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NWZonline.de Ratgeber

Grenzpfad: Die freundlichen Nachbarn stets im Blick

26.09.2020

Nordschleswig Auf dem Gendarmstien entlang der deutsch-dänischen Grenze geht es freundlich zu. Und man muss kein Sprachgenie sein, um hier zurechtzukommen: „Moin“ und „Hi“ reichen vollkommen aus. Wer sich unterwegs begegnet, begrüßt sich kurz und zieht dann weiter seines Weges. Gassigänger mit Hund, Spaziergänger am Feierabend, Reiter, Radler, Wanderer mit Marschgepäck, ein jeder auf seiner eigenen Etappe dieses geschichtsträchtigen Pfades.

Freundlichkeit indes regierte in der Region beileibe nicht immer, schließlich war das deutsch-dänische Nebeneinander in der Historie immer wieder auch ein kriegerisches Gegeneinander. Doch wo einst die Kanonenkugeln flogen, blüht heutzutage längst der Tourismus. Dänemark steht in der Liste der beliebtesten Reiseziele bei den Deutschen auf einem vorderen Platz, und nicht zuletzt die Grenzregion begrüßt insbesondere im Sommer zahlreiche Gäste aus Dänemarks südlicher Nachbarschaft.

Blick aufs Wasser

Der Gendarmstien beginnt in Padborg nördlich von Flensburg und findet rasch den Weg direkt ans Wasser, wo er fortan fast durchgehend auch verbleibt. Mit einer vorbildlich schlichten, absolut lückenlosen Beschilderung macht er es dem Wanderer ausgesprochen einfach, nie die Orientierung zu verlieren. Ein kleiner Gendarm, dazu ein Pfeil mit der jeweils einzuschlagenden Richtung – diesen kleinen, quadratischen Schildern gilt es zu folgen.

Wer mag, kann sich selbst Etappen stricken und an einer beliebigen Stelle loslegen, oder den empfohlenen Abschnitten folgen, die bewusst den Umfang eines (durchaus ambitionierten) Tagesmarschs aufweisen. Die Berg-Etappe führt von Padborg nach Sønderhav, die Ziegel-Etappe von Sønderhav nach Brunsnæs, die Krähe-Etappe von Brunsnæs nach Gammelmark, die Strand-Etappe von Gammelmark nach Høruphav und schließlich die Mühlen-Etappe von Høruphav nach Skovby.

Proviant nicht vergessen

Wer sich auf den Weg macht, sollte eine Basisausstattung an Proviant mit sich führen, denn nicht immer bietet sich die Gelegenheit der kulinarischen Versorgung. Gewiss gehört ein Besuch an der legendären Hot-Dog-Bude „Annies Kiosk“ mit Blick auf die Ochseninseln bei Sønderhav fast zwingend dazu und ebenso lockt eine Pause an malerisch gelegenen Lokalen wie am Anleger „Marina Minde“ in Rendbjerg. Doch kann es einem am Gendarmstien auch passieren, viele Kilometer lang weder Speis noch Trank erwerben zu können.

Ganz andere Sorgen hatten die Herrschaften, die dem ursprünglichen Zweck des Weges nachkamen: die Grenzgendarmen. Einst sollten sie vor allem Schmugglern das Handwerk legen, später bewachten sie den Grenzverlauf, der sich immer mal wieder änderte.

Von 1920 an, als eine Volksabstimmung die bis heute gültige Grenze festlegte, waren die Gendarmen auf einer Strecke unterwegs, die nahezu identisch ist mit dem heute touristisch genutzten Verlauf.

Touristischer Reiz

Die Dänen entdeckten den touristischen Reiz dieses Pfads als Attraktion für ihre Gäste erst in den 1980er Jahren; seitdem wurde die Bewerbung vorangetrieben, ohne dass die Strecke etwas von ihrem Charme verloren hat.

Die eigentlich für diesen Sommer geplanten Feiern zum 100. Geburtstag der Grenze fielen derweil mehrheitlich der Corona-Pandemie zum Opfer. Die hatte auch Kollateralschäden für das Verhältnis der beiden Länder: Die rigiden Kontrollen an den Übergängen auf dänischer Seite gefielen beileibe nicht jedem in Deutschland. Und auch der Wildschweinzaun zwischen den Staaten hatte hier für Misstöne gesorgt, die die phasenweisen exzellenten Beziehungen ein wenig eintrübten.

Geschichte präsent

Davon merkt der Wanderer allerdings nichts, der sich voll und ganz der Schönheit der Natur hingeben kann. Viel Wasser, viel Grün, einige Hügel und manch anspruchsvoller Untergrund binden seine Konzentration und belohnen mit famosen Ausblicken.

Übrigens: Wer den Strand von Vemmingbund passiert hat, sollte einen Abstecher ins Landesinnere wagen, denn in Dybbøl lässt sich im Geschichtszentrum auf historischem Geläuf alles über die Schlacht von 1864 erfahren. Damals trafen Dänen und Preußen in einer verlustreichen Auseinandersetzung aufeinander.

Eine Wunde, die sich tief ins historische Gedächtnis des Landes gegraben hat. Und wo sich heute, genau wie auf dem Gendarmstien, Deutsche und Dänen begegnen – nun freundlich statt kriegerisch.

Anreise:Nach dem Passieren der dänischen Grenze kann man direkt in Padborg auf dem Gendarmstien starten. Ein späterer Beginn oder Quereinstieg ist möglich: Entlang des Weges gibt es zahlreiche Parkplätze.

Fortbewegung: Wandern ist erste Wahl, weite Teile des Gendarmstiens sind aber auch mit dem Rad zu befahren. An unwegsamen Abschnitten gibt es eine Alternativroute für Radler.

Unterkunft: Am Wegesrand gibt es vielerorts Übernachtungsplätze und Schlafhütten. Wer komfortabler nächtigen möchte, bucht sich vorab ein Hotelzimmer.

Verpflegung: Es ist immer gut, Proviant mitzunehmen. An der Strecke gibt es zudem Restaurants, Cafés und kleine Verkaufsstände. In Brunsnæs hat ein findiger Anwohner eine Eis- und Getränkehütte mit Bezahlung auf Vertrauensbasis installiert. Mehr Infos unter


     https://www.visitsonderborg.de/sonderborg 
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