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NWZonline.de Ratgeber

Landschaftsbauer im Biberpelz

30.07.2016

Haselünne /Lahre Der Landwirt und Jagdpächter kennt sich aus mit Bibern. „Dieser Landschaftsbauer ist Vegetarier, nachtaktiv und äußerst familiär. Der Eingang zu seiner Erdhöhle oder Burg befindet sich aus Sicherheitsgründen immer unter Wasser“, sagt Hermann Schulte. Er führt Touristen aller Altersgruppen durchs Naturschutzgebiet Hasetal, möchte aber auf keinen Fall als „Experte“ bezeichnet werden.

„In den Dämmen wohnt der Biber nicht“, betont er. „Die baut er nur zu seinem Schutz, um das Wasser aufzustauen. 1,50 Meter Wasserstand bieten mehr Sicherheit zum Abtauchen als 40 Zentimeter“, erklärt Schulte.

Wald überflutet

Seit der Wiederansiedlung der scheuen Nager vor über 20 Jahren beschäftigt sich der 61-Jährige mit dem Thema. Eine erste Biberfamilie mit acht Tieren wurde 1990 von Mitarbeitern der Universität Osnabrück zwischen Lahre und Groß Dörgen ausgesetzt. Wissenschaftler der Universität beobachten die Entwicklung bis heute. Damals hat Schulte auch etliche Diplomarbeiten von Studenten zum Thema „Biber“ gelesen. Die wohnten nämlich für Tage in den Ferienwohnungen, die Hermann Schulte und seine Frau Hannelore neben dem „Hofcafé An der Biberburg“ vermieten.

Heute ist die Population auf 250 Tiere angewachsen. Wie ein Biber die Landschaft gestalten und das Landschaftsbild verändern kann, wenn man ihn gewähren lässt, zeigt sich im Lahrer Moor. Durch Dammbau und Aufstauung eines Bachs hat eine Biberfamilie im Lauf der Jahre 40 Hektar Wald überflutet. „Seit Kurzem ist hier nach über 40 Jahren sogar die Große Rohrdommel zurückgekehrt“, erzählt Schulte.

Doch nicht überall darf der Biber frei wirken. Bevor es in anderen Gebieten durch den Einstau von Entwässerungsgräben zu Schäden an privaten und landwirtschaftlichen Flächen kommt, greift der Naturschutz ein, entfernt oder drainiert den einen oder anderen Biberdamm.

Möglich wurde die erfolgreiche Rückkehr der Biber vor allem durch ein Renaturierungsprojekt des Landkreises Emsland im Hasetal in den Jahren 1995 bis 2002. Mit einem Finanzvolumen von 10,2 Millionen Euro hat der Landkreis, unterstützt durch EU, Bund und Land Niedersachsen, auf mehr als 450 Hektar Lebensräume für auentypische Pflanzen und Tiere geschaffen.

Alle Maßnahmen geschahen im Einvernehmen von Behörden, Bürgern und Landwirten. Der Flussverlauf kehrte auf über sieben Kilometern zu seiner ursprünglichen Form zurück und fließt in Kurven durch eine Aue. Drei Altarme wurden wieder an die Hase angeschlossen, vorhandene Deiche geöffnet, zurückgebaut oder an anderer Stelle errichtet.

Auch Hermann Schultes Hof war von dem Projekt betroffen. Der 2,8 Kilometer lange Rad- und Wanderweg, der durch das Gebiet angelegt wurde, führt direkt an Schultes Hof vorbei und gehört zum Emsland-Radweg. Dort starten auch die Führungen nach vorheriger Anmeldung. Wer die nachtaktiven Tiere beobachten und nicht nur ihre Spuren sehen will, muss sich in der Dämmerung oder ganz frühmorgens auf den Weg machen. Doch auch tagsüber gibt es viel zu sehen.

Vier bis fünf Kilo Rinde

Schulte weist uns auf „Biberpässe“ zwischen zwei Gewässern hin, die beim Queren im Gras durch den breiten Schwanz des Nagers entstanden sind. „Biberrutschen“ führen zum Wasser und sehen aus wie ein Trampelpfad von Anglern. „Der Biber frisst im Sommer alles, was grün ist. Er fällt aber auch ganze Bäume und nagt als Nahrung die Rinde der kleineren Äste ab, vier bis fünf Kilo am Tag“, sagt Schulte. „Außerdem braucht er die Rinde zur Produktion des sogenannten Bibergeils, ein Sekret, mit dem er sein Revier markiert“, erklärt er.

Frische Holzspäne liegen herum, und der Baumstumpf weist in 40 bis 50 Zentimetern Höhe die typische „Eieruhr-Form“ auf. Man sieht und fühlt die Form der scharfen Biberzähne. Manchmal schichtet der Biber kleinere Äste auch zu seinem Bau auf. Der Holzhaufen sieht dann aus, als hätte jemand im Wald aufgeräumt.

Die Zeiten, als die Tiere in Deutschland wegen ihres Fleischs, ihres Fells für Bibermützen und des „Bibergeils“, das in der Homöopathie und wegen seines moschusähnlichen Dufts für Parfüm verwendet wurde, gejagt wurden, sind vorbei. Heute steht der Biber unter Artenschutz. Das Emsland ist wieder Biberland.

Die Hase ist ein Nebenfluss der Ems und durchfließt auf 168 Kilometern vier Landkreise und die Stadt Osnabrück. 1996 wurde der Verein zur Revitalisierung der Haseauen gegründet, der sich seitdem für mehr Naturnähe einsetzt.

Die Renaturierung der Hase in vielen Bereichen hat das Gewässer auch für Touristen, besonders Radfahrer, noch


interessanter gemacht. Informationstafeln weisen den Weg und geben Erklärungen zur Pflanzen- und Tierwelt. Der Tourismus ist mittlerweile zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor im Emsland geworden.

Biberführer Hermann Schulte ist im „Hofcafé An der Biberburg“ (Am Glockenturm 10) in Haselünne/Lahre erreichbar, Telefon   05961/91 84 70,
E-Mail: info@hofcafe-schulte.de


Infos unter   www.emsland.dewww.hofcafe-schulte.de 

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