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NWZonline.de Ratgeber

Glaube: Ort für geistliches Leben und mutiges Handeln

07.08.2021

Dinklage Seit Jahrhunderten ist die Wasserburg Dinklage ein Begriff im Oldenburger Münsterland. Auf dem ehe­maligen moorigen Rodungsland soll es bereits 980 eine sogenannte Ferdinandsburg in dem damaligen Ort Dincklage gegeben haben, dessen Name auf die germanische Gerichtsstätte „Thincklage“ zurückzuführen ist.

Bereits 1231 taucht urkundlich die Familie von Dincklage auf. Wegen ihres Aufbegehrens gegen die Autorität des Fürstbischofs Florenz von Münster, wird die Burg 1372 zerstört. 30 Jahre später er­richteten die Dincklagischen Nachkommen vier Burgen. Die Hugoburg musste im 19. Jahrhundert der Burgkapelle weichen, während die drei anderen noch heute von 23 Benediktinerinnen bewohnt und bewirtschaftet werden.

Als Heinrich von Galen (aus Galen bei Dorsten) 1641 zum Drosten von Vechta avanciert, zieht er auf Burg Dinklage ein. Schon zehn Jahre später setzt Graf Heinrich mit seinem Bruder dem Fürstbischof Christoph Bern­hard von Galen die Rekatholisierung und Autonomie der Region durch. Am 16. März 1878 wurde Clemens August Kardinal von Galen auf der Burg geboren.

Seit seiner Seligsprechung im Jahr 2005 durch Papst Benedikt XVI. wird er als „bedeutender Sohn des Oldenburger Münsterlandes“ verehrt und die Benediktinerinnen gründeten zusammen mit regionalen Unternehmern die Kardinal von Galen- Stiftung. 2013 wurde in der Burgmühle die Dauerausstellung „Clemens August von Galen“ eingerichtet. Von Galen erlangte als Bischof und „Löwe von Münster“ wegen seines Widerstandes gegen die Nazis internationale Bekanntheit. Kurz nach der Ernennung zum Kardinal verstarb er am 22. März 1946.

Neuer Mutweg

Anlässlich des 75. Todestages des Kardinals wurde im März 2021 der neue Mutweg mit acht Kunstobjekten auf einem Teil des historischen Prozessionsweges eingeweiht. Unter der Regie des Fries­oyther Schmiedemeisters und Dipol-Designers Alfred Bullermann und Schwester Johanna hatten Dinklager Schüler vor sechs Jahren Skulpturen zum Thema „Mut woher – Mut wozu?“ gefertigt.

In der Zeit von 1840 bis 1844 haben die Großeltern des Kardinals die neugotische Burgkapelle gebaut, in deren Gruft und Kirchenraum Angehörige der von Galen-Familie aus vier Jahrhundert ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Sie fungiert als Hochzeitskapelle und Ort des Gebetes.

In Gemeinschaft

Am 9. Juni 1949 zog eine Gruppe der Benediktinerinnen aus Alexanderdorf auf die Burg, weil ein Neffe des Kardinals sie zur Klostergründung zur Verfügung stellte. Seit 2014 leben in der klösterlichen Gemeinschaft 23 Schwestern aus vier Ländern zwischen 36 und 95 Jahren. Im Zentrum der Burg feiern sie fünf Mal pro Tag in der Klosterkirche einen Gottesdienst.

Wunderschöne handwerklich-künstlerische Arbeiten entstehen in ihren Werkstätten, mit denen sie genauso ihren Lebensunterhalt finanzieren wie durch Vortragstätigkeiten, diözesane Aufgaben und pastorale Tätigkeiten. Weitere Einkünfte entstehen durch den 2000 eröffneten Klosterladen und das im Winter 2014 sanierte Klostercafé.

Erweitert wurde die Übersetzungswerkstatt von zwei Schwestern, die deutsche Texte in englisch-amerikanische, sowie englische, französische und italienische Texte ins Deutsche übertragen. In 2019 wählten alle Klosterfrauen ihre Priorin Franziska Lukas wieder für die kommenden zwölf Jahre als Vorsteherin der 1977 gegründeten Abtei. Seit 1999 gibt es ein Bildungs- und Exerzitienhaus für Gäste. Die Martinsscheune dient als Herberge für Obdachlose und Notleidende.

Ikonenmalerei

Neben der Herstellung von liturgischen Gewändern, Kerzen und Oblaten (Hostien) durch ihre Ordensfrauen, malt Schwester Antje Eichhorn seit 27 Jahren Ikonen, die ebenso wie Bücher, Karten, Kerzen und vieles mehr im Kloster­laden angeboten werden. „Alles, was sakrosankt ist, ist ikonenfähig. Alles, was zur Liturgie gehört, kann man ins Bild bringen. Wenn man den Formenkanon einhält, kann man mit Mitteln der Ikonenmalerei neue Themen interpretieren“, erklärt die Ordensfrau. Es gebe in der byzantinischen Tradition der orthodoxen Kirche keine Vorlagen für unsere moderne Liturgie, da die Liturgie der westlichen Kirche sich weiterentwickelt habe.

Die Vorgaben des Formenkanons für Menschen, Bäume und Gewänder studierte die Benediktinerin mehrere Monate in einem griechischen Kloster. „Es ist wie eine Sprache: Wenn ich die Grundlagen beherrsche, kann ich variieren. Das hat nichts mit dem Kunstverständnis der Moderne zu tun“, weiß Schwester Antje aus Erfahrung und aus Literaturstudien. Aufs Feinste hat sie Ikonen von der in Auschwitz ermordeten Ordensfrau Edith von Stein, des Heiligen Franziskus und des Kardinals von Galen angefertigt.

Die Benediktinerin arbeitet nach einer mittelalterlichen Technik mit Pigmenten auf Holz, das grundiert und vergoldet wird. Im Klosterladen können Gäste sie bewundern.

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