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NWZonline.de Ratgeber

Das große Krabbeln

20.06.2015

Damme Hildegard Blach aus Steinfeld im Oldenburger Münsterland arbeitete im Vorgarten und schnitt den Buchsbaum, da sah sie das erste Tier. Dann das nächste, im Blumentopf. In den Kellerschächten, an der Hauswand, auf der Terrasse – überall Hirschkäfer. „Die sind zum Fürchten, wenn man sie zum ersten Mal sieht“, sagt ihr Mann Udo.

Immerhin, die Blachs wussten, was zu tun ist. Udo Blach holte das Kehrblech, sammelte die Käfer ein und trug sie auf die andere Straßenseite. Dort stehen ein paar alte Eichen, bei denen fühlen sich die Hirschkäfer wohl. Und Hildegard Blach rief bei der Gemeinde an. Die leitete die Meldung weiter an Werner Schiller.

Schiller ist der „Hirschkäfer-Papst“ – viel mehr Respekt geht im katholischen Damme nicht. Für den „Lucanus cervus“, so die wissenschaftliche Bezeichnung des Hirschkäfers, vernachlässigt der 68-Jährige mitunter sogar den heimischen Garten. Oft trifft man ihn beim Naturschutzzentrum Dammer Berge. Der Verein betreut im Nordwesten von Damme ein ehemaliges Bundeswehrgelände.

Werner Schiller und Bernd Averbeck sind die führenden Köpfe des Vereins. Zwei pensionierte Biologielehrer, der eine Experte für Hirschkäfer, der andere für Stare, Steinkäuze und Blumenwiesen. Und beide eine „aussterbende Art“, scherzt Averbeck.

Vorliebe für Eichen

Stärker noch droht dieses Schicksal allerdings den Zauneidechsen, Kammmolchen oder eben Hirschkäfern – ihnen vor allem gilt rund um das ehemalige Wachhaus die Aufmerksamkeit von Schiller und Averbeck.

Der Hirschkäfer gilt deutschlandweit als stark gefährdet. Es gibt nur wenige Orte, in Brandenburg und Hessen etwa, wo man ihn ähnlich häufig antrifft wie in den Dammer Bergen. Im Süden des Oldenburger Münsterlandes lebt die größte Population in ganz Norddeutschland. Denn dort findet er, was er braucht: sonnige Waldrandlagen, lockere Böden und vor allem alte Baumstümpfe, mit Vorliebe Eichen.

Dort legt das Weibchen die Eier ab. Vom morschen, sich zersetzenden Holz ernähren sich die Larven, die bis zu zwölf Zentimeter lang werden, wenn sie nicht vorher von Wildschweinen gefressen werden. Wenn der fertige Hirschkäfer das Licht der Welt erblickt, dauert sein Leben gerade mal vier bis sechs Wochen.

Für Schiller ist die „Urwald-Reliktart“ dank ihrer urigen Gestalt ein „Sympathieträger“. Er selbst kam 2005 auf den Hirschkäfer. Damals war er bereits in der Nabu-Ortsgruppe Damme aktiv. Geplant war eine erste Kartierung. Nur wo und wie findet man die Tiere? „Obwohl ich bereits 30 Jahre in Damme lebte, hatte ich vielleicht zwei Hirschkäfer gesehen“.

Der Zufall half nach. Beim Spargelkauf erzählt Schiller von seinem Vorhaben. Kurz darauf brachte ihm die Verkäuferin in einem Glas das erste Exemplar. Es folgte ein Aufruf in der Zeitung. Ununterbrochen klingelte nun das Telefon. Es war die Geburtsstunde der „Hirschkäfer-Hotline“.

200 bis 300 Anrufe bekommt er pro Saison, sagt Schiller. Etwa drei von vier Meldungen prüft er selbst. Dann setzt er sich ins Auto und fährt den „Hirschkäfer-Highway“ ab, einmal im Uhrzeigersinn um die Dammer Berge. Die „Hotspots“ liegen in den Gemeinden Damme, Neuenkirchen-Vörden, Holdorf und Steinfeld.

Ortstermin bei einem Kindergarten Osterfeine in Damme: Wiederholt haben Kinder und Mitarbeiterinnen Hirschkäfer beobachtet und gemeldet. Tom, ein sechsjähriger Blondschopf, bringt einen Hirschkäfer. Oder vielmehr das, was vermutlich eine Krähe von ihm übrig gelassen hat. Eigentlich ist es nur der Kopf mit den Mandibeln, imposanten Mundwerkzeugen, die aussehen wie ein Geweih. Ihnen verdankt der Hirschkäfer seinen Namen. Er braucht sie, um beim Kampf um Weibchen männliche Rivalen auszuhebeln.

Rendezvousplätze

Werner Schiller untersucht die nähere Umgebung. Gegenüber vom Kindergarten stehen ein paar Eichenstubben. Dann wandert sein Blick an einem Baum hoch, auf der Suche nach einer Wunde in der Rinde, einer „Leckstelle“. Denn der Hirschkäfer ernährt sich ausschließlich von Baumsaft. Ist der Baumsaft bereits angegoren, dann liegen die Tiere betrunken unter dem Baum und strampeln mit den Beinen.

Die Leckstellen sind die bevorzugten Rendezvousplätze der Hirschkäfer. Dort rangeln die Männchen um die Weibchen und werfen ihren Konkurrenten vom Baum. Das siegreiche Tier stirbt kurz nach der Paarung.

Jetzt, während

der Flugzeit der Hirschkäfer, ist Werner Schiller unermüdlich unterwegs. Fast mantrahaft wiederholt er seine Bitte: Ruft an, wenn ihr einen Hirschkäfer seht! Und lasst vor allem die Stubben stehen, wenn ihr Bäume fällt!

Hauptflugzeit: Juni und Juli. Am besten lässt sich der Hirschkäfer in der Abenddämmerung beobachten, auch in Siedlungen.

Hirschkäfer-Hotline: Gemeldet werden sollten Werner Schiller unter Telefon  05491/1412 (oder per E-Mail werner.schiller@gmx.net) Fundort und -datum, Anzahl und Geschlecht.

Die Männchen sind mit bis zu acht Zentimetern Länge doppelt so groß wie die Weibchen. Bei beiden Geschlechtern sind die Flügeldecken kastanienbraun, der Kopf ist schwarz.

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