• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Ratgeber

Kunst: Zentrum der Romantik

04.09.2021

Frankfurt /Main Als Erinnerungsort dieser Schlüssel­epoche der deutschen und europäischen Geistesgeschichte zu wirken – das ist Ziel des weltweit ersten Romantik-Museum, das in der Mainmetropole binnen zehn Jahren erbaut wurde. Am 14. September öffnet der Neubau die Türen. Initiator ist das Freie Deutsche Hochstift, eines der ältesten Kulturinstitute Deutschlands und Trägerverein des Goethe-Hauses.

„Wir haben in Deutschland zwar mehrere kleine Orte, die an die Romantik erinnern, doch es gab bislang kein ­Museum, das sich der Epoche als Ganzes verpflichtet fühlt und mit originalen Beständen auch abbilden kann. Im Freien Deutschen Hochstift wird schon seit über 100 Jahren gezielt gesammelt“, so Direktorin Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken. Dieser umfangreiche Bestand, der neben der Literatur auch Zeugnisse aus Politik, Wissenschaft und Musik umfasst, bildet die Grundlage des neuen Museums.

Handschriften von Clemens und Bettine Brentano, Novalis und den Brüdern Schlegel, Joseph von Eichendorffs Entwurf seines berühmten Gedichts „Wünschelrute“‚ das Manuskript von Ludwig Tiecks Novelle „Des ­Lebens Überfluss“ oder Robert Schumanns Kompositionsskizzen zu seinen „Szenen aus Goethes Faust“ – diese Schätze, die bisher in den Archivkellern des Hochstifts verwahrt wurden, sind zu entdecken.

Auf drei Ebenen mit jeweils 400 Quadratmetern wird die Epoche, die etwa vom Ende des 18. Jahrhunderts bis ins späte 19. Jahrhundert hinein andauerte, für die Besucher erlebbar gemacht. „An 35 Stationen wird jeweils anhand eines Objekts eine Geschichte erzählt“, verrät Dr. Mareike Hennig, Kuratorin und Sammlungsleiterin des Hochstifts. Multimedial wird die Präsentation der Exponate durch Filme, Tonspuren oder Gebrauchsgegenstände ergänzt.

In der Gemäldeabteilung begegnen wir neben Caspar David Friedrich oder Johann Heinrich Füssli auch dem Oldenburger Hofmaler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1759-1829), allerdings nicht seinem berühmten Gemälde „Goethe in der römischen Campagna“, sondern dessen Double. Von der „Frankfurter Mona Lisa“ existiert eine Kopie, die der Öffentlichkeit früher bekannt wurde als das Original.

Tischbein malte den Dichterfürsten während ihres gemeinsamen Aufenthalts in Rom 1786/87. In der Pose den römischen Götterfiguren Nil und Tíber nachempfunden, ­lagert Goethe auf großen Steinblöcken, die wie Fragmente ägyptischer Obelisken anmuten und dem Porträtierten eine denkmalhafte Würde verleihen. Umgeben ist er von einer Landschaft, in der es von Anspielungen auf die Antike geradezu wimmelt. Vor der Kette der Albaner Berge sieht man das runde Grabmal der Caecilia Metella und die Ruinen eines römischen Aquädukts.

Das mit Efeu bewachsene Marmorrelief zeigt die Begegnung zwischen Iphigenie und ihrem Bruder Orest. Tischbein wählte diese Szene, weil Goethe in Italien sein Bühnenstück „Iphigenie auf Tauris“ schrieb. Über einen Bankier in Neapel kam das Gemälde in den Besitz der Frankfurter Familie Rothschild, bis Baronin Adele von Rothschild es 1887 dem Städel Museum vermachte. Bereits 1849, rund 40 Jahre vor der Schenkung, schuf der Dortmunder Künstler Karl Bennert (1815-1894) eine Kopie von Tischbeins Werk. Anlass war der 100. Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832). „Bennert handelte ohne Auftrag, um das Gemälde anschließend dem Frankfurter Bürgerverein zu schenken. Wohlwissend, dass ihm als Maler höchste Aufmerksamkeit zukommt“, so Hennig.

Ein anderes Werk Tischbeins dürfte weniger prominent sein, obgleich es zeitgleich zu dessen Porträt Goethes im Rom entstanden ist. Als „Die Stärke des Mannes“ oder „Vernunftbild“ betitelt, bündelte der Künstler ein Sammelsurium von Symbolen, um zu zeigen, „dass der Mensch durch die Gabe der Vernunft Herrscher über alle Geschöpfe ist“, so Tischbein über die Allegorie. „Wenngleich wir Bennerts Kopie ­zeigen, können wir mit diesen programmatischen Gemälden die damalige Situation im römischen Atelier am Corso nachstellen“, freut sich Hennig. Die Freundschaft zwischen Goethe und Tischbein wird einmal mehr besiegelt.


     www.deutsches-romantik-museum.de 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.