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Pro und Contra Coming-out Outing am Arbeitsplatz – Was dafür und was dagegen spricht

Zwar ist die Mehrheit aller queeren Menschen am Arbeitsplatz geoutet, doch es gibt noch immer viele, die ihre Sexualität oder Geschlechtsidentität versteckt halten.

Zwar ist die Mehrheit aller queeren Menschen am Arbeitsplatz geoutet, doch es gibt noch immer viele, die ihre Sexualität oder Geschlechtsidentität versteckt halten.

IMAGO / Westend61

Im Nordwesten - Ob mit einem Familienfoto am Schreibtisch oder beim Gespräch in der Büroküche – wer heterosexuell und cisgeschlechtlich ist, für den ist es selbstverständlich, von seinem Privatleben zu berichten. Anders ist es bei Menschen, die Teil der LGBTQI*-Community sind. Denn in dem Moment, in dem man darüber spricht, outet man sich häufig auch – und trotz Fortschritts in Sachen Akzeptanz weiß man nie, mit welcher Reaktion man rechnen muss.

Bei einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Jahr 2020 gaben 30 Prozent der Befragten an, sich ihren Kollegen und Kolleginnen gegenüber nicht zu outen. Gegenüber Vorgesetzten seien sogar 40 Prozent nicht geoutet. Die Meinungen dazu, ob man im Job offen über seine Sexualität oder Geschlechtsidentität sprechen sollte, gehen auseinander: Rechtsanwalt Othmar Traber ist selbst geoutet und hält es für unbedingt notwendig, während Diskriminierungsberaterin Constanze Schnepf vor Mobbing und Benachteiligung warnt.

Was die Begriffe bedeuten

LGBTQI* steht für „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual“. Es ist also eine Abkürzung für lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche, queere und intersexuelle Menschen. Das Sternchen (oder Plus) ist ein Platzhalter für weitere Sexualitäten und Geschlechtsidentitäten.

cisgeschlechtlich: Bei einer Cis oder cisgeschlechtlichen Personen stimmt das gelebte Geschlecht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein.

Trans: Als Trans oder transgeschlechtlich bezeichnet und definiert man Personen, deren gelebtes Geschlecht nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.

Was spricht für ein Outing ?

Für ein Coming-out am Arbeitsplatz spricht die Tatsache, dass man sich mit einer Geheimhaltung nur selbst schadet, sagt Othmar Traber. Der Jurist lebt mit seinem Mann in Nordenham und geht seit Beginn seiner Karrierelaufbahn offen mit seiner Homosexualität um: „Für mich war klar, das Thema muss auf den Tisch, denn es beeinflusst das ganze Leben. Wenn man es im Arbeitsleben versteckt oder unterdrückt, ist das auf Dauer für die eigene psychische Gesundheit extrem schädlich.“

Traber outete sich nach seinem Einstieg in die Arbeitswelt – damals in der Bauindustrie. „Das ist eine Branche, bei der man davon ausgeht, dass das Thema nicht leicht zu adressieren ist“, erinnert er sich. „Aber das ist ein Vorurteil.“ Traber fand heraus, dass sein damaliger Vorgesetzter selbst schwul war, und so wurde sein Outing von Anfang an gut aufgenommen. Auch Diskriminierungserfahrungen musste der Anwalt im Job bisher noch nie machen.

Othmar Traber ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Bremen und lebt mit seinem Mann in Nordenham.

Othmar Traber ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Bremen und lebt mit seinem Mann in Nordenham.

Hauke Müller

Was spricht gegen ein Outing ?

Doch so wie Othmar Traber geht es nicht allen: 30 Prozent der geouteten Teilnehmenden der DIW-Umfrage gaben an, in den vergangenen zwei Jahren Diskriminierung im Arbeitsleben erfahren zu haben. Bei Transpersonen ist die Zahl sogar noch höher. Dass dies nicht nur Zahlen sind, sondern auch Menschen, bestätigt Constanze Schnepf von der Antidiskriminierungsstelle in Oldenburg. Sie weiß aus ihrer Erfahrung, dass viele Menschen Probleme durch ein Outing erleben. „Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität und Orientierung ist ein häufiges Phänomen“, erklärt sie. Daher glaubt sie, dass einige der Personen, mit denen sie in der Beratung zu tun hatte, von einem Outing abraten würden.

Denn diese Diskriminierung wirkt sich nicht nur auf die psychische Gesundheit der Betroffenen aus, sondern auch auf ihre Karrierechancen. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verdienen schwule Männer für die gleiche Arbeit 5 Prozent weniger als heterosexuelle Männer. Und Trans-Frauen verdienen 11 Prozent weniger als cisgeschlechtliche Frauen.

Was ist zu tun bei Diskriminierung ?

Constanze Schnepf berichtet auch von Betroffenen, die wegen Diskriminierung den Job gewechselt haben. Ein Schritt, den Othmar Traber zwar nachvollziehen kann, doch neben dem es auch noch andere Möglichkeiten gibt: „Ich würde immer dazu raten, Probleme zunächst intern zu klären oder es zumindest versuchen. Aber klappt das nicht, kann man sich auch juristisch gegen die Diskriminierung wehren.“

Traber ist selbst seit 2011 Mitglied des Völklinger Kreis, einem Netzwerk schwuler Führungskräfte und Selbstständiger, das sich unter anderem auch für ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld einsetzt.

Außerdem nahm er im Jahr 2020 an der Aktion „Gesicht zeigen“ teil, bei der LGBTQI*-Juristen und -Juristinnen für mehr Mut zur Offenheit plädierten. „Es ist wichtig, dass es Rollenvorbilder gibt, das ermutigt auch die jüngere Generation“, erläutert er.

Hilfe bei Diskriminierung

Wer aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität Diskriminierung und Mobbing erlebt, findet hier Unterstützung:

Antidiskriminierungsstelle von IBIS e.V.: kostenlose und anonyme Beratung in Oldenburg. Telefonisch erreichbar unter 0441 92058228 oder per Email: ads@ibis-ev.de

LGBTIQ Helpline: Unterstützung und Beratung telefonisch, per Email oder per Chat. Mehr Infos unter www.lgbtig-helpline.ch/de

Trans*Beratung Weser-Ems: Beratung zu allen Fragen der Transgeschlechtlichkeit und Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität. Mehr Infos unter transberatung-weser-ems.de

Maike Schwinum
Maike Schwinum Thementeam Soziales
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