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NWZonline.de Ratgeber

Zeit zum Wundern und Staunen

24.11.2018

Oldenburg Nanu? Ein zotteliger Waldschrat mit dickem Knüppel in der Hand? – Nein, das ist der Weihnachtsmann, wie er früher aussah, noch bevor die Coca-Cola-Werbung aus Amerika ihn in sein rotweißes Outfit steckte. Auf dem vergilbten Foto bringt er den Soldaten an der Front gerade ein Weihnachtsständchen, Knecht Ruprecht spielt Akkordeon dazu. Vielleicht hatte er auch Geschenke dabei, von den Lieben daheim.

Lieblingsstücke

Zum Beispiel einen faltbaren Weihnachtsbaum, der nebenan in der Vitrine zu bewundern ist. Die künstlichen Zweige sind festlich geschmückt, er liegt noch in der Originalverpackung, halb so groß wie ein Schuhkarton. „Wie durch ein Wunder überlebte er sogar die Bombennächte 1946, als ein Fliegerangriff das Haus der Familie zerstörte“, weiß Dr. Marcus Kenzler aus dem handschriftlichen Begleitbrief des Spenders, „es gehörte zu den wenigen Dingen, die sie noch aus dem Schutt herausziehen konnten.“

Es sind Geschichten wie diese, berührende, schöne und ganz persönliche Lieblingsstücke aus zwei Jahrhunderten, die diese Ausstellung im Prinzenpalais so besonders machen. Marcus Kenzler, Kunsthistoriker und Provenienz-Forscher im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, hat das Konzept zusammen mit der wissenschaftlichen Volontärin Mareike Lepzsy entwickelt. Keine überladene Weihnachtsshow mit Glitter, Glanz und Firlefanz – sondern eher stille Freude, Raum zum Wundern und Staunen, Erzählen und in Erinnerungen schwelgen.

„Als Museum möchten wir natürlich auch Fakten vermitteln“, so Kenzler, „aber das muss ja nicht immer nur ernst und anstrengend sein.“ Hier könne jeder reinkommen, sich einfach wohlfühlen und überraschen lassen.

Die Idee dazu hatte er während einer umfassenden Bestandsaufnahme. „Seit 2012 sind wir dabei, sämtliche Objekte unserer Sammlungen auf einer speziellen Software zu erfassen“, berichtet er. Das heißt, jedes Stück muss hervorgeholt, überprüft und digital verzeichnet werden.

Beim Durchforsten der Depots, der unzähligen Kisten, Kästen und Regale tauchten auch einige Fundstücke auf, die bisher noch nie gezeigt wurden. Wie zum Beispiel die um 1740 geschnitzte Weihnachtskrippe aus Molbergen (Kreis Cloppenburg). Oder die kleine Kinderkutsche auf Kufen aus dem 19. Jahrhundert. Sie konnte von den Eltern geschoben werden und erzählt mit ihren Gebrauchsspuren von vergnüglichen Fahrten über Eis und Schnee – „sehr, sehr selten“, betont Kenzler.

Auch der Nussknacker in Gestalt eines Türken, fast 200 Jahre alt, wollte nicht länger im Verborgenen bleiben. Der exotische Turbanträger stammt aus Oldenburger Privatbesitz und einer Zeit, als sich die Menschen in ferne Länder träumten. All das, so dachte sich Kenzler, braucht einen passenden Rahmen – ein kleines aber feines Weihnachtskabinett. Übrigens das erste dieser Art im Landesmuseum.

Wer noch nicht da gewesen ist, sollte jetzt die Gelegenheit nutzen. Gerade in der Adventszeit, vielleicht nach einem Bummel über den Lambertimarkt, bietet sich ein kleiner Abstecher schräg gegenüber zum Prinzenpalais an. Ältere Besucher werden dabei so manche Entdeckung machen, die ihnen bekannt vorkommt. Da die „gute nicht tropfenden Weihnachtskerze“ im nostalgischen Karton, dort das liebevoll geschnitzte Holzpferdchen und der Rodelschlitten aus den 1930er Jahren. „Wie von Großmutters Dachboden“, bemerkt eine Besucherin.

Einkaufsliste

Viele bleiben auch vor der Fotowand stehen. Typische Weihnachtszenen aus der Nachkriegszeit, sogar eine Fotoserie dieser Zeitung aus den 1950er Jahren: „Der Weihnachtsmann in Oldenburg“. Dann die festlich geschmückte Innenstadt Anfang der 70er – fast noch wie heute.

Natürlich kommen auch Weihnachtsbäckerei und Zuckerwerk nicht zu kurz. Mareike Lepzsy hat ausführlich recherchiert und zeigt eine Original-Einkaufsliste von 1895 mit „Höchst gewählten Sachen“, die Großherzog Friedrich August bei einem Kaufmann für seine Lieben bestellte: „zwölfmal Marzipan, eine Kiste mit zehn Berlinern und ein viertel Dutzend Knallbonbons“.

Die Frage, ob Weihnachten „museumsreif“ sei, beantwortet Kenzler mit einem eindeutigen „Ja, absolut!“ Als bekennender Weihnachts-Fan findet er es eher verwunderlich, dass bisher nur wenige Museen solche Ausstellungen anbieten. „Ich wette, dass fast jedes Haus Sammlungen zu dieser Thematik hat“, ist er überzeugt, „es ist vielleicht sogar unsere Pflicht als Kulturvermittler, zu zeigen, welche Wurzeln und Bräuche mit dieser Tradition verbunden sind. Schließlich ist sie Teil unserer Geschichte.“

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