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NWZonline.de Ratgeber

Mode: Feine Fäden führen zur goldenen Palme

30.05.2015

Oldenburg /Hyères Draußen herrschen angenehme Frühlingstemperaturen, vom Meer weht ein warmer Wind. Im Zelt, dem sogenannten Showroom des internationalen Mode- und Foto-Festivals, im Garten der Villa Noailles in den Bergen von Hyères an der Côte d’Azur ist es dagegen gefühlte 40 Grad heiß. Doch die gebürtige Oldenburgerin Anna Bornhold (32) bewahrt einen kühlen Kopf. Vor der internationalen Presse präsentiert sie charmant und völlig unaufgeregt ihre Kollektion. Dafür gibt es Applaus und am Ende den mit 15 000 Euro dotierten Chloé-Award und eine goldene, von Modezar Karl Lagerfeld entworfene goldene Palme.

Junge Designtalente

Seit 30 Jahren pilgert das Modevolk alljährlich im Frühling in die kleine Stadt in Südfrankreich, um junge Designtalente aus den Bereichen Fotografie und Mode zu feiern. Die Festivalleitung hatte in diesem Jahr Karl Lagerfeld. Neben ihm mischten viele führende Köpfe aus dem Hause Chanel mit. Jurypräsidentin war niemand Geringeres als die Chanel-Direktorin Virginie Viard. An der Seite von Lagerfeld sah man als Jurymitglied Prinzessin Caroline von Monaco.

Der Modezar besuchte gleich an zwei Tagen die Modenschauen in einer alten Saline. Es muss ihm gefallen, was er zu sehen bekam. „Es gibt keine Jungdesigner, es gibt gute und schlechte Designer“, so der Schirmherr, der einst selbst einen Modewettbewerb gewann und damit seine Karriere startete.

Wie wichtig der internationale Wettbewerb für die Karriere ist, zeigt die große Zahl an Bewerbern aus aller Welt. 600 waren es diesmal, für das Finale in Hyères wurden 20 (jeweils zehn für die Bereiche Mode und Fotografie) nominiert – darunter Anna Bornhold.

Eingereicht für den Wettbewerb hatte die 32-Jährige ihre Masterarbeit an der Hochschule für Künste in Bremen. Der Titel der Arbeit „Mode.Imitation“ verrät ihren Stil. Anna Bornhold imitiert Klassiker wie Jeans oder Turnschuhe mit großem handwerklichem Aufwand. So sieht die blaue Jeans auf den ersten Blick ganz alltäglich aus, aber auf den zweiten Blick sind die einzelnen, aufgenähten Nähgarnfäden zu erkennen, die dem Stoff eine neue Struktur geben.

Ihre Modelle tragen Namen wie Karotte oder Zigarette, denn Anna Bornhold versteht sich als Geschichtenerzählerin. Sie arbeite aus dem Bauch heraus, folge dabei aber einem roten Faden, der sie unbewusst leite, sagt sie. „Es ist immer eine echte Überraschung für mich, wie das Kleidungsstück am Ende aussehen wird. Ich werde ständig neu überrascht und kann nicht genug davon bekommen“, erzählt sie.

Sinn für Humor

In ihren kreativen Prozess bezieht sie auch Familienmitglieder mit ein. Für ein Modell strickte ihre Tante Iris Bornhold in Berne-Bardenfleth (Kreis Wesermarsch) die Strümpfe aus feinem weißen Garn. Einige Versuche mit Nadeln der Stärke 7 waren nötig, bis Anna Bornhold mit dem Ergebnis zufrieden war.

Die vom Modehaus Chloé preisgekrönte Kreation ist ein Overall, von Bornhold „Space Suit“ genannt, mit einem cremefarbenen, leicht blauen Farbverlauf aus dem selbst kreierten Nähgarnstoff. „Es ist eines dieser Kleidungsstücke, die man sofort anziehen möchte“, urteilte eine versierte Festivalbesucherin.

Der Chef des Modehauses Chloé, Geoffroy de la Bourdonnaye, sagt über die Arbeit der 32-Jährigen: „Anna hat ein sonniges Gemüt und einen tollen Sinn für Humor“. Ihre Mode verbinde Jugend, Freiheit und natürliche Eleganz.

Nach vier anstrengenden und aufregenden Tagen in Hyères hat Anna Bornhold nicht viel Zeit gehabt, die Hände in den Schoß zu legen. Sie absolviert zurzeit ein Praktikum in Norderstedt (Schleswig-Holstein) bei der Sportmode-Firma Chiemsee. Und dann ist da auch noch die Einladung von Chloé nach Paris, in die Weltstadt der Mode.

Die Villa Noailles,alljährlich Veranstaltungsort des Mode- und Foto-Festivals im südfranzösischen Hyères, wurde Mitte der 1920er Jahre im Auftrag von Charles (1891–1981) und Marie-Laure (1902–1970) de Noailles von dem französischen Architekten Robert Mallet Stevens im modernen Stil erbaut.

Das Ehepaar unterstützte die Arbeit zahlreicher Künstler, unter anderen Alberto Giacometti, Francis Poulenc und Jean Cocteau. 1930 finanzierte es den Skandalfilm „L’Age d’Or“ (Das goldene Zeitalter) von Salvador Dalí und Luis Buñuel, der nach seiner Uraufführung in der Villa Noailles ein Aufführungsverbot erhielt, das erst 1981 aufgehoben wurde.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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