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NWZonline.de Ratgeber

Mit heißer Luft dem Himmel ein Stück näher

16.09.2017

Cloppenburg Es ist sicher gut, wenn man nach einer Ballonfahrt mit Holger Dirxen nicht gleich in eine Polizeikontrolle gerät. Und das nicht nur, weil man vielleicht noch etwas gedankenverloren durch die Gegend fährt. Sondern vor allem, weil man verdächtig nach Sekt riecht. Und nicht jeder Polizist glaubt sofort die Geschichte von der Taufe nach der ersten Ballonfahrt. Zum Beweis kann man immerhin auf seine angesengten Haare am Hinterkopf verweisen.

325 Kilo schweres Paket

Begonnen hat unser kleines Abenteuer auf einem Sportplatz am Rande von Löningen. Allein der Start eines Ballons ist ein Spektakel, das viele Neugierige anzieht. Schnell wird klar: Holger Dirxen ist ein Meister im Delegieren. Das muss er auch sein, denn gerade beim Start braucht es viele helfende Hände. Erst wuppen wir den Ballon, ein anfangs noch einigermaßen handliches 325-Kilo-Paket, aus dem Wagen, dann rollen wir ihn der Länge nach aus. Zwei kräftige Männer halten die Hülle aus hauchdünnem Polyester an ihrem unteren Ende auf, zwei weitere stehen an den Ventilatoren, über die kalte Luft hineingeblasen wird. Es dauert eine Weile, bis unser knallgelbes Fluggerät Formen annimmt. Alles muss schön faltenfrei sein, darauf achtet Dirxen genau.

Dann hören wir zum ersten Mal das für Heißluftballons so typische Geräusch des Brenners. Mit einer langen, orange lodernden Gasflamme erhitzt Dirxen die Luft im Ballon, der sich langsam aufrichtet. Im Korb, der noch auf der Seite liegt, hocken gleich mehrere Mitfahrer, damit die Reise nicht ohne uns losgeht. Dann wuppen wir gemeinsam den Korb in die Startposition und springen hinein. Sekunden später erheben wir uns vom Erdboden, ganz sachte.

Rasch kommen wir dem Himmel ein Stück näher. Löningen wird kleiner und kleiner. Es dauert nicht lange, und die winkende Verwandtschaft auf dem Sportplatz ist kaum noch auszumachen.

Anfangs zucken wir noch zusammen, wenn Dirxen den Brenner betätigt – es wird laut und heiß. Der 47-Jährige begrüßt seine Fahrgäste: „Willkommen im Wasserträumer-Heißluftballon“, einem der größten in Norddeutschland mit einem Volumen von 8500 Kubikmetern und einer maximalen Tragkraft von 2,7 Tonnen. Der Korb ist gerade mal knapp fünf Quadratmeter groß und dreigeteilt: in der Mitte Dirxen mit dem Brenner und 400 Litern Flüssiggas, rechts und links jeweils fünf Fahrgäste.

Und die haben viele Fragen. Warum wir zum Beispiel nicht nach Bremen fliegen, möchte eine Bremerin wissen. Das hängt allein ab vom Wind, sagt Dirxen, wobei dessen Richtung je nach Flughöhe und Luftschicht variieren kann. Der Wind kann sich sogar um 180 Grad drehen – die Cloppenburger haben sich schon mal gewundert, warum er gleich dreimal über ihre Stadt geflogen war.

Spontaner Beifall

Dirxen richtet seine Instrumente ein, darunter eine App, die den genauen Standort an die „Verfolger“ schickt. Das ist das Fahrzeug, das unsere Fahrt am Boden begleitet. Dann piept sein Handy: eine Whatsapp von einer Bekannten, er soll mal kurz winken. Auch das wird erledigt. Schnell noch ein Brikett nachlegen, wie Dirxen es nennt, wenn er Gas gibt, dann ist wieder Zeit für Fragen. Nein, passiert sei noch nie etwas, jedenfalls nichts Ernstes, seit er 2005 den Pilotenschein gemacht hat. Und ja, wir könnten auch über den Wolken fliegen, wenn welche da wären. Tatsächlich haben wir inzwischen eine Höhe von knapp 600 Metern erreicht und steigen weiter mit 1,3 Metern pro Sekunde.

Im Grunde hat sich seit 1783 nicht viel verändert. Damals starteten die Gebrüder Montgolfier zu ihrer ersten Ballonfahrt. Seither gilt übrigens unter Ballonfahrern als ausgemachte Sache, dass ein Ballon fährt und nicht fliegt.

Fast unbemerkt haben wir eine Höhe von 1089 Metern erreicht. Die Sicht ist hervorragend. Im Nordwesten erkennen wir den Dollart, aus rund 60 Kilometern Entfernung kaum mehr als ein Silberstreifen am Horizont. Und davor, „wie ein großer Schuhkarton“, die Meyer Werft. Im Süden reicht der Blick bis zum Teutoburger Wald. Unter uns schlängelt sich die Hase der Ems entgegen. Im Licht der untergehenden Sonne spiegeln sich die wiedervernässten Flächen des Hahnenmoores. Und hätte das Café im ehemaligen Torfwerk geöffnet, wir könnten in die Tassen gucken.

Nach gut einer Stunde hält Dirxen Ausschau nach einem Landeplatz. Eine Weide soll es sein, kein Kartoffelacker oder Getreidefeld – bloß kein Ärger mit Bauern. Dirxen funkt den „Verfolger“ an: „Zu deiner Info, wir landen wahrscheinlich bei Dohren.“ Die Bäume werden größer. Jetzt bitte alle Handys und Fotoapparate weg, beide Hände an die Griffe im Korb und „ein bisschen in den Knien federn“. Und, ganz wichtig, nach der Landung nicht gleich aus dem Korb springen. „Noch 14 Meter über Grund“, sagt Dirxen. Wir streifen ein paar Äste, dann setzt der Korb auf, hüpft einmal kurz hoch und kommt zur Ruhe. Spontaner Beifall.

Noch einmal müssen alle mit anpacken. Trödeln dürfen wir nicht, die Sonne ist bereits hinter den Bäumen verschwunden. Außerdem steht noch ein wichtiges Ritual an: die Ballonfahrertaufe. Ludwig der XVI., ein Zeitgenosse der Gebrüder Montgolfier, war von deren Wirken so angetan, dass er sie in den Adelsstand erhob. Nur Blaublütigen war die Fahrt fortan erlaubt. Und so bekommt auch heute noch jeder, der zum ersten Mal dabei ist, einen neuen Ehrentitel. Holger Dirxen holt das Feuerzeug raus und senkt bei jedem ein paar Haare am Hinterkopf an. Es knistert kurz, dann wird mit Sekt gelöscht. Und wehe, einer redet noch mal vom Ballonfliegen – das kostet eine Runde.

Ballonfahrten mit Holger Dirxen können gebucht werden unter Telefon 04471/899091 oder unter www.wassertraeumer.de. Einzelbucher ab 165 Euro, bei Gruppen ab 130 Euro pro Person.

Im Internet unter www.ballonfahrt.org kann man bei Angabe einer Postleitzahl oder Stadt weitere Anbieter in der Nähe seines Wohn- oder Urlaubsortes aufrufen.


Audio-Slide-Show von der Ballonfahrt unter   www.bit.ly/ballonol 
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