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Neue Ausstellung im Busch-Museum Hannover Aus Anlass der Europameisterschaft: Karikaturen rund um die Fußball-Welt

Helden der Haarpracht: Auch die Zeichnung „Halbzeitpause“ von Bettina Bexte ist in der Ausstellung „anPFIFF“ im Busch Museum zu sehen. Es ziert zugleich das Plakat der Schau.

Helden der Haarpracht: Auch die Zeichnung „Halbzeitpause“ von Bettina Bexte ist in der Ausstellung „anPFIFF“ im Busch Museum zu sehen. Es ziert zugleich das Plakat der Schau.

Bexte/Busch Museum

Hannover - „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam noch Pech dazu.“ – Wer kennt ihn nicht diesen wunderbaren Spruch des früheren Mittelstürmers Jürgen Wegmann (59), auch bekannt unter seinem Spitznamen „Kobra“? In großen Lettern fällt das Zitat den Besuchern der neuen Ausstellung im Museum Wilhelm Busch in Hannover ins Auge. Darunter hängen so wunderbare Karikaturen wie jene von Bettina Bexte mit dem Titel „Halbzeitpause“. Fußballer in gelben Trikots machen sich nach den ersten 45 Minuten die Haare zurecht.

„Anpfiff“

Die Ausstellung „anPFIFF – Schweiß und Leidenschaft auf dem Rasen“ ist bis zum 14. Juli 2024 im Museum Wilhelm Busch (Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst), Georgengarten, in Hannover zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Auch an Karfreitag und an Ostermontag ist das Museum geöffnet. Die Einzelkarte kostet 7 Euro (ermäßigt: 4 Euro); die Familienkarte 14 Euro. Zur Ausstellung „Anpfiff“ ist diesmal kein Katalog erschienen, sondern ein Postkartenset mit elf Motiven sowie einer gelben und einer roten Karte. Der Preis: 15 Euro.

Hannover ist zwar kein Austragungsort der Fußballball-Europameisterschaft, die vom 14. Juni bis 14. Juli ausgespielt wird. Glück hat die Landeshauptstadt dennoch: mit der wunderbaren Ausstellung „anPFIFF! Schweiß und Leidenschaft auf dem Rasen“ im Busch-Museum. Bis zum 14. Juli, dem Tag des EM-Endspiels in Berlin, dreht sich alles um die weltweit beliebteste Sportart. Akribisch haben sich die Macherinnen nach den Worten von Museumsdirektorin Eva Jandl-Jörg für die erste große Schau dieser Art in dem Museum unweit der Herrenhäuser Gärten vorbereitet: Recherchiert wurde in Fußballmuseum Springe und im Historischen Museum. Es gab sogar Tipps des Greenkeepers von Hannover 96.

Auch Schattenseiten

Entstanden ist eine Zusammenstellung aus Cartoons und Karikaturen von 30 Künstlerinnen und Künstlern sowie Fotografien und Sammlerstücken. Besucher können sich dem Panoptikum Ball aus unterschiedlichen Blickwinkeln nähern. „Fußball ist das Abbild der Gesellschaft“, sagt Eva Jandl-Jörg. „Wir wollen die schönen Seiten zeigen und auf die schlechten aufmerksam machen.“

Darum stimmt die Schau nicht in ein unreflektiertes Jubelgeschrei ein, sondern die in sieben Kapiteln gegliederte Ausstellung widmet sich auch den Schattenseiten: Rassismus, Homophobie, Ungleichbehandlung der Geschlechter, Hass und Gewalt sowie Vorwürfe von Bestechlichkeit und exzessive Spielergehälter sind stets Themen auf und neben dem grünen Rasen. Das alles wird dargestellt in kleinen Cartoons, die für jeden verständlich – und oft hochaktuell sind. In einer Karikatur von Burkhard Fritsche („Burkh“) fliegen dem Schiedsrichter zum Videobeweis Dutzende von Smartphones um die Ohren. An anderer Stelle ergreift Ex-Superstar Diego Maradona (1960-2020) im Himmelbett die Hand Gottes. Mit einem Augenzwinkern illustriert Christoph Niemann das Thema „Fair Play“: Eine Tischkicker-Figur tritt seinen Mitspieler in den Allerwertesten. Geradezu Kultcharakter haben die Karikaturen des großartigen Volker Ernsting. Aus dem WM-Kader von 1974 sind unter anderem ein Günter Netzer mit Haarsträhne im Gesicht oder Rainer Bonhof mit dicker Nase zu sehen. Auch der Kaiser darf nicht fehlen: Pepsch Gottscheber greift mit seinem Aquarell die Korruptionsvorwürfe gegen Franz Beckenbauer (1945-2024) im Zusammenhang mit der Vergabe der Heim-WM 2006 auf. Der Kaiser versteckt sich im großen Mantel.

Frauen wollen aufholen

Auch der Frauenfußball ist Thema: „Wir sind Meister*in“ ist eine Wand in einem Raum mit Karikaturen und Devotionalien überschrieben. „Es hat sich viel getan“, erklärt Lena Rathmann (27), Kapitänin des Frauenfußball-Teams von Hannover 96. Gemeinsam mit Torfrau Leah Bungeroth (23) gehört sie zu den ersten Gästen der Ausstellung. Frauenfußball werde öfter im Fernsehen übertragen. Nationalspielerinnen seien häufiger in der Werbung zu sehne. In Sachen Bezahlung gebe es aber riesigen Aufholbedarf zu den Männern, so Bungeroth. Fußball ist mehr als Tore, Punkte, Meisterschaft. Die Schau „Anpfiff“ eigne sich auch „für Leute, die noch nie ein Stadion von innen gesehen haben“, weist Eva Jandl-Jörg auf die Vielfalt hin.

Neben den Arbeiten auf Papier sind Objekte wie die Spielertrikots der Ex-Nationalspieler Per Mertesacker (39) und Robert Enke (1977-2009), die „Kutte“ eines Schalke-Fans, Zeitungsausschnitte der Weltmeister-Elf von 1954 und sogar die Maskottchen „Tip und Tap“ der Fußball-WM 1974 zu sehen. Besonders stolz ist Jandl-Jörg, eine Replik der Meisterschale von 1954, eine Leihgabe von Hannover 96, zeigen zu dürfen. Und auch ein Tischkicker, von der Österreicherin Jandl-Jörg liebevoll „Wutzler“ genannt, darf nicht fehlen.

Doch Fußball gilt nicht nur als „schönste Nebensache der Welt“, sondern vor allem ein Sport für die ganze Familie. Eine begleitende Ausstellung für Kinder und Familien ist im Obergeschoss des Busch-Museums eingerichtet. Unter „Ich werde Fußballstar!“ sind Original-Illustrationen von Philip Waechter (55) zu zwei aktuellen Fußball-Kinderbüchern zu sehen. In einem Bilderbuch beschreibt Waechter die Geschichte eines Jungen, der ganz sicher einmal ein berühmter Fußballer werden wird. Zudem gibt es Zeichnungen aus dem ganz frischen Werk „Arnd Zeiglers wunderbares Fußballbuch“ des beliebten Bremer TV-Moderators und Stadionsprechers Arnd Zeigler.

Dem gesamtgesellschaftlichen Anspruch von „Anpfiff“ wird eine weitere Schau im „Gästezimmer“ des hannoverschen Museums gerecht: „Ein Ort. Irgendwo“ zeigt Karikaturen zu den Themen Flucht, Migration und Fluchtursachen. Die Ausstellung ist entstanden auf Basis eines internationalen Wettbewerbs, an dem 319 Menschen aus 64 Ländern teilgenommen haben. 671 Werke wurden eingesendet. 32 herausragende Arbeiten sind in Hannover zu sehen, darunter auch Werke der drei Preisträger. Und was hat das mit dem Hauptthema zu tun? „Fußball verbindet“, sagt Christian Braun vom gemeinnützigen Unternehmen „Engagement Global“. „Egal aus welchem Land man kommt: Was zählt ist, dass jeder hier Fußball spielen kann.“

Nacht der Museen

Rund um die Ausstellung „Anpfiff“ hat Kunstvermittlerin Luise Wick ein buntes Programm geplant. Es gibt Sonderführungen, eine „Nacht der Museen“, Workshops, ein Fußballquiz, Podiumsdiskussionen und ein Künstlergespräch mit dem iranischen Karikaturisten Yousef Alimohammadi.

Mit einem Titel-Tipp zur Fußball-EM tut sich Museumsdirektorin Eva Jandl-Jörg etwas schwer. Einen Termin in der Fußball-Arena von Hannover 96 hat sie aber fix gemacht: Am 5. Mai will sie in der Halbzeitpause des Zweitliga-Spiels für die Schau „Anpfiff“ werben.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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