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NWZonline.de Ratgeber

Jeder Tropfen zählt

24.08.2019

Diekmannshausen Trinkwasser ist das Lebensmittel Nummer eins und knapp. Das wissen wir nicht erst, seit mehrere Kommunen in diesem Sommer Beregnungsanlagen in Vorgärten verboten haben. Im Blauen Klassenzimmer wird dem Besucher drastisch vor Augen geführt, wie verschwenderisch wir mit Trinkwasser umgehen. Ein paar Beispiele: Für die Herstellung von 100 Gramm Müsli werden 130 Liter Wasser benötigt, für eine Tasse Kaffee 140 Liter und für ein Ei zum Frühstück sogar 200 Liter.

Das Blaue Klassenzimmer befindet sich im Infohaus Wasser im Museum Kaskade in Diekmannshausen (Kreis Wesermarsch). Das Museum in Sichtweite des Jadebusens ist ein altes Speicherpumpwerk, das 1956 in Betrieb genommen wurde, um das Trinkwasser für die Haushalte in der Wesermarsch aufzufrischen.

Anfassen erlaubt

In Küstennähe ist das Grundwasser versalzen, die Wesermarsch in dieser Hinsicht ein Notstandsgebiet. Um Nordenham mit frischem Trinkwasser zu versorgen, wurde Anfang der 1950er Jahre eine 52 Kilometer lange Hauptleitung um den Jadebusen herum verlegt und nach zwei Jahren Bauzeit 1952 fertiggestellt. „Das war Schwerstarbeit“, sagt Dina Leipner, Leiterin des Infohauses Wasser in der Kaskade.

Das Wasser aus Feldhausen bei Schortens (Kreis Friesland) kam in der nördlichen Wesermarsch anfangs nur tröpfchenweise aus der Leitung. Deshalb wurde auf halber Strecke die Kaskade gebaut. Das Speicherpumpwerk war das erste Gebäude, das der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband in seinem rund 7554 Quadratkilometer großen Versorgungsgebiet errichtete. Zwei Pumpen sorgten für den nötigen Druck. Anfang der 1970er Jahre wurden die Pumpen stillgelegt, die Kaskade wurde überflüssig.

Heute kommt das Trinkwasser aus den drei Hauptwerken Nethen, Sandelermöns und Großenkneten. „An der Küste leben wir am Tropf der Geest“, sagt Dina Leipner. Aus der Kaskade wurde ein Museum, das seit 2014 mit einer völlig überarbeiteten, weitgehend barrierefreien Ausstellung mit dem Schwerpunktthema Grundwasserschutz aufwartet.

Auf 1000 Quadratmetern über sechs Ebenen begeben sich die Besucher auf die Spur des Trinkwassers. Vom Fördern und Aufbereiten bis zur Abwasserreinigung. An Sinnesstationen und interaktiven Objekten geht es ums Begreifen im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Blaue Klassenzimmer sorgt dabei für besondere Aha-Erlebnisse. Das vom Erlebniskontor Bremen entwickelte Mitmachkonzept richtet sich sowohl an Grundschulklassen als auch an Erwachsene. Sie werden selbst zu Forschern, gehen zum Beispiel den Ursachen des Wassermangels in einigen Regionen auf der Erde auf den Grund oder ergründen die Folgen des Klimawandels für die Zukunft des Trinkwassers. Das Programm ist sehr gefragt, das Blaue Klassenzimmer fast ständig ausgebucht. Auch Studierende der Jacobs Univerdity Bremen gehören zu den regelmäßigen Besuchern.

Waschen mit Efeu

Anfassen ist in der Kaskade auch ausdrücklich erwünscht bei der Reise in die Vergangenheit der Trinkwasserversorgung. Das Wasser aus einem Brunnen zu holen und in Eimern an einem Tragejoch nach Hause zu bringen, war anstrengend. Kostüme und Requisiten liegen bereit, um die Prozedur am eigenen Leib zu erfahren.

Vorbei geht es an einer Wand mit 100 Flaschen, von denen 99 nur Salzwasser enthalten. Die einzige Flasche mit Trinkwasser ist auch noch nicht mal ganz voll. „So steht es um die Trinkwasserversorgung auf der Erde“, erklärt Dina Leipner. Auf einer anderen Ebene gluckert und blubbert es, das Licht im schmalen Gang schimmert schummrig-bläulich. Der Besucher wird zu einem Wassertropfen in der Wasserleitung und macht Bekanntschaft mit dem ersten Wassermeister Wilhelm Bruns, der von der Wasseraufbereitung in den Anfangsjahren im Speicherpumpwerk berichtet. Wie die Wasseraufbereitung heute in der Betriebsstelle Nordenham funktioniert, erklärt an einer anderen Stelle Peter Kirschberger.

Die Reise durch die Wasserleitung endet in einer Küche. Dort gibt es unter anderem eine Antwort auf die Frage, was die Qualität des Trinkwassers mit einer guten Tasse Tee zu tun hat. Haushaltstipps, wie zum Beispiel die Wäsche mit Efeublättern sauber wird, bekommt man gratis dazu.

Im alten Speicherbecken in der Kaskade grünt und blüht es. Wir sind beim Grundwasser- und Bodenschutz im Garten angekommen. Auch dort lautet die Botschaft: Jeder Tropfen zählt.

Das Infohaus Wasser im Museum Kaskade (Bäderstraße 7) in Diekmannshausen (Gemeinde Jade) ist montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 12 Uhr, mittwochs von 14 bis 17 Uhr und sonntags 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Anmeldungen für Gruppenführungen ab zehn Personen und Schulklassen unter Tel. 04401/91 61 56 oder unter www.oowv.de.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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