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NWZonline.de Ratgeber

Schiffbau: „Münsterland“ gehört nicht zum alten Eisen

06.02.2021

Im Nordwesten Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist seit wenigen Jahren in aller Munde. Aber was kann „Schiffbau“ damit zu tun haben? Die Reederei AG EMS aus Emden setzt nun mit ihrem Fährschiff MS „Münsterland“ ein zweites Beispiel in diese Richtung: Sie baut ganz neu und behält sogleich den weitaus größten Teil des noch gut erhaltenen Schiffes für die nächste Betriebszeit – von noch einmal 30 Jahren?

Mit dem Austausch des Hecks der MS „Ostfriesland“ setzte die Reederei im Jahr 2015 gewissermaßen die Premiere, der nun mit ihrer ein Jahr jüngeren Schwester eine verbesserte Fortsetzung folgen soll. „Nachhaltiges Wirtschaften heißt auch, dass man gute Substanzen nicht einfach wegwirft“, erklärt dazu Dr. Bernhard Brons, Vorstand der AG EMS.

Umrüstung auf Erdgas

Hier wird nach einer EU-weiten Ausschreibung nicht nur einfach „neu“ gebaut, sondern auch „umweltschonender“, „komfortabler“ und auch „größer“. Ganz im Mittelpunkt dieses rund 17,5 Mio. Euro kostenden Umbaus der Doppelend-Auto- und Passagierfähre steht vor allem die Umrüstung auf Erdgas als Brennstoff. Allein das bedeutet schon 20 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß, 90 und mehr Prozent weniger Stick- und Schwefeloxide, fast kein Feinstaub mehr und einen geringeren Energiebedarf.

Das Herzstück des ganzen Baugeschehens bilden dabei die beiden Gas-Diesel (Dual Fuel) Hauptmaschinen und der Flüssiggastank mit einem geometrischen Raumvolumen von 53 m³; acht mehr als bei der „Ostfriesland“. Der Tank besteht aus einem inneren Behälter und einem äußeren Mantel als Schutz. Dazwischen sorgt eine Vakuumisolierung für die gleichbleibenden Umgebungsverhältnisse. Denn darin lagert später das Flüssiggas (LNG) bei minus 162 Grad Celsius und 5 bar Druck. Das größere Volumen des inneren Tanks wurde durch eine geringere Schichtbreite der verbesserten Isolation ermöglicht. Zudem gibt es zukünftig etwas mehr Freiheit im Maschinenraum als bei der älteren Schwester.

Eine weitere Besonderheit stellen die beiden konterrotierenden und um 360 Grad drehbaren elektrischen Z-Antriebe dar. Sie ar-beiten mit einem Zug- und einem Druckpropeller. Durch den gegenläufigen Drehsinn wird durch den hinteren Propeller der Propellerdrall genutzt, um den Wirkungsgrad zu steigern.

Dabei tragen die niedrige Blattbelastung und die verringerte Turbulenz im Wasser zu einer geringeren Vibrations- und Lärmentwicklung bei. Und damit nicht genug: Zudem reduziert auch die neue Unterwasserform des Hecks den Rumpfwiderstand deutlich. Was eine weitere Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und der Geräuschentwicklung bedeutet.

Erfahrungen gesammelt

Und anders als bei der „Ostfriesland“ können bei der „Münsterland“ zukünftig Bord- und Fahrnetz voneinander getrennt werden. „Wir haben mit dem Betrieb von MS „Ostfriesland“ viele Erfahrungen sammeln können“, erklärt Claus Hirsch, Technischer Inspektor der AG EMS, „sodass wir nun mit optimierter Version erneut Maßstäbe im Bereich der Umweltfreundlichkeit setzen können.“

Aber vor all dem steht erst einmal der Bau des neuen Hecks. Dabei verläuft zunächst einmal alles wie beim Bau eines vollständigen Schiffes. Im Juli 2019 übernahm die niederländische Schiffswerft Koninklijke Niestern Sander BV/Delfzijl den Auftrag, das alte rund 25 Meter lange Heck durch ein mehr Platz bietendes Neuheck auszutauschen. Und dann kam die Corona-Pandemie. „Wir müssen von einigen Wochen Verzögerung ausgehen“, erklärt Dr. Brons dazu. „Damit hat vorher natürlich keiner gerechnet.“

Sonnendeck und Zelte

Der Brennbeginn folgt im Mai 2020 und mittlerweile steht das aus 25 schiffbaulich erstellten Einzelsektionen bestehende Neuheck mit seinen 40 Metern Länge und rund 13 Metern Höhe im Schwimmdock und wird mit dem Altschiff verschweißt. Als abschließende Ausbaustufe folgt nun der Innenausbau, der den Fahrgästen zusätzlich einen weiteren Salon, einen Fahrstuhl über vier Decks, ein größeres Sonnendeck und einen farbenfrohen Borkumer Strandzelte-Look bieten wird. Das zuvor komplett abgetrennte alte Heck wird in Groningen samt allen Inhalten weitgehend recycelt.

Bald wieder im Einsatz

Gegen Ende der ersten Jahreshälfte 2021 soll die „Münsterland“ in ihrer neuen Aufmachung wieder zwischen Eemshaven und Borkum den Fährverkehr übernehmen. Und das mit einer um 20 Prozent erhöhten Ladedeck- kapazität, mehr Raum und Komfort für Fahrgäste, weit-gehende Barrierefreiheit und einer umweltschonenden technischen Bilanz in Sachen Antriebsenergie, Emissionen und Energieverbrauch.

Das Fährschiff „MS Münsterland“ ist ein Auto- und Personenfähre. Gebaut wurde es 1986 in der Werft Martin Janssen GmbH & Co. KG Schiffswerft Leer. Der Umbau 2021 fand bei Konink-lijke Niestern Sander BV in Delfzijl statt.

Einige Fakten (vorher/nachher): BRZ 1859 GT/2581 GT; Länge 78,80 m/94 m; Breite 12,60 m/12,60 m; Tiefgang 2,50 m/2,40 m; Geschwindigkeit 15,5 kn / 16 kn; Antriebsleistung 2 x 956 kW/2 x 1050 kW; Passagiere (max.) 1200/ 1350; Autos 60/75

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Die Reederei AG EMS tritt heute überwiegend als touristischer Dienstleister mit der Fährlinie und Ausflugsfahrten auf. Zur Unternehmensgruppe gehören u. a. die Borkumer Kleinbahn und Dampfschiffahrt GmbH, die Emder Hafenboote, die Ostfriesischer-Flug-Dienst GmbH (OFD), Inselhotel VierJahresZeiten GmbH, Reederei Cassen Eils, Adler & Eils GmbH und die Ems Maritime Offshore GmbH.

Die Umbau-Werft Konink- lijke Niestern Sander BV in Delfzijl/Farmsum gehört zur Wagenborg-Gruppe und hat eine direkte Verbindung zur Nordsee.

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