Emden - Es war eigentlich ein Anlass zur Freude, als in der vergangenen Woche der zweite Emder Christopher-Street-Day (CSD) angekündigt wurde. Doch der Bericht der Emder Zeitung über die Feier für Lesben, Schwule, transgeschlechtliche Menschen und Co. wurde auf Facebook zu einem Schauplatz für Hass und Intoleranz. Ein Post, den das Blatt auf der Social-Media-Plattform veröffentlicht hatte, löste eine Flut von Hasskommentaren aus: In etwas mehr als 24 Stunden hatten sich rund 1300 Kommentare angesammelt, mittlerweile sind es über 1500 – viele davon boshaft oder sogar beleidigend.
Kritik der Nutzer
„Es ist eine Minderheit, die einer Mehrheit den letzten Nerv raubt“, schreibt die Nutzerin Anne L. unter den Beitrag. „Ich kann das langsam nicht mehr hören und sehen“, kommentiert Nouredine B., während Heike S. sagt: „Mich nervt es auch nur noch. Nur weil es das in Hamburg und Berlin gibt, muss es das doch nicht zwingend auch in Emden geben.“ Der Nutzer Matthias S. bezeichnet den CSD als „Freakshow“. Alles, was wir in diesem Artikel zitieren, wurde öffentlich kommentiert. Die Identitäten der Nutzer und Nutzerinnen hat unsere Redaktion nicht überprüft. Somit ist nicht klar, ob es sich um Klarnamen oder Pseudonyme handelt.
Der Konsens der Kritiker scheint zu sein, dass die „Zurschaustellung“ queerer Lebensweisen durch eine Veranstaltung wie den CSD „unnötig“ und vor allem „nervig“ sei. Man könne ja leben, wie man will, solle dies aber für sich behalten und es nicht „ständig predigen“. Der Christopher-Street-Day fand im vergangenen Jahr zum ersten Mal in Emden statt und wurde mit über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern als großer Erfolg verbucht.
Stefan Bergmann ist Teil des Veranstaltungsteams und sagt, der Shitstorm zeige, warum der CSD unerlässlich sei: „Solange es Menschen gibt, die der queeren Community das Recht absprechen, so zu leben, wie sie es möchten, sind diese Veranstaltungen weiter bitter notwendig.“ Er zeigt sich für das diesjährige Event umso entschlossener: „Ich würde sagen: Jetzt erst recht.“ Wen es nerve, der solle eben nicht hingehen, so der Veranstalter.
Rolle der Kinder
Auf dem Bild zu dem Facebook-Beitrag sind zwei Kinder bei einer CSD-Parade zu sehen. Auch dies stört die Kritiker und Kritikerinnen der Veranstaltung. Ein Nutzer, der sich Dominik NW nennt, schreibt: „Was haben die Kinder da zu suchen?“ Hubert A. kritisiert, dass „die armen Kinder“ zum Besuch des CSD „gezwungen“ werden. „Unmöglich die Kinder so zu beeinflussen in ihrer Entwicklung“, kommentiert auch Christian S. und vergleicht schwul, lesbisch oder transgeschlechtlich zu sein mit einer „bipolaren Störung“.
Stefan Bergmann sieht für diese Vorwürfe keine Grundlage, appelliert aber vor allem an die Eltern: „Eltern wissen, was für ihre Kinder am besten ist und wie sie erzogen wurden. Wenn Kinder tolerant und weltoffen erzogen worden sind, dann können sie das einordnen. Aber beim CSD passiert nichts, was Kinder verschrecken könnte.“
Weltoffenes Emden
Neben den vielen negativen Kommentaren gibt es zu dem Post mittlerweile auch positive Rückmeldung. Einige Nutzer kontern die Kritik auch ganz direkt. Billy N. bezeichnet den Christopher-Street-Day als „wichtige“ Veranstaltung, Elli E. spricht von der „wunderbaren und positiven Stimmung“ bei der Parade im vergangenen Jahr.
Auch Stefan Bergmann betont, dass der Shitstorm nicht die Mehrheit der Emder widerspiegelt. Er glaubt, dass die meisten Hasskommentare aus anderen Teilen Deutschlands kommen. „Emden ist eine weltoffene Stadt, auch, was die queere Community angeht“, so der Veranstalter. „Der letzte CSD war ein großer Erfolg. Auf Emden lasse ich, was das Thema angeht, nichts kommen.“
Der zweite CSD in Emden findet am Samstag, den 29. Juni statt. Die Parade beginnt um 13 Uhr und zieht vom Emder Bahnhof bis zum Stadtgarten. Dort startet um 15 Uhr die Kundgebung mit Grußworten und einem Bühnenprogramm. Anschließend gibt es am Abend, ab etwa 17 Uhr, eine After-Show-Party im Grand-Café.
