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NWZonline.de Ratgeber

Mit Tüftlern und Sammlern auf Zeitreise

11.08.2018

Bremen Der graue Metallkasten hat es der Besucherin aus den Niederlanden besonders angetan. Es ist die Magnetaufzeichnungsmaschine, die bei allen Rudi-Carrell-Shows zum Einsatz kam, die in den Fernsehstudios von Radio Bremen aufgenommen wurden. Geduldig beantwortet ein Mittsechziger ihre Fragen. Er ist Mitglied des Vereins, der das Bremer Rundfunkmuseum ehrenamtlich betreibt. Und das schon seit 40 Jahren. Die wissbegierige Besucherin macht schließlich noch ein Foto von der Regieklappe mit dem Namen des Fernsehstars und steuert das nächste Objekt an.

Besondere Atmosphäre

Auf rund 500 Quadratmetern präsentiert das Rundfunkmuseum, das größte Technikmuseum seiner Art in Deutschland, 750 Exponate – Radiogeräte, Plattenspieler, Tonbandgeräte und Fernseher. Darunter sind so wertvolle Raritäten wie der Parlograph. Das Diktiergerät ist eine Weiterentwicklung des von Thomas Alva Edison erfundenen Phonographen und kam um 1910 auf den Markt.

Auf dem Wandkalender im Büro von Jürgen Mathes (68), dem Vorsitzenden des Museumsvereins, sind die Termine der Gruppenführungen leuchtend orange markiert. Viele Termine sind nicht mehr frei. „Das Interesse ist groß“, freut er sich.

Das gilt auch für den Reparaturdienst des Museums. Die Tüftler haben für Ersatzteile Zugriff auf rund 3000 Geräte im Lager. „Für 50 Euro ist schon manches Radiogerät gerettet worden“, weiß der 68-Jährige.

Beliebt sind auch die Gerätebörsen, die dreimal im Jahr stattfinden. „Was doppelt und dreifach vorhanden ist, geben wir ab“, sagt Mathes. Die Einnahmen sind wichtig für den Museumsbetrieb.

In Kooperation mit Radio Bremen veranstaltet das Museum auch sechs Hörspielabende im Jahr. Die Übertragung der Stücke aus den 50er Jahren erfolgt mit Geräten aus dem Museum. Das schafft eine ganz besondere Atmosphäre.

Und jeden Mittwoch ist das Rundfunkmuseum mit der ganzen Welt verbunden – zumindest für einige Stunden. Denn von 10 bis 15 Uhr ist die Amateurfunkstation DK O BRM in Betrieb.

Die meisten Ausstellungsstücke stammen aus Haushaltsauflösungen und erweisen sich oftmals als ein Glücksfall. Ein solcher sind die Aufzeichnungsgeräte und Dokumente aus dem Nachlass von Harry Frommermann (1906–1974), dem Gründer des weltberühmten Vokalensembles Comedian Harmonists. Der Künstler, der während des Nationalsozialismus Deutschland verlassen musste, kehrte in den 1960er Jahren zurück und verbrachte die letzten Jahre bis zu seinem Tod in Bremen.

Teure Prestigeobjekte

Auch ein Stück Industriegeschichte lässt das Rundfunkmuseum Revue passieren, zum Beispiel die der Firma Nordmende, die bis in die 1970er Jahre in der Hansestadt Radio- und Fernsehgeräte produzierte und heute unter dem Namen TechniSat wieder auf dem Markt vertreten ist. „Der frühere Chef Martin Mende hat unser Museum auch besucht“, erzählt Mathes – nicht ohne Stolz.

Auch der berühmte Autobauer Carl Borgward (1890–1960) hat seine Spuren im Rundfunkmuseum hinterlassen – in Form einer Musiktruhe aus edlem Holz mit Radio, Plattenspieler und Tonbandgerät aus seinem Privathaus.

Aus dem Müll retteten die Museumsmitglieder dagegen ein Sprecherstudio von Radio Bremen aus den 1950er Jahren. „Das war der Arbeitsplatz von Hans Günther Oesterreich, dem ersten Sprecher von Radio Bremen“, sagt Mathes. Das Studio ist wie fast alle Exponate voll funktionsfähig.

Die ersten Radiogeräte kamen in Deutschland 1923 auf den Markt. Die erste Rundfunksendung im gleichen Jahr dauerte eine Stunde und hatte rund 800 Zuhörer. Ein Radiogerät war damals ein Luxusartikel, den sich nur gut betuchte Menschen leisten konnten.

Auch die ersten Fernsehgeräte in den 60er Jahren waren teure Prestigeobjekte. Im Rundfunkmuseum sind sie zu sehen, die ersten Modelle mit den Tischantennen, die umständlich hin- und hergetragen wurden, bis auf der Mattscheibe was zu sehen war. „Wir zeigen alles, von Anbeginn bis heute. Wir gehen mit der Zeit“, betont Mathes und führt den Besuch in den Lese- und Lehrraum.

Dort füllen historische Dokumentationen die Regale und nehmen Schalttafeln die Wände ein. Auf dem Tisch steht der Nachbau des Knallfunkensenders von Heinrich Hertz aus der Zeit um 1890. Damit lässt sich wunderbar erklären, wie die Funkwellen in die Luft kommen. Wissensvermittlung wird groß geschrieben.

Zum 40-jährigen Bestehen ist das Bremer Rundfunkmuseum auf der Verbrauchermesse Hanse Life vom 15. bis 23. September mit einem Stand in Halle 1 vertreten. Es handelt sich dabei um ein Wohnzimmer im Stil der 1970er Jahre. In der Jubiläumswoche vom 15. bis 23. September ist der Eintritt im Rundfunkmuseum (Findorffstraße 22–24, Eingang Plantagenhof) frei. Ansonsten kostet der Eintritt 3 Euro für Erwachsene und für Kinder 1,50 Euro. Kinder unter sechs Jahre haben freien Eintritt. Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags und sonntags 10–15 Uhr, für Gruppen nach Vereinbarung (Telefon 0421/35 74 06). 

Veranstaltungen:Die nächste Gerätebörse mit Exponaten aus dem Lager des Museums findet am 26. August von 10 bis 15 Uhr statt. Der nächste Hörspielabend steht am 17. August (17 Uhr) auf dem Programm.

Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

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