Langsam verfärben sich die Blätter an den Bäumen, die Nächte werden kälter und die Tage kürzer: Der Herbst ist da. Und das bedeutet für die meisten Gartenbesitzer und -besitzerinnen auch viel Arbeit, schließlich will der eigene Garten ordnungsgemäß winterfest gemacht werden. Doch wer zudem Vögel, Igel und Insekten im Winter unterstützen will, sollte den Garten nicht komplett aufräumen, sagt Mario Göwert, Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Oldenburger Land. Im Interview erklärt er uns, wie man seinen Garten naturnah und insektenfreundlich auf die kalte Jahreszeit vorbereiten kann.

Zur Person

Mario Göwert ist seit etwa einem Jahr Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Oldenburger Land. Er ist gelernter Gärtner und Besitzer eines naturnahen Gartens und befasst sich schon lange damit, wie man den eigenen Garten natur- und insektenfreundlich gestaltet.

Worauf sollte man achten, wenn man seinen Garten naturnah winterfest machen möchte?

Mario GöwertDie Frage müsste eigentlich lauten: Was bezeichnet man als winterfest? Die Natur hat schließlich auch schon vor dem Menschen gut funktioniert. Die meisten Gartenbesitzer wollen im Herbst Schönheitskorrekturen vornehmen und beispielsweise Laub entfernen oder Sträucher zurückschneiden. Viele Insekten und Kleinstlebewesen, aber auch Amphibien, Igel und Spitzmäuse sind jedoch auf das Laub oder die Sträucher im Garten angewiesen. Man muss also ein Mittelmaß finden.

Was mache ich also mit dem Laub in meinem Garten?

GöwertOptimal ist es, wenn man das zusammengefegte Laub unter den Hecken und Bäumen oder in den Beeten verteilt. Denn Laub ist alles andere als ein Abfallprodukt, sondern hat ganz vielschichtige Funktionen. Es ist eine wichtige Lebensgrundlage für Regenwürmer und behaust viele Mikroorganismen. Nicht nur Schmetterlinge finden in der kalten Jahreszeit Schutz im Laub, auch Igel finden dort bis in den Oktober oder November noch Futter und überwintern zudem in Laubhaufen. Außerdem halten die Blätter die Feuchtigkeit im Boden und tragen so zu einer besseren Bodenstruktur bei. Dadurch wachsen Pflanzen deutlich besser und sind weniger krankheitsanfällig.

Und wie sammele ich das Laub am besten?

GöwertIch würde Rechen und Harke empfehlen, auf gar keinen Fall einen Laubsauger. Viele Menschen wissen das nicht, aber durch diese Geräte sterben sehr viele Kleintiere: Sie sitzen im Laub und werden mit dem Sauger aufgenommen und zerhäckselt. Und das sind nicht nur Insekten, sondern teilweise Amphibien wie kleine Kröten, Frösche und Molche.

Mario Göwert ist Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Oldenburger Land und selbst Besitzer eines naturnahen Gartens.

Mario Göwert ist Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Oldenburger Land und selbst Besitzer eines naturnahen Gartens.

Privat

Wie gehe ich mit verblühten Pflanzen um?

GöwertWenn man Sträucher oder Pflanzen zurückschneidet, sollte man das Schnittgut häckseln und dem Boden zurückgeben. Die Zweige eignen sich aber auch gut für den Bau eines Totholzhaufens. Hierzu kehrt man Laub an einer geschützten Stelle auf einen Haufen und deckt diesen mit Zweigen ab. Beim Rückschnitt von Stauden und Sträuchern sollte man allerdings nicht zu viel wegnehmen.

Was bedeutet „zu viel“ in dem Fall?

GöwertBambus oder Gräser am besten nicht bodentief abschneiden, sondern etwa 30 bis 50 Zentimeter stehen lassen. Denn in den Halmen und im Bodenbereich dieser Pflanzen überwintern viele Insekten. Gehölze mit Fruchtständen wie Hagebutten, Sanddorn oder Schlehe sollte man jetzt jedoch noch gar nicht zurückschneiden, sondern erst im Januar, wenn die Vögel Gelegenheit hatten, die Früchte zu fressen.

Welche anderen Fehler machen Menschen in ihren Gärten im Herbst?

GöwertViele Leute verwenden noch immer Torf, um ihre Beete abzudecken, doch wer das macht, ist nicht mehr am Puls der Zeit. Die Torfschicht eines Moores bindet Unmengen an Kohlenstoff. Wird der Torf abgebaut, weil Menschen ihn sich in den Garten streuen wollen, wird der natürliche Speicher zerstört und der Kohlenstoff gelangt als klimaschädliches CO 2 in die Atmosphäre.

Für welche Tiere sollte man im Herbst und Winter Futter rausstellen?

GöwertEichhörnchen braucht man nicht zu füttern, die finden normalerweise immer genug Nahrung. Sie legen sich einen Vorrat an und sind schlau genug, zumindest die Hälfte der Nahrung, die sie verstecken, auch wiederzufinden. Bei einem naturnahen Garten ist es eigentlich auch nicht nötig, Vögel zu füttern, aber es ist auch nicht verkehrt. Man sollte dabei nur darauf achten, dass es hochwertiges Vogelfutter ist. Die beste Mischung besteht aus Sonnenblumenkernen, Haferflocken und Rosinen, eventuell noch Erdnüssen.

Maike Schwinum
Maike Schwinum Thementeam Soziales