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Tourismus Steinerne Zeugnisse aus der Eiszeit

Alexandra Lüders

Löningen/Osnabrück/Meppen - Wer sich auf Schusters Rappen auf Wanderschaft begibt, kann jetzt auf dem neuen Hünenweg zauberhafte Kultur- und Naturlandschaften erobern. Denn nach fünfjähriger Planungs- und Vorbereitungszeit wurde der neue Fernwanderweg von Osnabrück nach Meppen eingeweiht. Die 150 Kilometer lange Route ist mit 114 Pfeilwegweisern und 1000 Markierungszeichen an Bäumen gut ausgeschildert. Darüber hinaus laden Schutzhütten, Sitzbänke und Rastplätze die Wanderer zum Verweilen ein. Wegen seines Abwechslungsreichtums und nur wenigen Steigungen empfiehlt sich der Hünenweg bei mittlerer Kondition und für Familien ganz besonders.

Wald und Heide

Die Route führt durch das idyllische Nettetal bei Osnabrück, die sanfthügeligen Ankumer Höhen als Ausläufer des Wiehengebirges als auch durch den Börsteler Wald, durch Waldgebiete des Gehn und der Maiburg, gefolgt von ruhigen Moor- und Heidelandschaften und urtümlichen Hasetaler Flussauen, in denen sich der Biber vor vielen Jahren angesiedelt hat. Im emsländischen Haselünne streift der Wanderer im Naturschutzgebiet einen Wacholderhain und umkreist den Haselünner See.

Im neuen Abschnitt des Hünenwegs begegnet der Besucher bei Bramsche-Ueffeln einem riesigen Sandsteinbruch, der 150 Millionen Jahre altes Schottermaterial aus dem Jurazeitalter für den Straßenbau liefert.

Neben der Naturvielfalt kann der Wanderer zudem kulturhistorische Schätze der Region entdecken. Dazu gehören beispielsweise steinerne Zeugnisse unserer Vorfahren, die 3000 bis 3500 vor Christi Geburt aus den Megalithen (Steinen) der Eiszeit ihre Grabstätten gebaut haben. Die großen Findlinge wurden von Gletschern (Eisbergen) vor 150 000 Jahren aus Skandinavien hierher transportiert.

Lange Zeit glaubte man, dass die Großsteingräber von sogenannten Hünen (Riesen) errichtet wurden, da in den Grabhöhlen große Knochen lagerten. Sie stammten jedoch von großen Tieren, die den Jägern zum Opfer fielen und vielleicht als Grabbeigaben ebenso wie Flint-Flachbeile oder Keramiken der Trichterbecherkultur fungiert haben. Einen faszinierenden Einblick in diese längst vergangenen Zeiten bietet das Ankumer Giersfeld.

Nach der Eröffnung des Hünenweges begleitete der Archäologe Bodo Zehm („Megalithic Routes“) die Teilnehmer während ihrer Wanderung durch das Gräberfeld, um die unterschiedlichen Bestattungsriten fachkundig zu erklären.

Urwüchsiges Moor

Neben den großrahmigen Kollektivgräbern (10 bis 20 Meter lang) der Jungsteinzeit habe es im Übergang zur Bronzezeit auch Einzelgrabbestattungen in sogenannten „Steinkisten“ und unter Grabhügeln gegeben. Dadurch seien erstmals soziale Unterschiede dargestellt worden, berichtete Zehm.

Auf der Strecke von Ankum nach Börstel durchqueren Wanderer die Endmoränenlandschaft der Maiburg, in der sich rund um die riesigen Findlinge Sagen und Legenden ranken. Im mittelalterlichen, am Hünenweg gelegenen Stift Börstel nimmt die klösterliche Atmosphäre den Besucher gefangen, bevor er in das urwüchsige Hahnenmoor mit seinen Moorfröschen, Kreuzottern und der Wollgrasblüte eintaucht.

Das Kooperationsprojekt „Hünenweg“ zwischen den Landkreisen Osnabrück und Emsland wird ab 2020 auf die Niederlande bis zum Museum „Hunebedcentrum“ in Borger ausgeweitet. Damit erreicht die Wanderroute eine europäische Dimension. Sie ist ein Teil des Unesco-Geoparks im Osnabrücker Land und das Ergebnis der Zusammenarbeit der beiden Geoparks Terra Vita und De Hondsrug. Im „Hunebedcentrum“ können sich Besucher mit der europaweiten Geschichte der Hünengräber auseinandersetzen. „Wir erwarten schon in dieser Saison viele Gäste, für die wir Wanderangebote oder Tagestouren zusammenstellen“, verrät Wilhelm Koormann, Geschäftsführer der Löninger Hasetal-Touristik.

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