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NWZonline.de Ratgeber

Rosa und Gelb zum Trillern bringen

28.10.2017

Oldenburg Für ihn gibt es viele zutreffende Bezeichnungen: Aussteiger, Außenseiter, Anarchist. Und noch viel mehr gibt es über ihn zu erzählen, über ihn, dessen Namen zu nennen, sich fast verbietet. Denn den hören „und dadurch beleidigt werden“, ist für ihn eins. Also sollte es bei dem Namen bleiben, den er 1959, angeregt von seinem ersten Verleger „im seligen Halbrausch“ dahingesagt hatte: Janosch.

Aus Kinderzimmern sind Janoschs zauberhafte Geschichten nicht wegzudenken. Ganze Generationen sind mit seinen fast 300 Büchern aufgewachsen, mit den liebenswerten Figuren Tiger und Bär, mit Günter Kastenfrosch und der Tigerente, mit Emil Grünbär, Dolli Graugans oder Maja Papaya. Der Auflagenmillionär hat ihnen nicht nur eine Seele eingehaucht, sie bevölkern nicht nur eine heile Bilderbuchwelt, sondern auch Tassen, Teller und Bettwäsche.

Nun ist der 86-Jährige Schirmherr der diesjährigen Kinder- und Jugendbuchmesse, die Kibum-Ausstellung zeigt mehr als 100 seiner schönsten Bilderbuch-Originalillustrationen. Viele der Exponate waren jahrelang in Ausstellungen unterwegs und werden nun in Oldenburg wieder zusammengeführt.

Eine Kuriosität ist eine von Janosch bemalte Bauernuhr. Sie stammt nach den Worten von Kibum-Organisatorin Regina Peters aus dem Bilderbuchmuseum Troisdorf und war noch nie ausgestellt.

Janosch passt natürlich zum Polen-Schwerpunkt der Messe – als Horst Eckert wurde er 1931 in der oberschlesischen Bergarbeitersiedlung Hindenburg geboren, die heute Zabrze heißt und zu Polen gehört.

Noch mehr aber passt Janosch ins Oldenburger Land, denn seine sprichwörtliche Bilderbuchkarriere hat ihren Ursprung in der Region: in Bad Zwischenahn, wohin er nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Güterzug floh, in Augustfehn, wo er ein Jahr lang zur Schule ging, in Oldenburg, wo er als Maschinenputzer in der Warps­spinnerei arbeitete.

Nach Stationen in Krefeld (Textilschule) und München (Kunstakademie) entschloss er sich, nicht nur als Maler, sondern auch als Schriftsteller zu arbeiten. Der erste Versuch – „Valek. Die Geschichte von einem Pferd“ – war ein Flop: Von 300 Exemplaren wurden gerade mal 60 verkauft.

Erst das Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“ verhalf ihm 1978 zum Durchbruch und brachte ihm seinem Traumziel – eine Hängematte auf Teneriffa – ein Stück näher.

Wer Janoschs liebenswerte Geschichten von kleinen Bären und Tigern liest, von Liebe, Freiheit und Freundschaft, kann leicht vergessen, welche Schrecknisse die Kindheit für Janosch bereithielt: Als Achtjähriger erlebte er den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, sein Vater war ein Säufer, der seine Familie schlug. Eine Gelbsucht, an der der Junge erkrankte, wurde aus Geldmangel mit selbst gebranntem Alkohol „behandelt“. Von wegen heile Welt!

Zu den idyllischen Kinderlandschafen schuf er in Romanen und Theaterstücken eine dunklere Gegenwelt für Erwachsene, bebilderte Bukowski und de Sade. Auch manche Äußerung will nicht zu Rudi, Schnuddel und Fidelgrille passen. Die Welt hält er für ein „Schweineloch“ und den Menschen als Gattung für eine „Sau“.

Dieser Mann, der in seinen Illustrationen „Rosa mit Gelb zum Trillern“ brachte, wie er es selbst formulierte, der die „totale Magie“ der Farben erlebte, verkündete 2010, er wolle fortan nur noch in der Hängematte liegen. Doch 2013 feierte er ein Comeback mit dem gezeichneten „Wondrak“ im schwarz-gelb-geringelten Tigeranzug, der ihm ähnlich sieht, wöchentlich im „Zeit“-Magazin erscheint und auch in der Ausstellung nicht fehlen darf.

Oldenburg sei „seine zweite Heimat“, schreibt Janosch im Grußwort zur Kibum. Und staunt über sich selbst: „Ich wollte damals nur Spinner werden.“

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2061

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