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Freizeit Gastgeber mit grünem Daumen

Wolfgang Stelljes

Cloppenburg/Vechta - „Haben Sie Zeit?“, fragt Heino Werner. „Für einen Rundgang?“ So groß kann dieser Garten ja nicht sein, denkt sich der unbedarfte Besucher. Von wegen! Der Forstwirt aus Drantum (Kreis Cloppenburg) hat einen Weg angelegt – 1200 Meter lang. Vorbei an einem Teich, einer Gräserecke, zahlreichen Sitzecken, Apfelbäumen und einem Rosenpavillon. Und durch einen Wald mit Naturlehrpfad und zwei Hochsitzen.

Immer wieder bleibt der 59-Jährige stehen. Dort blüht eine japanische Azalee, dort streift er mit dem Daumen den Kot der Netzwanze von einem Blatt. „Mein Bereich ist das Grobe, vor allem der Rhododendron“, sagt er im Wissen darum, dass sich seine Frau Marianne um die anderen Dinge kümmert. Wobei der Rhododendron schon genug Arbeit macht, bei mehr als 1000 Pflanzen und 170 verschiedenen Sorten.

Historisches Vorbild

Nein, das ist kein Garten, das ist ein Park. Und der soll am Ende fünf Hektar groß werden. Den Status quo kann man sich angucken – der Ferienhof Werner macht mit bei den „Visitentouren“ und beim „Tag der offenen Gartenpforte“. In einem Punkt ist der Garten von Marianne und Heino Werner typisch für das Oldenburger Münsterland: Er ist sehr groß.

„Jemand, der aus Nordrhein-Westfalen kommt, ist schier begeistert über diese Riesengärten“, sagt Elke Schwender. Sie ist selbstständige Gartenplanerin, arbeitet aber auch für das Museumsdorf Cloppenburg. Dort bereitet sie unter anderem die Gemüse- und Ziergärten für die „Gartenpartie“ vor, ein fester Programmpunkt im Kalender eines jeden Gartenfreundes.

Außerdem hat Schwender die „Visitentouren“ konzipiert. „Bei den Visitentouren findet man wirklich alles, vom Siedlungsgarten, in dem das Gemüse eine größere Rolle spielt, bis hin zum durch und durch gestalteten, fast parkähnlichen Garten.“ All diese Gärten – 48 sind es aktuell – kann man sich ansehen.

Elke Schwender berät die Gartenbesitzer: Besuche, möchte man das überhaupt? Und wenn ja: wie oft? Manche Gartenbesitzer servieren auf Anfrage sogar Kaffee und Kuchen, getreu dem historischen Vorbild. „Ende des 19. Jahrhunderts besuchte man sich sonntags zur Gartenvisite undtrank vielleicht auch eine Tasse Kaffee in einer Grotte, so nannte man den Lieblingsplatz im Garten.“

Natürlich macht ein Garten auch Arbeit. Darüber stöhnen alle, auch Elke Schwender. „Es gibt keinen pflegeleichten Garten“, sagt die 54-Jährige. „Man muss gucken: Wo passen welche Pflanzen hin? Was für einen Boden habe ich? Dann kann man sich unendlich viel Arbeit ersparen.“ Bevor man zum „Sklaven seines eigenen Gartens“ wird, sollte man sich lieber beschränken. Weniger ist oft mehr. „Ein Garten sollte auch eine gewisse Ruhe ausstrahlen.“

Ruhe im Kopf

Wer sich in seinem eigenen Garten austobt, der vergisst eine Weile die Welt um sich herum. „Gartenarbeit ist etwas Erfüllendes“, sagt Elke Schwender. „Ich sehe ein Ergebnis, kann vielleicht sogar ein Schälchen Erdbeeren ins Haus tragen. Das tut den Menschen gut. Viele sagen: Ich habe so viel Stress, ich fahre dann abends runter, jäte ein bisschen, die Gedanken werden freigespült und dann ist wieder Ruhe im Kopf.“

Auch Paul Arlinghaus hat einen Garten, allerdings einen der etwas anderen Art. Bei ihm blüht in diesen Tagen – nichts. Mindestens noch bis Juni muss sich der Landwirt aus Dinklage (Kreis Vechta) gedulden, bis Klatschmohn oder Kornblume für Farbe auch in seinem kleinen Reich sorgen.

Arlinghaus hat einen Getreidegarten angelegt. Im Schatten der alten Schweger Mühle hat er vor allem historische Arten angepflanzt, also Einkorn, Dinkel, Amaranth oder Emmer, aber auch Gräser wie das Ziegenaugengras, „die Vorläufer des Getreides“. Und natürlich Buchweizen, auch wenn das kein Getreide ist, sondern ein Knöterichgewächs. „Es ist nicht so einfach, das Ganze mit der Natur in Einklang zu bringen.“ Mal ärgern ihn die Fasane, mal die Karnickel. „Man muss die Tiere überlisten, aber das lernt man mit der Zeit.“

Der Getreidegarten von Paul Arlinghaus ist zu einem beliebten außerschulischen Lernort geworden. Im Sommer kommen Dutzende von Schulklassen, lauter Dritt- und Viertklässler, „da steht das Thema auf dem Lehrplan“. Bei Arlinghaus bekommen sie eine Schippe in die Hand und zählen die Körner einer Ähre.

Der Getreidegarten ist nur die erste Station. Anschließend geht es auf einem Getreidepfad zur Schweger Mühle in die Ausstellung „Vom Korn zum Brot“, in der nicht nur Kinder erfahren, dass die Körner der bei uns angebauten Getreidearten im Laufe der Jahrhunderte immer größer geworden sind. Und dass man früher den Teig sogar mit den Füßen geknetet hat.

Gartenpartie: Vom 14. bis 17. Mai feiert das Museumsdorf Cloppenburg wieder sein Gartenfest. Das Motto in diesem Jahr: „Alpenrose trifft Petticoat“, denn ab den späten 1950er Jahren eroberte der Rhododendron auch die oldenburgischen Privatgärten.

Die Visitentouren führen durch 48 Gärten, Parks und Landschaften in den Erholungsgebieten Dammer Berge, Thülsfelder Talsperre sowie im Nordkreis Vechta. Einige können jederzeit besucht werden, andere nur nach vorheriger Anmeldung. Die Broschüre „Visitentouren“ ist bei den Tourist-Informationen der Erholungsgebiete erhältlich. 13 der Anbieter machen auch mit beim Tag der offenen Gartenpforte am 7. Juni und am 30. August jeweils von 11 bis 18 Uhr. So ist zum Beispiel das Museumsdorf an beiden Tagen dabei und Familie Werner in Drantum am 7. Juni.

Im Getreidegarten von Paul Arlinghaus in Dinklage blüht es von Mitte Juni bis September. Anmeldungen unter t   04443/4358.

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