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NWZonline.de Ratgeber

Grünes Gold weckt Hoffnungen

14.09.2013

Bremen „National Geographic“ brachte 2007 den Stein ins Rollen: Damals las Stefan Rill in dem Magazin einen Artikel über marine Mikroalgen als Biomasse- und Energielieferant. Das Prinzip ist so einfach wie überzeugend: Algen brauchen nur Wasser, Sonnenlicht, Nährstoffe und Kohlendioxid zum Leben. Sie binden also das klimaschädliche Treibhausgas und produzieren Sauerstoff – wie auch alle übrigen Landpflanzen, nur dass sie weder landwirtschaftliche Nutzflächen noch kostbares Süßwasser benötigen.

Rill erfährt in dem Artikel, dass ein renommierter Algen-Forscher an der Jacobs University in Bremen lehrt: Laurenz Thomsen. Das Thema lässt Rill keine Ruhe. Der Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik kontaktiert den Wissenschaftler. Heute ist Rill Gesellschafter und enger Berater der Phytolutions GmbH in Bremen.

2008 hat der 54-Jährige zusammen mit der Planktologin Claudia Thomsen die Firma als Spin-Off (Ableger) der Jacobs University ins Leben gerufen. Meeresalgen sind ihr Kerngeschäft und ihr grün schimmernder Hoffnungsträger. Das Unternehmen erforscht, wie sich aus marinen Algen Rohstoffe und Energie – beispielsweise in Form von Gas oder Treibstoffen – gewinnen lassen und gleichzeitig das Treibhausgas Kohlendioxid reduzieren lässt.

Internationale Nachfrage

Das Unternehmen liegt auf dem Gelände der Jacobs University und grenzt an das Labor für Meereskunde – ein innovativer Schulterschluss für die Forschungsarbeiten an den marinen Algen. In einem Gewächshaus hängen an Trägergestellen dicht an dicht hintereinander durchsichtige Folienmatten, in denen sich die Mikroalgen als grünlich-trübe Suspension befinden.

Ein Schlauchsystem versorgt die mikroskopisch kleinen Algen, das sogenannte Phytoplankton, mit Kohlendioxid und Nährstoffen. Die Konstruktion erinnert an eine überdimensionierte grüne Luftmatratze, ist aber ein ausgeklügeltes System, das Phytolutions bereits international verkauft. „Diese Folienmatten sind unsere sogenannten Phytobags“, erklärt Rill, Bioreaktoren, in denen die Algen wachsen – am besten bei Sonnenschein.

Haben die Algen eine bestimmte Dichte erreicht, werden sie geerntet und weiterverarbeitet. Am Ende bleibt eine tief grüne, nach Meer riechende Algenpaste übrig. Die wird – je nach Abnehmer – weiterverarbeitet, beispielsweise zu Chemikalien, Nahrungsergänzungsmitteln, Tierfutter, Baumaterialien oder Treibstoff.

Dass sonnenreiche Länder wie China, der Oman oder Italien großes Interesse an der Technologie haben, liegt auf der Hand. Aber auch in Norddeutschland verrichten die Mikroalgen ganze Arbeit: Auf dem Außengelände eines Reststoffe-Kraftwerks im Bremer Stadtteil Blumenthal hat Phytolutions eine Algenzuchtanlage installiert, die das CO2 in den Rauchgasen in Biomasse umwandelt. Das Kraftwerk senkt seinen Kohlendioxid-Ausstoß, die Phytolutions erhält im Gegenzug Biomasse für die Energiegewinnung.

Auch die Luftfahrt setzt vermehrt auf den grünen Hoffnungsträger. Sie hat sich verpflichtet, ab 2020 Kohlendioxid-neutral zu wachsen. „Das ist ein ziemlich starkes Statement, weil der CO2-Ausstoß aktuell jedes Jahr um 4,5 Prozent wächst“, sagt Rill.

Ein ehrgeiziges Ziel, das sich nicht allein mit neuen, technisch optimierten Flugzeugen erreichen lässt. „Den Großteil müssen Biotreibstoffe leisten“, sagt Rill, „wenn auf allen deutschen Rapsfeldern Algen angebaut würden, könnten wir damit den Treibstoffbedarf unseres gesamten Transportsektors decken.“

In der Effizienz führend

Die Flächen können auf Industriebrachen und ausgetrockneten Landstrichen genauso liegen wie mitten im Ozean. So kommt die Algenproduktion dem Nahrungsmittelanbau kaum in die Quere.

Auch in der Effizienz sind die Algen führend: Aus einem Hektar Algen lassen sich bis zu 30 Tonnen Öl gewinnen, Ölpalmen liefern auf gleicher Fläche bis zu zehn Tonnen und Raps maximal zwei Tonnen. Laut der Internationalen Energieagentur gibt es ab dem Jahr 2020 keine größeren Öl- und Gasfunde mehr. Die Tage des Schwarzen Goldes sind gezählt, Grünes Gold könnte eine Alternative sein.

Katja Lüers Redakteurin / Redaktion Westerstede
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