Münster/Havixbeck - Das diesjährige Droste-Festival des Literaturzentrums Burg Hülshoff in Münster stellt vom 30. Juni bis 2. Juli das Thema „Gemeingut“ in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Wo ist Allmende?“ beschäftigten sich mehr als 90 beteiligte Künstlerinnen und Künstler mit diesem Thema, teilten die Veranstalter am Montag in Havixbeck mit. In der Gartenanlage des Haus Rüschhaus in Münster stehen Workshops, Lesungen, Installationen, Performances, Konzerte und Filmvorführungen auf dem Programm.
Allmenden existierten den Angaben zufolge seit dem Mittelalter und waren zu Zeiten der westfälischen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) noch eine gängige Wirtschaftsform: Flächen wie Weiden und Heiden wurden von mehreren Personen gemeinsam genutzt. Im 19. Jahrhundert seien diese Flächen zunehmend in Privateigentum Einzelner übergegangen und die heutige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung habe sich gebildet.
Lebendige Lebensorte
Das Droste-Festival 2023 widme sich den Allmenden des 21. Jahrhunderts, hieß es. Gefragt wird unter anderem, ob Sprache, Zeit, Wissen oder das Internet Allmenden sind und welche Regeln es braucht, damit Gemeineigentum funktioniert. Zur Eröffnung am 30. Juni erwarten die Veranstalter unter anderem NRW-Kulturministerin Ina Brandes.
Das Wasserschloss Burg Hülshoff in Havixbeck bei Münster ist Geburtsort der Dichterin. Die 2012 gegründete Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung will die Erinnerung an sie wachhalten, deren Novelle „Die Judenbuche“ heute zur Weltliteratur gehört. Die historischen Lebensorte der Künstlerin im Münsterland wurden zu einem Literaturzentrum weiterentwickelt.
Zugänge zu schaffen ist den Veranstaltern wichtig. Denn sie wissen: Literatur und ihre Hintergründe sind nicht immer sofort verständlich. Deshalb wollen sie mit den Teilnehmern Schlüssel, also Zugänge, schaffen. Dies tut zum Beispiel die aktuelle Sonderausstellung: „DROSTE DIGITAL. Handschriften – Räume – Installationen“. Sie ist bis 30. September 2023 im Obergeschoss von Burg Hülshoff zu sehen. Die Ausstellung beschäftigt sich mit Annette von Droste-Hülshoffs digitalisierten Handschriften.
Selfies und Denkfabrik
Mehrere Wohnräume und der Speicher wurden von Künstlerinnen und Künstlern umgestaltet. Nun sind sie begehbare Droste-Lyrik und -Geschichte: Das Jugendzimmer der Droste wurde von Nora Gomringer inszeniert, Dorothee Elmiger hat das „Home Office“ der Autorin imaginiert, das Kollektiv Anna Kpok lädt ein zur Reise in den Orient und Hypen-Labs hat aus dem Bad ein Profi-Selfie-Spiegelkabinett kreiert.
Die „Denkfabrik 2023 – Welt & Anschauung“ beschäftigt sich direkt mit Zugängen – zu Text, zu Institution, zu Welt. Für wen sieht die Welt wie aus? Wie können Schnittmengen unserer Anschauungen über die Welt bereichern? Werden wir womöglich so unsere Blicke verändern oder schärfen können? Die Denkfabrik findet vom 27. bis zum 29. Oktober statt. Hier werden performative Formate, von Lesungen über Installationen und Screenings, bis hin zu Konzerten, angeboten.
