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Rücksicht auf Trauernde oberstes Gebot

25.11.2017

Hamburg Der Ohlsdorfer Friedhof feierte kürzlich Geburtstag, wenn man das bei einem Friedhof überhaupt sagen kann, 140 Jahre hat er auf dem Buckel. 1877 wurde er eröffnet, zu einer Zeit, als gerade erst wieder eine Choleraepidemie die Stadt heimgesucht hatte, zum siebten Mal schon in dem Jahrhundert, und die Hamburger standen vor der Frage: Wohin mit den vielen Toten? Die Friedhöfe bei den Kirchen in der Stadt boten nicht genug Platz. Die Lösung fand sich am Rande der Stadt. Auf ehemaligem Bauernland entstand ein Friedhof nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten.

235 000 Grabstätten

Der neue Friedhof in Ohlsdorf war von Beginn mehr als nur ein Friedhof. Er wurde – neben dem Rathaus und der Speicherstadt – zu einer der Sehenswürdigkeiten Hamburgs. Und er entwickelte sich mehr und mehr zu einem Naherholungsgebiet für ruhebedürftige und geschichtsinteressierte Menschen. Die kommen am besten mit dem Fahrrad, sagt Hedda Scherres, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Ohlsdorf ist der größte Friedhof in Europa und der viertgrößte der Welt. 389 Hektar sind es ganz genau. Oder 3,5 Kilometer in der Ost-West-Ausdehnung. Da ist es gut, wenn man einen ortskundigen Führer hat, vor allem, wenn man unter den 235 000 Grabstätten ganz bestimmte sucht, zum Beispiel die von verstorbenen Oldenburger Größen.

Das Straßennetz ist 17 Kilometer lang. Hedda Scherres hat ein Auto reserviert. Der erste Eindruck: Ja, es ist wirklich eher ein Park als ein Friedhof. Gräber sind zunächst keine zu sehen, sie liegen irgendwo hinter hohen Bäumen. Mit maximal 30 Stundenkilometern fahren wir auf der Mittellinie, der Hauptverkehrsader des Friedhofs. Es gilt die Straßenverkehrsordnung, „überall rechts vor links“. Wir nähern uns Kapelle 5, eine von insgesamt zwölf Kapellen. Davor eine Trauergemeinde, Scherres wendet: „Das ist das oberste Gebot – Rücksicht auf Trauernde.“

1,4 Millionen Beisetzungen hat es im Laufe der 140 Jahre gegeben. Jedes Jahr kommen 4700 dazu, darunter immer wieder auch Prominente wie zuletzt Roger Cicero, Roger Willemsen (beide 2016) und natürlich Helmut Schmidt (2015). Ein kleines Schild am Wegesrand weist den Weg zu den Gräbern von Loki und Helmut Schmidt. Sie sind „absolut die Nummer 1“, was das Besucherinteresse betrifft, gefolgt von Hans Albers und Heinz Erhard. Die letzte Ruhestätte der Schmidts liegt ziemlich in der Mitte des Friedhofs, ganz im Osten, weit vom Haupteingang entfernt, das Grab von Heinz Erhard, von Eisbegonien geschmückt und leicht zu finden.

Die Größen aus dem Nordwesten muss man dagegen suchen. Ein ausgesprochen hübsches Plätzchen hat Juliane Louise Prinzessin von Ostfriesland (1657–1715) ergattert. Ihre Gebeine ruhen seit einer Umbettung 1924 am Rande des T-Teiches, die Form gab ihm den Namen. Die Prinzessin lebte ab 1695 in Hamburg und – so die Inschrift einer Gedenktafel – „außerhalb gesellschaftlicher Normen“. Denn die Adlige war „in heimlicher Ehe“ mit dem Pastor eines Waisenhauses, also einem Bürgerlichen, liiert – „ein kleiner Skandal“.

Zu ihrer Linken ruht Harbert Dirk Harberts, ein Journalist und Dichter aus Emden (1846–1895). Drei Jahre vor seinem Tod war er noch Chronist der Cholera. In Tag- und Nachtschichten hoben 125 Arbeiter auf dem Ohlsdorfer Friedhof die Gräber aus. Es war der letzte große Ausbruch in Deutschland, ein Gedenkstein auf dem Friedhof erinnert an 8605 Opfer diese Epidemie.

Eher schnörkellos kommt das Grab von Johann Gerhard Oncken daher. Es ist ein einfacher Obelisk in der Nähe des Haupteingangs. Oncken wurde am 26. Januar 1800 in Varel (Kreis Friesland) geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Nach einem Aufenthalt in England baut er zusammen mit einem evangelisch-lutherischen Pfarrer im Hamburger Stadtteil St. Georg eine Sonntagsschule auf, eine der Keimzellen der späteren Inneren Mission. Vor allem aber machte sich Oncken einen Namen als Gründer der ersten Baptistengemeinde in Deutschland (1834). Der Prediger wurde 1884 beigesetzt. Wie Juliane Louise Prinzessin von Ostfriesland gehört er zu den 580 Prominenten, die in einer neuen App als „Very important person“ geführt werden.

Diese Ehre blieb Robert Müller verwehrt. Dabei ist der 1939 verstorbene Gründer einer Reederei zumindest vielen Studenten am Fachbereich Seefahrt und Logistik der Jade-Hochschule in Elsfleth (Kreis Wesermarsch) ein Begriff. Denn dort hat eine nach Müller benannte Stiftung bereits etlichen Studenten finanziell unter die Arme gegriffen. Das gepflegte Grabmal zeigt den Firmengründer in Lebensgröße.

Große Wiese

Besucher sind gut beraten, wenn sie Zeit mitbringen. Fast ist es, als würde man durch ein Geschichtsbuch wandeln. Es gibt den Althamburgischen Gedächtnisfriedhof für verdiente Hansestädter, überragt von einer überlebensgroßen Christusfigur aus Marmor. Es gibt einen Friedhof für die „Revolutionsgefallenen“ von 1918 bis 1920. Und einen für im Dienst verstorbene Polizisten („Revier Blutbuche“).

Gleich mehrere Areale bleiben den zahlreichen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft vorbehalten, darunter Widerstandskämpfer und die Toten des Hamburger Feuersturms von 1943. Es gibt eine Ehrenanlage für die Opfer der Sturmflut von 1962 und Gemeinschaftsgrabstätten für heimatlose Seeleute, islamische Gemeinden und Chinesen.

Auf dem Ohlsdorfer Friedhof kann sich jeder beisetzen lassen, „egal, welche Konfession, egal, woher – Platz ist genug da.“ Der Anteil der Urnenbeisetzungen liegt mittlerweile bei rund 80 Prozent.

Zugenommen haben auch die anonymen Beisetzungen, was aber die Hinterbliebenen mitunter im Nachhinein auch bedauern, sagt Scherres. „Man steht dann vor einer großen Wiese. Oft ist der Wunsch auch gar nicht anonym, sondern pflegeleicht.“

Thematische Führungen auf dem Ohlsdorfer Friedhof bietet der Hamburger Gästeführerverein an, auch mit dem Fahrrad oder Bus. Ziele sind die Gräber von hanseatischen Persönlichkeiten, Künstlern oder auch symbolträchtige Skulpturen, darunter zahlreiche Engel. Anmeldungen unter Telefon  040/601 01 00.

Wer alleine auf Tour gehen will: Die App „Friedhof Ohlsdorf“ hilft bei der Orientierung und Suche nach Prominentengräbern, öffentlichen Toiletten oder Bushaltestellen. Auf dem Friedhof verkehren die Linien 170 und 270 (tagsüber alle 20 oder 30 Minuten ab Fuhlsbüttler Straße).

Kostenlose Friedhofspläne und Infos gibt es beim Beratungszentrum im Verwaltungsgebäude am Haupteingang, Fuhlsbüttler Straße 756, Telefon  040/59 38 80.


     www.friedhof-hamburg.de 
Trauerfälle aus der Region sowie Ratgeberartikel zum Thema Trauer.

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