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Aktualisiert vor 4 Minuten.

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NWZonline.de Ratgeber

Kunstschätze in alle Welt versprengt

17.06.2017

Oldenburg Vor 150 Jahren, am 19. Juni 1867, wurde das Oldenburger Augusteum an der Elisabethstraße feierlich eröffnet und dem Publikum übergeben. Der Galeriebau im Stil eines italienischen Stadtpalastes war das erste Kunstmuseum Nordwestdeutschlands und die Keimzelle der heute so vielfältigen Museumslandschaft des Oldenburger Landes.

Während das Gebäude seit der 2015 erfolgten Generalsanierung wieder in seiner historischen Pracht erscheint, liest sich die Geschichte der dort einst präsentierten Gemäldegalerie wie ein Krimi: Mit Werken von Giorgione und Tizian, einem vermeintlichen Raffael, Gemälden von Rembrandt, Rubens, Frans Hals und zahlreichen Rembrandtschülern zog die Großherzogliche Gemäldegalerie um 1900 Reisende aus ganz Europa an. Zusammengetragen hatte die Sammlung Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755–1829), der 1804 mit der Sammlung des Johann Heinrich Wolfgang Tischbein (1751– 1829), des sogenannten „Goethe-Tischbein“, den Kernbestand erworben hatte.

Um der Residenzstadt und dem Land Oldenburg zu kultureller Blüte und weitreichender Anerkennung zu helfen, bauten Peter Friedrich Ludwig und seine Nachfolger, vor allem Großherzog Paul Friedrich August (1783– 1853), die Sammlung durch gezielte Ankäufe auf dem europäischen Kunstmarkt weiter aus.

1888 übernahm kein Geringerer als Wilhelm Bode, der spätere Generaldirektor der Berliner Museen auf der Museumsinsel, die Bearbeitung der Bestände und stellte begeistert fest, dass die Großherzogliche Gemäldegalerie im Augusteum ein „merkwürdig abgerundetes Bild der Gesamtentwicklung der Malerei“ ermögliche. Die Oldenburger Altmeistersammlung wurde seither von Kunsthistorikern bewundert und in Reiseführern wie „Baedeker’s Handbuch für Reisende“ gerühmt.

Was heute weitgehend vergessen ist und bei Kunsthistorikern einen Phantomschmerz hinterlässt: Gerade die Prominenz der Sammlung wurde dem Oldenburger Land 1918 zum Verhängnis. Mit dem Ende der Monarchie, nach der erzwungenen Abdankung des letzten Großherzogs, wurden sämtliche beweglichen Güter, vom Mobiliar des Schlosses bis zur Gemäldegalerie zum Privatbesitz der herzoglichen Familie erklärt. Ankaufsbemühungen des republikanischen Freistaates Oldenburg scheiterten an dem hohen Wert der Sammlung.

Friedrich August (1852– 1931) entschied sich daher 1919 – als einer der ersten ehemaligen deutschen Landesfürsten – die wertvollsten seiner Gemälde außer Landes zu bringen. Vermutlich nachts und mit Unterstützung der Transportwagen des Fabrikanten Georg Bölts, dessen Fleischwarenfabrik, die heutige „Alte Fleiwa“, über einen eigenen Gleisanschluss verfügte, wurde ein Großteil des Gemäldeschatzes nach Holland gebracht, wo die Werke im Laufe der 1920er Jahre über Händler und Auktionen gegen „harte Gulden“, denn die holländische Währung war nicht von der Inflation betroffen, verkauft wurden.

Nachdem bekannt wurde, dass die Gemäldesammlung für Oldenburg verloren war, ging ein Aufschrei durch die Presse der jungen Weimarer Republik. In den Satirezeitschriften „Simplicissimus“ und „Kladderadatsch“ wurde der „Oldenburger August“ als geldgieriger „Bilderschieber“ karikiert, und Reichskunstwart Edwin Redslob erließ das erste Kulturgutschutzgesetz, um weiteren Verlusten von Kunstschätzen vorzubeugen.

Doch für Oldenburg kam das Gesetz zu spät: Die einst gerühmte Gemäldegalerie ist heute über alle Welt versprengt, und die – noch immer glänzende Sammlung im Augusteum – ein Torso. Bedeutende Werke aus Oldenburg befinden sich heute im Metropolitan Museum New York, in Boston, Cambridge, Detroit und Kansas City, in den Sammlungen der Gemäldegalerie Berlin, des Rijksmuseums Amsterdam, in Enschede, Den Haag oder in der Fondazione Cini in Venedig.

In einem zweijährigen Forschungsprojekt haben die Kunsthistoriker Malve Anna Falk und Sebastian Dohe den Geschichten jedes einzelnen der über 300 Bilder detektivisch nachgespürt, Abbildungen zusammengetragen und sämtliche Werke dokumentiert, die einst den Ruhm der Oldenburger Gemäldesammlung ausmachten: Auf mehr als 500 Seiten rekonstruiert ein monumentaler Katalog und Tafelband, was einst im Augusteum gehangen hat und im Original nie mehr an einem Ort vereint sein wird.

Pünktlich zum 150. Geburtstag des Augusteums erstrahlt nun nicht nur der ehemalige Galeriebau in alter Pracht und neuem Glanz, sondern ist auch ein Denkmal entstanden, das die Gemäldegalerie Oldenburg in Erinnerung ruft und an die Keimzelle einer einzigartigen Museumslandschaft erinnert.

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