. Ein sehr komplizierter Schnitt mit mehreren Symmetrieachsen ist die große Arabeske, die Andersen 1874 für seine Freundin und Fördererin Dorothea Melchior herstellte. Solche Arabesken nannte er „geschnittene Märchen“.

Eines seiner bevorzugten Motive war der Mühlenmann oder Mühlenvater. Es zeigt eine Windmühle, die so ausgeschnitten ist, dass sie an eine menschliche Figur erinnert. Die Arme des Mannes sind die Flügel der Windmühle, aber anstelle der Hände finden sich Schreib- und Zeichenfedern. Der Scherenschnitt operiert mit einem Wortspiel: Auf Dänisch wird der Müller, der das Korn mahlt, auch „Maler“ genannt und ist identisch mit der Bezeichnung für einen Künstler. Andersen liebte solche Doppeldeutigkeiten.

Darüber hinaus hat er mit seinen Spielereien andere Künstler inspiriert, zum Beispiel den amerikanischen Pop-Art-Künstler Andy Warhol. Das Electro-Pop-Duo Pet Shop Boys ließ das Cover für seine 2011 erschienene CD „The Most Incredible Thing“ auf der Grundlage eines Andersen-Schnitts gestalten.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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