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NWZonline.de Ratgeber

Bauhaus strahlt bis nach Oldenburg

20.04.2019

Oldenburg Die Konkurrenz ist beachtlich. Das Bauhaus-Jubiläum lässt sich kaum ein großes Museum entgehen, die Liste der Sonderausstellungen über die im 20. Jahrhundert einflussreichste, 1919 in Weimar von Walter Gropius gegründete Hochschule für Gestaltung ist lang. Und das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg mischt selbstbewusst mit. „Wir haben echte Geschichten zu erzählen“, sagt Gloria Köpnick (30), Kuratorin der Ausstellung „Zwischen Utopie und Anpassung – Das Bauhaus in Oldenburg“.

Die Ausstellung vom 27. April bis 4. August im Augusteum widmet sich dem Leben und Wirken von vier Bauhäuslern aus Oldenburg und Ostfriesland: Hans Martin Fricke, Hermann Gautel, Karl Schwoon und Hin Bredendieck. Sie studierten zwischen 1923 und 1930 am Staatlichen Bauhaus Weimar beziehungsweise Dessau. Anhand ihrer bewegten Lebensgeschichten rekonstruiert die Ausstellung exemplarisch den Einfluss des Bauhauses auf Architektur, Design und Kunst bis in die heutige Zeit.

Große Unterstützung

„Wir wussten, es gibt sie“, schildert Köpnick die Suche nach den Nachlässen der vier Bauhäusler. Die kam zuweilen der Arbeit eines Detektivs gleich. Aber die Wissenschaftlerin erfuhr von den Nachkommen der vier Bauhäusler große Unterstützung. So konnte das Landesmuseum bereits den Galerie-Nachlass von Karl Schwoon und Fotografien aus dem Nachlass von Hermann Gautel erwerben. Die Familie von Hans Martin Fricke übergab dem Museum als Dauerleihgabe Möbel, die er für seine Meisterprüfung am Bauhaus gefertigt hatte.

Leihgaben aus Weimar, Berlin, Atlanta (USA) und Bielefeld ergänzen die Ausstellung. Darunter zwei Bilder von Paul Klee, die bereits 1926 in Oldenburg zu sehen waren. Das Landesmuseum Oldenburg war eines der ersten Museen in Deutschland, das bereits in den 1920er Jahren Bauhausmöbel und -produkte sammelte und präsentierte. Gründungsdirektor Walter Müller-Wulckow war ein leidenschaftlicher Unterstützer der Bauhaus-Ideen. So kann das Landesmuseum für die Ausstellung aus seinen Beständen schöpfen und außerdem bedeutende Werke von Wassily Kandinsky, Laszlo Moholy-Nagy, Marianne Brandt, Oskar Schlemmer, Josef Albers, Lyonel Feininger, Ludwig Mies van der Rohe und Marcel Breuer aus privaten und öffentlichen Sammlungen präsentieren. Besonders freut sich Gloria Köpnick über einen Wandbehang aus Leinen und Wolle von Margarete Willers (1883–1977). Die gebürtige Oldenburgerin studierte von 1920 bis 1922 am Bauhaus in Weimar.

Hans Martin Fricke, 1906 in Oldenburg geboren, besuchte die Tischlerwerkstatt am Bauhaus in Weimar und legte in Dessau seine Gesellenprüfung ab. Mitte der 20er Jahre schrieb er sich zum Architekturstudium in Oldenburg ein und arbeitete bereits 1926 als Architekt in Bremen und Oldenburg. Während des Nationalsozialismus fungierte er ab 1935 als hochrangiger Kulturfunktionär. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Fricke wieder als Architekt. Er starb 1994 in Oldenburg.

Hermann Gautel, 1905 in Oldenburg geboren, und Hin Bredendieck, 1904 in Aurich geboren, arbeiteten am Bauhaus in Dessau gemeinsam in der Metallwerkstatt, wo sie unter anderem mit Marianne Brandt Lampen für die Leipziger Leuchtenfirma Körting & Mathiesen entwarfen. Gautel kehrte 1933 nach Oldenburg zurück, wo er in der Burgstraße ein innovatives Einrichtungsgeschäft eröffnete. Seine Freundschaft zu Bredendieck bestand auch nach ihrer Zeit am Bauhaus. Zum Beispiel arbeiteten sie 1937 zusammen an der Einrichtung eines Ausstellungsraums zur Luftschifffahrt im Oldenburger Schloss. Gautel wurde mit Beginn des Zweiten Weltkrieges Soldat und gilt seit 1945 als verschollen.

Karl Schwoon, 1908 in Oldenburg geboren, studierte von 1927 bis 1931 am Bauhaus Dessau bei Josef Albers, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer. Anschließend arbeitete er in einem Berliner Verlagshaus und als freischaffender Künstler. Im Zweiten Weltkrieg war er von 1943 bis 1945 Bildberichterstatter in Frankreich und an der Ostfront. Bilder aus dieser Zeit sind Teil der Ausstellung. Fast sein gesamtes Frühwerk wurde 1943 bei einem Bombenangriff zerstört.

Nach dem Krieg eröffnete Schwoon 1947 die erste Oldenburger Avantgardegalerie. Die Ausstellung zeigt Objekte, die Walter Müller-Wulckow in dieser Galerie für das Landesmuseum erwarb, außerdem eines der bedeutendsten künstlerischen Spätwerke Schwoons – das Bild „In Memoriam Bauhaus Dessau I“. Von 1951 bis 1961 arbeitete Schwoon als Bildredakteur bei der Zeitschrift „Hör zu“ in Hamburg. Er starb 1969 in Wildeshausen.

Facettenreiches Bild

Hin Bredendieck arbeitete nach dem Abschluss am Bauhaus Dessau zunächst in den Werbeateliers von Laszlo Moholy-Nagy und Herbert Bayer in Berlin. 1932 ging er in die Schweiz und entwickelte zusammen mit Sigfried Giedion wegweisende Entwürfe neuer Leuchten, die durch indirektes Licht überzeugten. 1937 emigrierte er in die USA. Am New Bauhaus Chicago erhielt er einen Lehrauftrag und übernahm 1938 die Leitung des „Basic Workshop“, der sich an den Vorkurs des Dessauer Bauhauses anlehnte, sowie die Leitung der Holz- und Metallwerkstatt.

Ende der 1940er Jahre entwickelte Bredendieck am New Bauhaus Chicago zusammen mit seinem ehemaligen Bauhaus-Schüler Nathan Lerner Möbel, die als fertige Bausätze verkauft wurden. Ein Erfolgskonzept, das von Ingvar Kamprad, dem Gründer des Möbelhauses Ikea, etwa zur gleichen Zeit in Schweden entwickelt wurde. Bredendieck avancierte in den USA zu einem weltweit vernetzten Professor für Industriedesign. Er zählt zu den einflussreichsten und am nachhaltigsten wirkenden Vertretern der Bauhaus-Ideen. Hin Bredendieck starb 1995 in Roswell.

Die Oldenburger Ausstellung zeichnet ein facettenreiches Bild des Bauhauses und seiner Zeit. Gezeigt werden rund 250 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien und Designobjekte. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute aus 100 Jahren Bauhaus so nah ist.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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