• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Ratgeber

Glaube: Ort der Versöhnung und stillen Anbetung

22.05.2021

Dörpen Heede im Emsland ist kein offizieller Wallfahrtsort der katholischen Kirche, aber er ist seit dem Jahr 2000 eine anerkannte Gebetsstätte. Deshalb pilgern rund 70 000 Menschen jährlich zu diesem 2200 Seelen umfassenden Ort in der Samtgemeinde Dörpen nahe der niederländischen Grenze, die auch durch ihre tausendjährige Riesenlinde bekannt geworden ist.

Ein Blick in die Geschichte verrät, dass sich in Heede ab 1937 Wundersames und Dramatisches abgespielt hat. Vier Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren erlebten in der Zeit vom 1. November (Allerheiligen) 1937 bis November 1940 an 105 Tagen Marien­erscheinungen, die schon damals viele Menschen in ihren Bann gezogen haben.

Für das stille, von Moor und Heide umgebene Dorf waren die Ereignisse eine Sensation, die vor allem die National­sozialisten in Unruhe versetzt hat. Sie begriffen die Seher­kinder als Störenfriede ihrer mühsam aufgebauten Volksgemeinschaft. Die übersinn­lichen Wahrnehmungen der Mädchen bedrohten die Weltanschauung der Machthaber und forderten schnelles Eingreifen.

In der Nervenklinik

Denn schon damals besuchten bis zu 15 000 Menschen Heede, dass von einer 80 Mann starken Verfügungstruppe Hermann Görings systematisch abgeriegelt wurde. Verhaftungen von Einheimischen und Fremden sowie ­Verhöre der Kinder waren die Folge. Die vier Mädchen wurden über die städtische Klinik Osnabrück in eine Nervenklinik in Göttingen eingewiesen. Hier ließ sich aber die vermutete Geistes­gestörtheit medizinisch nicht belegen und die Kinder durften langfristig nicht weggesperrt werden. Auch ein Schulrat und der damalige Bischof bescheinigte ihnen Normalität.

Als die Mädchen nach Hause zurückkehrten, verbot die Gestapo ihnen, die Erscheinungsstelle der Gottesmutter auf dem Friedhof zu betreten. Aufgestellte Wachtposten konnten das „bedrohliche Spektakel“ aber nicht verhindern. Denn auf Umwegen näherten sich die Mädchen dem Friedhof nahe der 20 Meter entfernten alten Petruskirche (900 n. Chr.) von außen. Es folgten erneut Visionen an zehn verschiedenen Stellen bis zum 3. November 1940, als sich die Gottesmutter mit einem Segen endgültig von den Kindern verabschiedete, heißt es.

Die heilige Maria erschien ihnen als „Königin des Weltalls“ und „Königin der armen Seelen“ mit dem Jesuskind auf ihrem Arm. Die Mädchen konnten ihre Gestalt ganz genau beschreiben, sodass eine Statue von ihr angefertigt wurde (Foto). Sie steht heute in der Gnadenkapelle neben der Petruskirche.

Die kind­lichen Schilderungen des Gesehenen und Gehörten wichen nicht von­einander ab und bestärkten unter den Gläubigen den Wahrheitsgehalt der Erscheinungen. Die Gottesmutter legte demnach den Kindern ans Herz, die „Lauretanische Litanei“ zur Marienverehrung zu beten. Grete Ganseforth, dem jüngsten der Seherkinder, wurde eine besondere Gnade zuteil: Sie hat mit ihrem lebenslangen Leiden die Sünden ihrer Mitmenschen gesühnt. Nach einer schweren Krankheit war Grete gelähmt bis zu ihrem Tod im Jahre 1996 bettlägerig.

Todesqualen erlitten

An Karfreitag erlitt sie Todesqualen und zeigte Blutschwitzen, was durch Augenzeugen bestätigt und fotografiert wurde. Sie lebte während dieser Zeit in einer kleinen, ebenerdigen Wohnung (Foto), wo sie auch Besuch von Pilgern, den Gemeindepfarrern und sogar von Bischof Franz-Josef Bode vom Bistum Osnabrück empfing. „Sie war alles andere als das, was Leute sich unter einer Mystikerin vorstellen, sondern eher eine typisch emsländische, bodenständige Bäckerstochter“, erzählt Pfarrer Johannes Brinkmann (95), der 2015 ein Buch über Grete Ganseforth verfasst und herausgegeben hat.

Der Ort Heede war in der Zeit von 1933 bis 1945 umgeben von 15 Emsland­lagern, in denen 180 000 Gefangene aus ganz Europa härtester Arbeit und Folter bei der Kultivierung der Moore ausgesetzt waren.

Im Konflikt mit Nazis

Viele Andersdenkende, Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer fanden hier in diesen Jahren den Tod. Angesichts dieses zeitlichen und regionalen Zusammentreffens mit den Marienerscheinungen stellt sich die Frage: Wollte die Muttergottes das Unrecht in unmittelbarer Nachbarschaft gesühnt sehen oder darauf aufmerksam machen? Die Nationalsozialisten haben das damalige Geschehen als Störung ihrer ideologischen Ziele angesehen – die ausstrahlende Kraft des christ­lichen Glaubens hat ihnen Angst gemacht.

Wer Heedeheute besucht, wird immer noch beeindruckt sein: Von der Aura und Stille der Gebetsplätze, von dem Kreuzweg, dem gepflegten Friedhof mit den alten Bäumen und schließlich von der Andacht der Gläubigen in der Gnaden- kapelle. Stille Anbetungen und Krankensegnungen, Lichterprozessionen und andere kirchliche Veranstaltungen finden im Umfeld der Marienkirche statt, wo auch zwei Reliquien ausgestellt sind: Ein Faden aus einem Gewand und eine Blutreliquie des Papstes Johannes Paul II. Zu diesen Zeiten stehen immer auch zwei Priester für die persönliche Beichte zur Verfügung.

In der Pandemie gelten derzeit spezielle Regelungen, die beim Sekretariat der Kirchengemeinde unter Telefon 04963/ 554 erfragt werden können. Infos zur Gebetsstätte Heede:


     https://bit.ly/3exe8b7 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.