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NWZonline.de Ratgeber

Im Herzen Wilhelmshavener geblieben

06.07.2019

Karlstad Irgendwie fühlt man sich sofort zu Hause. Das mag an der Nähe zum Wasser liegen, an der angenehmen Brise, die um die Nase weht, oder an der naturnahen Umgebung. Vor allem aber am freundlichen Gegenüber. Dass man bei der Ankunft in einem Feriendorf in der mittelschwedischen Region Värmland von einem Deutschen begrüßt wird, ist ja nicht selbstverständlich. „Gute Anreise gehabt?“ Den norddeutschen Zungenschlag beherrscht Hans Mallwitz nach wie vor perfekt. Und das, obwohl der gebürtige Wilhelmshavener seit vielen Jahren in Schweden lebt.

Gleich per Du

„Ein Glas Tee zur Begrüßung?“ Gern. „Zwar kein Ostfriesentee, aber immerhin“, sagt Mallwitz mit schelmischem Lächeln. Seit gut fünf Jahren ist er Besitzer des „Björnbyn“. Das „Bärendorf“ liegt rund 85 Kilometer nördlich von Karlstad und scheint mit seinen 38 gemütlich eingerichteten Ferienhäusern und seinem kinderfreundlichen Sandstrand am kristallklaren Radasee wie geschaffen für Urlauber, die gern Wassersport betreiben oder gern draußen in der Natur sind.

„Bären werdet ihr bei uns zwar nicht antreffen. Dass sich der eine oder andere Elch mal blicken lässt oder ihr einen Luchs zu Gesicht bekommt, das kann schon passieren“, beugt der heute 69-Jährige eventuellen Unklarheiten seiner Gäste vor. Natürlich ist man gleich per Du, so wie es in Schweden allgemein üblich ist.

Warum gerade Schweden? Für die Antwort auf diese Frage muss Hans Mallwitz ein wenig ausholen. Nach Abschluss der Hafenschule in Bant sollte er Koch werden, so wollte es jedenfalls seine Mutter. Es folgte eine Lehre in Bad Salzuflen, anschließend arbeitete er für zwei Jahre als Saisonkraft auf Sylt.

„Und dann erreichte mich der Ruf der Bundeswehr“, plaudert Mallwitz ein wenig aus dem Nähkästchen. „Hans, mach das nicht“ – das war der Rat seines Vaters, der selbst zwei Weltkriege erleben musste. Das Angebot eines Austauschpraktikums in Schweden war für den knapp 20-jährigen Mann die Chance, etwas Zeit zu gewinnen. „Auch wenn das anfangs schon wegen der fehlenden Sprachkenntnisse nicht so einfach war.“

Dass aus dem Praktikum im Ausland viel mehr wurde, lag sicherlich auch daran, dass Hans Mallwitz in Värmland sein privates Glück gefunden hat. Seit 1975 ist er glücklich mit seiner Frau Karin verheiratet, hat vier erwachsene Kinder und mittlerweile auch fünf Enkelkinder, die ihren Opa ordentlich auf Trab halten.

Steile Karriere

Als Koch ging es für ihn beruflich schnell steil bergauf. Sieben Jahre lang war er Chefkoch in einem Restaurant in Örebro und bildete sich anschließend mit einem Hotelmanagement-Studium in Stockholm weiter.

„Als stellvertretender Kellermeister in einem namhaften Hotel in Grythyttan durfte ich mehrere Male sogar für den schwedischen König Carl Gustav kochen“, erzählt Hans Mallwitz mit berechtigtem Stolz. „Und mit Königin Silvia habe ich mich schon mal übers Pilze sammeln unterhalten.“

Auch viele ausländische Botschafter und andere hochrangige Diplomaten gehörten in dieser Zeit zu seinen Gästen. „Dort drüben war ich Küchenchef im Hotel des Stahlkonzerns Uddeholm“, sagt Hans Mallwitz und zeigt auf das gegenüberliegende Ufer des Radasees. „Anderes Leben, andere Kunden, andere Freiheit“, lässt er keinen Zweifel daran, dass ihm auch seine jetzige Tätigkeit als Besitzer eines Feriendorfes viel Spaß macht.

„Man muss sich immer um neue Ideen bemühen“, bringt Mallwitz sein Erfolgsrezept auf den Punkt. So hat er zum Beispiel schon in den 1990er mit „Schwedischen Tagen“ in Wismar und später auch in Wilhelmshaven – in Anwesenheit des schwedischen Generalkonsuls – den Deutschen die Vorzüge der schwedischen Küche nahegebracht. Auch seine Initiative, dass Restaurantgäste für ihr Essen nur den Preis bezahlen, den sie wollen, wurde von den Medien vielbeachtet. Und er scheute sich nicht davor, als Chef des Bürgerhauses in Hagfors am Fluss Uvån als Erster in seinem Lokal das damals noch umstrittene Rauchverbot einzuführen.

„Den Nerv, still zu sitzen, hatte ich nie – auch über den Beruf hinaus“, sagt Hans Mallwitz. Lange Zeit war er Team-Manager der deutschen Floorball-Nationalmannschaft - in der sein Sohn Daniel auch vielfacher Nationalspieler war - und zwölf Jahre Vorsitzender der Hotelvereinigung der Region Värmland.

Dass man ihm sein Alter nicht ansieht, liegt sicher auch daran, dass er sich sportlich immer fit gehalten hat. Auch heute noch betreut er die Jugend des örtlichen Fußballvereins und gibt beim dreimaligen Training pro Woche so richtig Vollgas.

Currywurst und Bier

„Eigentlich ist der Unterschied zwischen Schweden und Deutschland gar nicht so groß“, kommt Hans Mallwitz ein wenig ins Nachdenken. „Wenn man integrationsbereit ist und sich nicht als Besserwisser aufspielt, dann kann man hier mit der Zeit viele gute Freunde finden.“ Dass er seinen deutschen Pass behält und dass Wilhelmshaven nach wie vor seine Stadt bleibt, das steht für ihn außer Frage.

Mehrmals im Jahr führt ihn sein Weg in seine Heimat, wo seine Schwester nach wie vor lebt. Wenn es darum geht, zusammen mit Freunden Radtouren nach Ostfriesland oder in den Spreewald zu unternehmen, oder sich beim Klassentreffen mit seinen ehemaligen Schulfreunden auszutauschen, dann sagt er ganz gewiss nicht nein. Schon jetzt freut er sich darauf, im September in Jever zu sein, wenn seine Schwester Goldene Hochzeit feiert.

Und was lässt sich der renommierte Koch gern schmecken, wenn er deutschen Boden unter den Füßen hat? „Erst mal eine Curry-Wurst und ein kühles Bier.“

Hans Mallwitz fühlt sich in Värmland wohl. Was die Zukunft bringen wird, das weiß natürlich auch er nicht. „Wenn ich aus irgendwelchen Gründen mal von hier wegziehen sollte – dann kommt nur Wilhelmshaven infrage“, sagt er.

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