Bremen/Berne - Manchmal sind es die einfachen Spiele, die besonders viel Spaß machen. „Koruru“ ist eines davon. Ursprünglich stammt das Geschicklichkeitsspiel aus Neuseeland. Die Bremerin Christiane Marwecki will es mit neuem Design in Deutschland bekannt machen.
Ein wenig Platz, am besten auf dem Fußboden, und fünf Spielsteine – das ist alles, was man braucht, um „Koruru“ zu spielen. Zumindest in der Theorie. Denn schon nach wenigen Versuchen wird klar: Ohne flinke Finger und perfektes Timing geht es nicht.
Kinder und Erwachsene
Christiane Marwecki besitzt beides und schafft es schnell, ihre Zuschauer schwindelig zu spielen. Gekonnt wirft sie einen Stein nach oben, greift nach einem weiteren auf dem Boden, dreht die Hand blitzschnell und fängt damit den ersten Stein wieder auf, bevor er auf dem Boden landet. Dann legt sie einen Stein zur Seite und beginnt das Spiel von Neuem: werfen, greifen, fangen – immer nur mit einer Hand und solange, bis alle Steine abgeräumt sind.
„Overhands“ („Überhand“) heißt diese erste Stufe von „Koruru“. Jede Runde funktioniert nach demselben Grundprinzip: Spielstein hochwerfen, Aufgaben erfüllen und ihn wieder auffangen. Wenn der Stein zu Boden fällt, ist der nächste Mitspieler dran. „Die Bedingungen werden allerdings von Stufe zu Stufe schwieriger“, erklärt die Diplom-Designerin.
Das heißt aber nicht, dass „Koruru“ nur ein Spiel für Erwachsene ist: Schon Kinder ab fünf Jahren können damit die Augen-Hand-Koordination und ihre Fingerfertigkeit üben – allein oder in der Gruppe. Aber auch ältere Menschen können ihrer Ansicht nach von „Koruru“ profitieren, da es zur geistigen Beweglichkeit beiträgt. Gewinner und Verlierer gibt es übrigens nicht: „Man spielt, solange man Lust daran hat.“
Hanno Girke, Spieleautor aus Hiddigwarden bei Berne (Kreis Wesermarsch) hat „Koruru“ noch nicht gespielt. Aber er glaubt, dass es funktioniert, weil es Groß und Klein spielen können und keiner durch das Regelwerk von vornherein benachteiligt wird. Girke (43) entwickelt in seiner Agentur vor allem Brett- und Kartenspiele. Seine jüngste Idee ist „Patchwork“, ein taktisches Puzzlespiel für zwei Spieler.
Christiane Marwecki kennt „Koruru“ schon lange. Als Tochter deutscher Auswanderer ist sie als Einjährige nach Neuseeland gekommen und dort aufgewachsen. „Auf dem Schulhof in Wellington haben wir immer ,Koruru‘ gespielt“, erinnert sie sich.
Die Grundidee selbst ist offensichtlich schon uralt und gilt als Vorläufer der heutigen Spielwürfel: „Schon vor 2000 Jahren war das Spiel in der antiken Welt und im pazifischen Raum verbreitet – lange bevor die ersten Europäer dort eintrafen“, sagt die 54-Jährige. Auch die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, sollen „Koruru“ bereits gekannt und gespielt haben.
In Deutschland hingegen ist das Prinzip von „Koruru“ unbekannt – und das will die Bremerin und Mutter von drei erwachsenen Kindern ändern. Als ihr Sohn Sebastian 2012 mit dem Mafia-Spiel „Omertá – Clan ohne Plan“ sein erstes selbst entwickeltes Spiel auf den Markt brachte, entschloss sie sich, es ihm gleich zu tun.
Auch wenn sie das Spiel schon lange kannte, dauerte es eine Weile, bis Christiane Marwecki damit in Serie gehen konnte. Fast ein Jahr lang tüftelte sie an den perfekten Steinen und suchte nach einem Produzenten. Gemäß dem englischen Namen „Knucklebones“ sind sie der Gestalt von Handknochen nachempfunden. Ihr Material besteht allerdings nicht aus Knochen oder Holz, sondern aus einer Zinklegierung. Und zwar massiv. 14 Gramm bringt ein Stein auf die Waage. „Sie liegen schöner in der Hand und fallen besser als hohle Steine“, erklärt Christiane Marwecki.
Um die Herkunft des Spiels zu unterstreichen, griff sie bei der Gestaltung der runden Geschenkdose und des Säckchens, in dem die Steine aufbewahrt werden, auf die heiligen Farben der Maori zurück. Sie sind typisch für die Kunst der neuseeländischen Ureinwohner: Schwarz symbolisiert unter anderem die Dunkelheit, aus der die Welt entstand. Weiß steht für das Sein, das Licht oder die physische Welt. Und Rot repräsentiert die Erdmutter und die Farbe der Erde, aus der in der Mythologie die ersten Menschen erschaffen wurden.
15 Varianten
Von der Südhalbkugel stammen auch die Spielarten, die Christiane Marwecki für ihr „Koruru“ beschreibt. Drei der insgesamt 15 Varianten liegen den Steinen in der deutsch- und englischsprachigen Anleitung bei; die Übrigen kann man auf der Webseite nachlesen. Dort gibt es auch einen kurzen Film, der alle Stufen erklärt. Zu den anspruchsvolleren gehört das „Nadel einfädeln“. Dabei muss man die Steine einzeln durch einen Ring aus Zeigefinger und Daumen der linken Hand werfen, während der andere Spielstein in der Luft ist.
Bindend sind die Spielarten aber nicht. Statt mit der rechten Hand können sie zudem mit der linken ausgeführt werden. Wer will, kann neue Formen und Figuren erfinden. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Christiane Marwecki, die unlängst selbst eine neue Variante von einer Frau aus der Türkei lernte. Dabei werden die Steine mit dem Rücken beider Hände aufgefangen, erneut in die Luft geworfen und anschließend mit einer Hand aufgefangen. „Diese Spielart kannte ich noch nicht.“
