Im Nordwesten - Manchmal geht es gar nicht darum, welches Elternteil mit dem Kind zum Arzt geht, wer die Utensilien für den Projekttag in der Schule besorgt oder wer für den Grillabend mit den Nachbarn einkauft. Aber häufig ist es die Frau, die daran denkt, dass all das gemacht werden muss. „Mental Load“ heißt diese Anhäufung mentaler Organisationsarbeit.
Dass die Hauptlast des „Mental Load“ in heterosexuellen Partnerschaften häufig bei der Frau liegt, ist kein Klischee, sondern ein Fakt: Aus einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung mit Sitz in Düsseldorf geht hervor, dass das sogar dann der Fall ist, wenn beide Partner in Vollzeit arbeiten. Deshalb, so schreiben die Autorinnen der Studie Dr. Yvonne Lott und Paula Bünger, sei der „Mental Load“ eine „zentrale Dimension partnerschaftlicher beziehungsweise geschlechtsspezifischer Ungleichheit“. Das Problem: Viele Frauen, die das betrifft, werden in der Beziehung unzufrieden.
Job mit hohem Stellenwert
Als Referentin für Familie in der Hochschule und Gender Mainstreaming an der Jade Hochschule hat sich Mareike Sprock viel mit dem Thema „Mental Load“ beschäftigt. Regelmäßig bietet sie Vortragsveranstaltungen an. Der Titel: „Von Mental Load zum Familien-Projektmanagement“. Denn, davon ist die 30-Jährige überzeugt: Wer sich in der Familie um alles kümmert, ist nichts weniger als ein Projektmanager oder eine Projektmanagerin – ein Job, der in der Wirtschaft einen hohen Stellenwert hat.
Frauen sind häufig diejenigen, die den Familienalltag durchplanen und alles im Blick haben. Sie tragen damit die Hauptlast an kognitiver Organisationsarbeit - dem sogenannten Mental Load.
Imago„Es ist mir wichtig, sichtbar zu machen, dass Mental Load für die Person, die in einer Familie den Großteil der Organisation übernimmt, eine große Belastung sein kann“, sagt Mareike Sprock. „Anzuerkennen, dass es viel Arbeit ist, die nicht mal eben nebenbei gemacht werden kann, ist ein wichtiger Schritt.“ Und das gelte nicht nur innerhalb der Familien, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene.
„Aus meiner Sicht sollte sich da strukturell und politisch etwas ändern. Denn es gibt verschiedene Faktoren, die begünstigen, dass sich überwiegend einer oder eine allein für die Organisation verantwortlich fühlt“, sagt die 30-Jährige. „Ich fände es zum Beispiel wichtig, dass Anreize dafür geschaffen werden, dass beide Elternteile nach der Geburt eines Kindes in Elternzeit gehen, damit nicht von Anfang an alles nur an einer Person hängt.“
Denkarbeit bewusst verteilen
Dafür, dass es überwiegend die Frauen sind, die in der Familie die Alltagsorganisation übernehmen, vermutet Mareike Sprock verschiedene Ursachen. „Ich glaube, dass die Rolle der Frau in der Gesellschaft und auch unsere Prägungen in der Kindheit mitverantwortlich dafür sind, dass sich viele Frauen für das Gelingen des Familienalltags verantwortlich fühlen.“ Doch heute sollten die Familien aktiv aushandeln, wie die Denkarbeit verteilt wird. „Es ist wichtig, dass es eine bewusste Entscheidung ist, wer sich um was kümmert.“
Damit das gelingt, könnten sich Familien mit einem Blick in die Wirtschaft etwas abschauen. „Beim Projektmanagement würde sich das Team zum Beispiel regelmäßig zusammensetzen um zu besprechen, was ansteht und wer wofür verantwortlich ist.“ Dieses Vorgehen könne auch Familien helfen. „Und wenn es darum geht, die mentale Care-Arbeit neu zu verteilen, kann man in kleinen Schritten anfangen. Es gibt zum Beispiel digitale Einkaufslisten, auf die beide Zugriff haben. So könnte schon mal die Verantwortung fürs Einkaufen geteilt werden.“
