Harlesiel - Restaurants, die direkt am Wasser liegen, haben einen besonderen Charme, vor allem, wenn es sich bei dem Gewässer um das offene Meer handelt. Das ist auch beim Wattkieker in Harlesiel der Fall. Doch kann das Restaurant neben seiner Lage kulinarisch überzeugen? Wir haben den Wattkieker getestet.
Das Umzu
Der Wattkieker arbeitet mit einem Selbstbedienungskonzept: Die Gäste bestellen ihr Essen am Tresen, zahlen dort und bekommen einen Pager, den sie mit an den Tisch nehmen. Wenn das Essen fertig ist, vibriert der Pager und man kann es mit einem Tablett abholen und erinnert so an Systemgastronomie. Das dreckige Geschirr auf dem Tablett räumen die Gäste selbst in bereitstehende Servierwagen.
Neben warmem Essen gibt es außerdem eine Eis- und eine Kuchentheke. Das Restaurant ist mit großen Fenstern ausgestattet und schön hell. Die Möbel sind in hellem Grau gehalten. Das Restaurant liegt auf dem Deich, zwischen Campingplatz und Hafen und ist sehr gut besucht. Alle Bereiche sind barrierefrei.
Im Eingangsbereich entschuldigt ein Schild außerdem bereits im Vorfeld mögliche längere Wartezeiten aufgrund einer „geringen Personaldecke“. Die Wartezeiten waren trotz des Gästeaufkommens beim Test-Besuch völlig angemessen.
Die Karte
Die Karte bietet neben einigen veganen und vegetarischen Gerichten wie einem Kichererbsen-Gemüse-Curry für 12,90 Euro, einer kleinen Auswahl an Bowls (10,90 oder 13,50 Euro) sowie verschiedenen Flammkuchen (11,90 bis 13,50 Euro), Fischgerichte von Matjes und Hering (je 12,90 Euro) über Burger mit Fischfrikadelle (12,90 Euro) zu Rotbarsch, Lachs, Seelachs oder Backfisch (12,90 bis 19,90 Euro) mit verschiedenen Beilagen. Wer statt Salzkartoffeln oder Kartoffelsalat lieber Schwenkkartoffeln oder Pommes haben möchte, kann dies dementsprechend bestellen. Auch eine zusätzliche Beilage kann gegen einen angemessenen Aufpreis geordert werden.
Als Vorspeise können Tomaten- oder Krabbensuppe sowie derzeit eine Spargelsuppe (6,90 oder 7,90 Euro) dienen oder ein kleiner gemischter Salat (5,50 Euro). Fleisch sucht man vergeblich auf der Karte. Ergänzt wird das Angebot durch Speisen für Kinder wie einer Fischfrikadelle oder Veggie-Nuggets, die mit Pommes serviert werden (4,90 bis 7,90 Euro), sowie einer Eiskarte.
Saisonal ist derzeit zudem Spargel (22,90 Euro mit Lachsfilet, Salzkartoffeln und Sauce Hollandaise) und Maischolle (16,90 bzw. 18,90 Euro) zu haben. Die Preise sind günstig.
Das Essen
Das waren die Pluspunkte: Geht die Krabbensuppe preislich mit 7,90 Euro durchaus als Vorspeise durch, ist die Portion fast schon als vollwertige Speise zu werten, zumal die Einlage – frische Nordsee-Krabben – sehr reichhaltig ausfällt. Geschmack und Konsistenz der Suppe sind sehr gut und ausgewogen.
Die Vorspeise: Krabbensuppe mit Sahnehaube. Bild: Kodalle
Im Hauptgang geht es mit Fisch weiter: Maischollenfilets mit Spargel und Sauce Hollandaise (22,90 Euro). Statt Salzkartoffeln kommt die Hauptspeise in diesem Fall mit Kartoffelsalat. Die Portion ist wiederum großzügig, gleich zwei Schollenfilets werden neben 250 Gramm sehr frischem Spargel und einer guten Portion Kartoffelsalat serviert. Spargel, Kartoffelsalat und Sauce sind geschmacklich in Ordnung, auch wenn es sich bei der Sauce um ein Fertigprodukt handelt und der Kartoffelsalat auch diesen Eindruck macht.
Die Hauptspeise: Maischolle mit Spargel, Sauce Hollandaise und Kartoffelsalat. Bild: Kodalle
Das waren die Minuspunkte: Der Spargel hätte durchaus länger garen können, er war noch knackig. Der Fisch war mit einer Gewürzmischung gewürzt und stellenweise deutlich zu salzig. Außerdem schmeckte der Fisch mit abnehmender Temperatur zunehmend unangenehm penetrant nach Fett, sodass das zweite Filet unangetastet blieb. Das weckt den Verdacht, dass hier kein frisches Öl zum Braten benutzt wurde.
Das Fazit
Wer kulinarische Gaumenfreuden sucht, ist im Wattkieker falsch. Darauf ist das Lokal nicht ausgelegt, hier wird eher Quantität als Qualität serviert. Das ist völlig legitim und wird dem Konzept entsprechend gut und preiswert umgesetzt. Für eine Pommes zwischendurch oder einen Flammkuchen ist der Wattkieker sicher eine gute Adresse. Wer aber Maischolle mit frischem Spargel serviert, sollte erstens den Spargel ausreichend garen und zweitens für frisches Fett in der Pfanne sorgen.
Autor dieser Restaurantkritik ist Daniel Kodalle vom Reporter-Team Soziales. Bevor er studierte und Redakteur bei der Nordwest-Zeitung wurde, absolvierte er eine Ausbildung zum Koch in einem Ausflugslokal in Oldenburg. Zwar hat er dem professionellen Kochen den Rücken gekehrt, doch seine Leidenschaft hat er sich bewahrt. Privat steht der 39-Jährige fast täglich am Herd frei nach dem Motto: Selbstgemacht schmeckt es doch am besten.
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Bei Kodalles Küchen-Kritik handelt es sich nicht um eine professionelle Analyse des Essens, sondern um den subjektiven Geschmackstest eines Food-Nerds.
