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NWZonline.de Ratgeber

Martha’s Corner Seifenmanufaktur: Wenn Rühren in großen Töpfen glücklich macht

21.03.2020

Bremen Ein glückliches Leben kann ganz einfach sein. Claudia Schreiber benötigt dafür biologisch angebaute Pflanzenöle und Fette, naturreine ätherische Öle, Natronlauge und viel Zeit. Aus diesen Zutaten stellt die 51-Jährige an zwei Tagen in der Woche in großen Edelstahltöpfen handgeschöpfte Seife her, die sie an den übrigen Werktagen in ihrer Seifenmanufaktur „Martha’s Corner“ in Bremen-Findorff verkauft. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt die Unternehmerin, die Ende März das zweijährige Bestehen ihres kleinen und erfolgreichen Geschäfts feiert. Der Weg dorthin gleicht indes einer Achterbahnfahrt mit ungewissem Ausgang.

Die gebürtige Oldenburgerin, die in Bremerhaven-Lehe aufgewachsen ist und seit vielen Jahren in Bremen lebt, hatte ursprünglich nie daran gedacht, sich selbstständig zu machen. Und schon gar nicht mit gesiedeten Seifen und weiteren Naturkosmetik-Produkten. „Das hätte ich mich nie getraut. Ich bin eher eine Sicherheitsspielerin“, beschreibt sich Claudia Schreiber und nimmt einen Schluck Tee. Die brünette, schlanke Frau mit den grünen Augen hatte andere, größere Pläne.

„Ich wollte Verantwortung übernehmen, Projekte umsetzen, über meinen Tellerrand hinausschauen“, sagt die gelernte Bürokauffrau. Sie absolvierte nach der Ausbildung Fortbildungen, die sie nicht weiterbrachten. Also studierte sie parallel zum Vollzeitjob BWL und Jura. Eine harte Zeit. Doch Aufhören war keine Option. „Ich machte das auch wegen der Selbstbestätigung“, gesteht Claudia Schreiber, die nebenbei noch Ausdauersport machte und nicht selten 16-Stunden-Tage hatte.

Martha’s corner

Claudia Schreiber eröffnete „Marthas’s Corner“ – benannt nach einer ihrer drei Katzen – in einem ehemaligen Fischgeschäft in Bremen-Findorff am 31. März 2018 mit einem guten Dutzend Produkte, überwiegend Seifen sowie drei Shea-Pflege-Cremes. Heute ist das Angebot mehr als doppelt so groß, und in den Holzregalen liegen außerdem Deos, Lippenpflege, Shampoos, Peelings, Wascherde. Ganz neu sind eine Rasierseife und eine feste Handcreme. Qualität hat bekanntlich ihren Preis. Die Spanne reicht von 1,50 Euro für ein Stück Mini-Seife bis 23 Euro für eine 250-Milliliter-Dose Shea-Sahne. Kontakt und Info unter

    www.marthas-corner.de

Der Einsatz zahlte sich aus. Sie bekam als Wirtschaftsjuristin tolle Jobangebote und interessante Aufgaben. „Aber irgendwas passte nicht.“ Sie war engagiert als Assistentin der Geschäftsführung, fühlte sich aber häufig von den männlichen Kollegen und Geschäftspartnern behandelt wie die Sekretärin, die fürs Kaffeekochen zuständig sei.

Claudia Schreiber wechselte die Arbeitgeber, legte sich noch mehr ins Zeug und hörte null auf ihren Körper. Bis der Höher-schneller-weiter-Marathon in einem Burn-out mündete. „Ich konnte gar nichts mehr“, erinnert sich Schreiber und trinkt noch mehr Tee. Sie bekam Essstörungen, Panikattacken, Depressionen und konnte sich auf nichts konzentrieren. „Während eines dreimonatigen Klinikaufenthalts bin ich komplett auseinandergefallen.“ Das war 2013.

Drei Jahre zuvor kam die Seife ins Spiel. Nicht als Geschäftsidee, sondern als Hobby der umweltbewegten Konsumentin Claudia Schreiber, die ihr eigenes Verhalten hinterfragte. „Ich hatte eine Dokumentation über die verheerenden Folgen des Palmöl-Anbaus gesehen und dachte: So geht das nicht.“

Claudia Schreiber recherchierte, wie man im Alltag auf Palmöl verzichten kann, das von der Industrie unter anderem für die Herstellung von Nahrungsmitteln verwendet wird sowie für Wasch- und Reinigungsmittel. Die palmölfreien Seifen aus Schreibers Küche kamen auch in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis gut an, den sie mitversorgte.

Dass Claudia Schreiber das Seifensieden professionalisieren würde, zeichnete sich vor ungefähr fünf Jahren ab. Sie suchte sich nach ihrem Zusammenbruch zunächst neue Jobs und stellte ernüchtert fest, dass sie weiterhin gegen gläserne Decken stieß und drohte, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. „Ich muss mich ändern“, beschloss Schreiber und fand die Lösung in der nie angestrebten Selbstständigkeit. Zweieinhalb Jahre entwickelte sie Rezepte und Produkte, suchte einen passenden Laden, organisierte Zuschüsse und eine Geschäftsgründung.

Das Konzept stand von Beginn an fest. Bei „Martha’s Corner“, Namensgeberin ist eine ihrer drei Katzen, gibt es ausschließlich handgefertigte Produkte aus natürlichen, nachhaltigen und fair gehandelten Rohstoffen. So stammen die Shea- und die Kakao-Butter sowie das Babassu- und das Kokos-Öl aus Fairtrade- Projekten, sodass Frauenkooperativen und kleine Landbauern ebenfalls profitieren.

Claudia Schreiber produziert auf traditionelle Weise im so genannten Kaltverseifungsverfahren. Anschließend lagern die Seifen in grauen Plastikkisten bis zu einem Vierteljahr, bevor die weißen, gelben, orangefarbigen oder schwarzen Stücke mit dem „Martha’s“-Logo in den Verkauf kommen. Bei den Verpackungen achtet sie ebenfalls auf Nachhaltigkeit oder verkauft die Ware lose. Eine Flüssigseife verschwand wieder aus dem Sortiment, weil die Gründerin keine Alternative für Kunststoffflaschen fand.

Momentan denkt Claudia Schreiber über Badeprodukte nach. Und die Kauffrau sucht eine Immobilie, wo sie Wohnen und Produktion zusammenlegen kann. Die Seifenküche in dem 80 Quadratmeter großen Ladengeschäft, in dem sie auch Workshops veranstaltet, platze aus allen Nähten. Mit den Produkten stieg auch die Nachfrage. Die anfänglichen 15 Kilo Seife pro Produktionstag haben sich ungefähr verfünffacht, schätzt die Seifenherstellerin. Nach einem Jahr trug sich das Geschäft bereits und mache längst Gewinn Die Kundschaft bestehe je zur Hälfte aus Privatleuten und gewerblichen Abnehmern aus Bremen und umzu, und auch das anfangs zähe Online-Geschäft habe inzwischen Fahrt aufgenommen.

Wenn sich die Bremer Seifenmanufaktur weiterhin so erfolgreich entwickelt, kommt Claudia Schreiber mit den beiden studentischen Hilfskräften bald nicht mehr aus. Dabei solle das Geschäft nicht ungebremst wachsen. „Ich muss es wuppen können.“ Sie hängt sich wie früher als Angestellte voll rein und hat Sechs-Tage-Wochen mit Zehn-Stunden-Tagen. „Aber jetzt weiß ich, wofür ich’s mache“, sagt sie glücklich.

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