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NWZonline.de Ratgeber

Kunst: Eine Wegbereiterin des Expressionismus

25.09.2021

Im Nordwesten Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein, Emil Nolde, Otto Mueller: Wer denkt, wenn er diese Namen hört, an die ­expressionistische Malerin Emma Ritter? Wer schenkt in Dangast nicht nur dem Campingplatz und dem Wattenmeer seine Aufmerksamkeit, sondern beachtet auf dem Strandweg zum Alten Kurhaus neben einer der Sitzbänke das Bild „Überschwemmungen“? Es ist von Emma Ritter ­gemalt, geboren am 18. Dezember 1878 in Vechta und ­gestorben am 23. März 1972 in Oldenburg.

Eine akademische Ausbildung in einer Universität blieb ihr um 1900 verschlossen. Die Zeit schien noch nicht reif für das weibliche universitäre Studium. Es war ohnehin ungewöhnlich, als Frau in die „brotlose“ Malerei einzusteigen. Ohne die Fürsprache von ­Marie Steins Vater, dem Oldenburger Gymnasialdirektor Heinrich Marcus Stein, hätte Emma nicht seiner Tochter Marie nach Düsseldorf zur ­Damen-Malschule des Professors Willy Spatz folgen dürfen. Er hat Emma Ritter in Historienmalerei und im Aktzeichnen ausgebildet.

Corinth-Schülerin

1903, fünf Jahre später, wechselt Emma in die Malschule von Lovis Corinth in Berlin. Eine der anderen drei Schülerinnen in ihrer Gruppe ist die 21-jährige Charlotte Behrend, die spätere Ehefrau des 45-jährigen Lehrers und Impressionisten Corinth.

In Oldenburg wird 1904 der Oldenburger Künstlerbund gegründet. Emma Ritter wird gebeten, Mitglied zu werden. Diesem Wunsch kommt sie 1905 nach. Mehrere Bildnisse von ihr wurden auf Wanderausstellungen in Varel, Jever, Brake und Delmenhorst gezeigt, darunter waren auch die Ölgemälde „Bildnis eines ­Mädchens“, „Bildnis eines Knaben“, „Bildnis einer Dame“ und „Toter Fasan“.

Von 1906 bis 1909 lebt die Künstlerin in München und macht eine ­weitere Ausbildung bei Theodor Hummel, der 1904 Emmas Cousine Pauline geheiratet hat. Hummel lässt seiner Schülerin Freiraum zum Experimentieren. Er erkennt ihr ­Talent und ihren Willen, die eigenen Fähigkeiten in der kreativen Arbeit einzusetzen. Hummels Einfluss zeigt sich besonders in der koloristischen Prägung.

Förderer Francksen

Zurück in Oldenburg lässt sich der Kunstkenner Theodor Francksen von ihr porträtieren. Er gibt Emma 1909 den Tipp, die jungen Männer aus Dresden aufzusuchen, die zwei Jahre zuvor nach Dangast gekommen sind.

Deren ungewöhnliche Farbgebung könnte, so die Ansicht von Francksen, für Emma Ritter von Interesse sein. Im Herbst 1909 lernt Emma die ehemaligen Architekturstudenten Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel aus Dresden kennen, zwei Gründungsmitglieder der Künstlergruppe „Die Brücke“.

Die gesellschaftliche Benachteiligung als nicht-akademische Malerin relativiert sich, als Emma weiß, dass von den „Brücke“-Künstlern nur Max Pechstein der einzige akademisch ausgebildete Maler ist. Auch ihn lernt Emma Ritter im Laufe der Dangaster Zeit kennen. Im jugendlichen Übermut malt Heckel 1910 den „Schlafenden Pechstein“ auf einem Gartenstuhl.

Junge „Nichtsnutze“

Nicht alle Bauern sind von den jungen „Nichtsnutzen“ in bunten Pumphosen und Holzschuhen auf alten Fahrrädern angetan, und Heckels Ambitionen bei den Bauerntöchtern wird von einigen Vätern mit Argusaugen verfolgt. Ablehnend sind viele Bauern, wenn es darum geht, ein kleines Bild ihres Bauernhauses im Gegenwert von ein paar Eiern zu kaufen.

Wenn Emma und Karl die Bauernhäuser malen wollen, stellen sie ihre Staffeleien in sicherer Entfernung zu ihnen auf. Gemeinsam tauchen sie in die noch unberührte Landschaft am Geestrücken ein. Schmidt-Rottluff vermittelt Emma die Lust an der intensiven Farbgestaltung der Bilder.

Die Intensität der Komplementärfarben Rot-Grün und Blau-Gelb finden sich sowohl in Emma Ritters „Dorfstrasse mit Bauernhäusern“ (1912/14) als auch in Heckels „Dangaster Landschaft“ (1909) und Schmidt-Rottluffs „Dorfecke“ (1910) wieder. Weitere wichtige Werke Emma Ritters aus der Dangaster Zeit sind „Weg mit Bauernhaus“ (um 1910), „Ziegelei“ (1912), „Azaleen“ (1910), „Dahlien“ (1910) und „Stilleben mit Äpfeln“ 1912.

Wie wichtig der Kontakt zu Kunstsammlern ist, erfährt Emma von Karl, als er ihr die Kunsthistorikerin und -sammlerin Rosa Schapire aus Hamburg vorstellt. Sie ist passives Mitglied der „Brücke“ und zeigt bei ihrem Besuch in Dangast Interesse auch an Werken von Emma Ritter.

Emma verhält sich zögerlich, was sowohl eine Mitgliedschaft in der „Brücke“-Gemeinschaft als auch eine enge Kontaktaufnahme mit der promovierten Kunsthistorikerin Schapire angeht. Karl kann Emma nicht beeinflussen, einige der neuen Werke Rosa Schapire und dem Kunstsammler und -mäzen Gustav Schiefler aus Hamburg, ebenfalls passives Mitglied der „Brücke“, zu überlassen.

Die Bindung zu Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel bleibt auch nach Auflösung der „Brücke“ im Mai 1913 bestehen. Emma folgt den Freunden nach Berlin, das anstelle von München die neue Kunstmetropole und das Zentrum der expressionistischen Kunst ist.

Emma zieht in die Wohnung von Karls Verlobter Emy, bis sie ebenfalls im Stadtteil Friedenau eine Atelierwohnung findet. Diese Mietwohnung in der Schmargendorferstraße 1 behält sie, als sie Anfang 1914 nach Oldenburg zurückkehrt.

Zurück nach Friedenau

Über ein Jahr bleibt Emma in Oldenburg bei der Mutter. Sie verdient Geld in der Buchhandlung Holzberg. Im zweiten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges kehrt Emma nach Berlin zurück. Karl Schmidt-Rottluff ist zum Kriegsdienst einberufen. Emma bezieht seine Atelierwohnung in der Niedstraße 14 in Friedenau. Karls Verlobte Emy wird ihr eine liebe Freundin. Erich Heckel ist zu dem Zeitpunkt Sanitäter in Flandern. Emma kennt schon länger seine Frau, die Tänzerin Sidi (Siddi) Riha.

Weil viele „Brücke“-Künstler in Berlin wohnen, intensiviert sich Emmas Kontakt zu Otto Mueller und seiner Frau Maria („Maschka“) und zu Lyonel Feininger und seiner Frau Julia. Lyonel soll von Emma die Technik des Holzschnitts gelernt haben.

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