• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Ratgeber

Geschichte: Humanitäre Hilfe über tiefe Gräben hinweg

13.03.2021

Im Nordwesten Kaum etwas zu essen, abgetragene und unzureichende Kleidung, armselige und ungeheizte Unterkünfte – für Zehntau-sende von Menschen im Nordwesten war das der bittere Alltag, als vor genau 75 Jahren ein Team aus Großbritannien und den USA in Oldenburg aufschlug. Die unbewaffneten Männer und Frauen gehörten nicht zu den alliierten Besatzungssoldaten, sondern zur pazifistischen Quäkerbewegung, die den Deutschen nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg mit Lebensmitteln und Kleidung erneut die Hand streckten. Schon einmal – zwischen 1922 und 1924 – hatten englische Quäker in Nordwestdeutschland, darunter in Oldenburg, Kindern Tausende Strümpfe geschenkt und sie mit nahrhaften Lebensmitteln versorgt.

Unter den englischen Quäkern, die 1946 ihre Zentrale am Theaterwall 41 in Oldenburg hatten, war auch der damals 28-jährige Frank Farnell aus England. Farnell hatte schon als Jugendlicher für sich entschieden, niemals eine Waffe zu tragen. Für seine Weigerung wurde er mit Kriegsbeginn von einem englischen Gericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Ein halbes Jahr lang war Farnell in Haft, dann gab er im zer-bombten London Essen in U-Bahn-Stationen aus, wo Menschen Schutz suchten vor deutschen Bombardements.

Hilfe zur Selbsthilfe

Im Februar 1946 zählte er zu dem Quäker-Team für Oldenburg. 18 englische, vier US-amerikanische Quäkerinnen und Quäker und ein Ire bildeten das Team in Oldenburg. Der Ire Ronald Brown war der Teamleiter. „Die Quäker wollen Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Mit diesem Auftrag und der Bereitschaft kommen sie hierher. Ihre Investitionen sollen nachhaltig wirken“, schreibt der Oldenburger Günter Heuzeroth („Humanitäre Hilfe für Deutschland nach beiden Weltkriegen“, Oldenburg 2009), der sich mit dem Wirken der Quäker auseinandergesetzt hat.

Viele Menschen im Nordwesten haben von uneigennützigen Hilfe der Quäker profitiert. „Ich selber gehöre einer Kindergeneration (geboren 1940) an, die mit ihren Familien aus ihrer Heimat vertrieben wurde und die hier im Oldenburgischen bettelarm ein neues Zuhause aufbauen musste“, schreibt der frühere Oldenburger Kulturdezernent Ekkehard Seeber in Günter Heuzeroths Buch.

Für Schulessen gesorgt

Hilfe aus einem Land, das Deutschland bekämpft hatte, von Christen, die keine Waffe in die Hand nehmen: Es geschah nach dem Motto der Quäker, das alles Tun im täglichen Leben Gottesdienst ist. Die Quäker bemühen sich um Schulspeisungen, um Schiefertafeln und Schreibutensilien für die Kinder.

Die Freunde, wie sich die Quäker nennen, organisieren auch gusseiserne Öfen, denn viele Unterkünfte sind behelfsmäßig und nur unzureichend ausgestattet. Allein in Oldenburg ist die Bevölkerung innerhalb kurzer Zeit von 80 000 auf 120 000 gestiegen.

Es gibt für Flüchtlinge und Vertriebene oft Barackenunterkünfte. Sie sind übers Land verstreut: im Ammerland, in Jever, in der Friesischen Wehde, im Landkreis Oldenburg oder im Oldenburger Münsterland. Nachdem sich Lebensmittelhilfe und Verteilung etabliert haben, helfen die Quäker auch bei alltäglichen Dingen: Da sie über Fahrzeuge verfügen, helfen sie Kinder- und Jugendgruppen für Chorproben und Treffen zum Blockhaus nach Ahlhorn zu gelangen. Sie vernetzen demokratiewillige Deutsche, helfen ihnen bei der Gründung des Frauenrings im Nordwesten.

Teamleiter Ronald Brown und Quäker Geoffrey Wareing sind im Herbst 1946 auch dabei, als eine Fläche für einen Friedhof bei Sage (Ahlhorn im Landkreis Oldenburg) für die Kriegstoten der Commonwealth-Staaten gesucht wird.

Friedensnobelpreis 1947

1948 endet die Arbeit der Quäker im Nordwesten. Verwaltungspräsident August Wegmann dankt den Quäkern in einem Schreiben. Er habe es als dankbar empfunden, dass die Besatzungsmacht nicht nur hier war, „um zu befehlen“, und das „gerade aus dem Land, das so sehr unter den Folgen des Krieges zu leiden hat.“ In dieser Zeitung wird angesichts des Abschieds an das Motto der Quäker erinnert: „Alle Menschen haben Pflichten über die Grenzen der Nationen hinweg.“ Für diesen Gedanken und seine Umsetzung haben die Quäker 1947 den Friedensnobelpreis erhalten.

George Fox(1624-1719) gilt als Begründer der Quäkerbewegung. Der Engländer ist überzeugt, dass Gott nicht in Tempeln oder Kirchen wohnt, sondern gleichsam in jedem Menschenherzen zu finden ist (Inneres Licht).

George Fox reist auch nach Nordwestdeutschland, unter nach Ostfriesland und Oldenburg (1667). Auch William Penn besucht Norddeutschland (1677 Bremen). Ab 1662 gibt es eine Quäkergemeinschaft in Emden. Ende des 17. Jahrhunderts gibt es Gemeinschaften in Hamburg, Krefeld, Danzig und Herford.

Nach dem 1. Weltkrieg gibt es ein erstes Hilfsprogramm der amerikanischen und englische Quäker in Deutschland (Kinderspeisung). Von 1922 und bis 1924 leisten Quäker Hilfe auch in Oldenburg und Ostfriesland. Die Hilfe für Europa organisiert der Quäker (und spätere US-Präsident) Herbert Hoover.

Die Nationalsozialisten verfolgen die pazifistischen Quäker und konfiszieren deren Versammlungshaus in Bad Pyrmont. Nach dem 2. Weltkrieg organisiert Hoover erneut ein Hilfsprogramm für Europa. In Oldenburg ist das Quäker-Team von 1946 bis 1948 im humanitären Einsatz.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2018
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.