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NWZonline.de Ratgeber

Jubiläum: Wenn das Land als Kunstmäzen auftritt

30.10.2021

Oldenburg Am 1. November feiert das Land Niedersachsen seinen 75. Geburtstag. Dieses ­besondere Jubiläum ist ein willkommener Anlass, den Blick auf die niedersächsische Museumslandschaft zu richten, die sich zwischen Nordseeküste und Harz durch eine beeindruckende Vielfalt und bemerkenswerte Sammlungen auszeichnet.

Unter den mehr als 670 Museen und Heimatstuben befinden sich in Hannover, Braunschweig und Oldenburg insgesamt sechs Landesmuseen, die das kulturelle Erbe Niedersachsens bewahren und als Vermittler von Kunst, Kultur, Technik, Geschichte und Natur eine zentrale Funktion einnehmen.

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg befasst sich seit Jahren intensiv mit seiner Sammlungsgeschichte und richtet anlässlich des Lan­desjubiläums ein besonderes Augenmerk auf seine Sammlung zeitgenössischer Kunst. Ein überwiegender Teil der ­darin enthaltenen Werke ­wurde von der niedersächsischen Landesregierung im ­Zuge einer programmatischen Kunstankaufspolitik erworben, die vornehmlich der Kunst- und Kulturförderung diente. Das Land betätigte sich folglich als Sammler und überwies einen Großteil der angekauften Bestände an öffentliche Museen, um die Kunstwerke einem breiten Publikum zugängig zu machen. Die restlichen Exponate dienten der Ausstattung von Diensträumen in Behörden.

Bereits in den Jahren von 1958 bis 1966 wurden in diesem Zusammenhang erste Ankäufe ans Landesmuseum Oldenburg überwiesen. Ab 1967 veranlasste das zu dieser Zeit noch für Wissenschaft und Kultur zuständige Niedersächsische Kultusministerium den regelmäßigen „Ankauf von Arbeiten der Kunst und des Kunsthandwerks aus Sondermitteln des Landes Niedersachsen“, die dann alljährlich den niedersächsischen Verwaltungsbezirken „zur dauernden Nutzung“ zur Verfügung gestellt wurden.

So konsultierte der Präsident des Verwaltungsbezirks Oldenburg regelmäßig den ­Direktor des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, um die Überlassung geeigneter, „im Oldenburger Land geschaffener Werke“ abzustimmen. Ab 1969 stieg die Zahl der ans Landesmuseum abgegebenen Regierungsankäufe deutlich an und pendelte sich in den Folgejahren auf hohem Niveau ein. Diese Entwicklung mag Ausdruck des kulturpolitischen Aufbruchs und der programmatischen Neuaufstellung der frühen 1970er Jahre gewesen sein, sie wurde aber auch durch landespolitische Weichenstellungen entscheidend beeinflusst.

Ministerium ab 1974

Infolge der Landtagswahlen von 1974 regierte in Niedersachsen eine sozialliberale ­Koalition, die das Ministerium für Wissenschaft und Kunst (MWK) ins Leben rief und ­somit die entsprechenden Ressorts aus dem Geschäfts­bereich des Kultusministeriums ausgliederte. Nachdem Ministerpräsident Alfred Kubel (SPD) Anfang 1976 sein Amt altersbedingt zur Verfügung gestellt hatte, scheiterte sein designierter Nachfolger, der sozialdemokratische Finanzminister Helmut Kasimier, überraschend in drei Wahlgängen, woraufhin der junge Christdemokrat Ernst Albrecht als Ministerpräsident vereidigt wurde.

Unter dem ebenfalls neu ins Amt berufenen Minister für Wissenschaft und Kunst Werner Remmers (CDU) wurden die Mittel für Kunst und Kultur angesichts des „steigenden kulturellen Engagements der Menschen“ kontinuierlich erhöht. Im Bestreben, den individuellen Bedürfnissen der Künstlerinnen und Künstler zu entsprechen und ein „Höchstmaß an unabhängiger Entfaltungsmöglichkeit“ zu garantieren, setzte die neue Landesregierung neben der Vergabe von Künstler- und Nachwuchsstipendien auf den Ankauf von Kunstwerken aus Niedersachsen.

Den 1978 im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform gebildeten vier Bezirksregierungen Braunschweig, Han­nover, Lüneburg und Weser-Ems wurden eigene Mittel für die Breitenförderung zur Verfügung gestellt, sodass fortan der Regierungspräsident Weser-Ems Kunstankäufe an das Landesmuseum Oldenburg übermittelte. Mit der im selben Jahr gegründeten Kunstkommission wurde ein unabhängiges Expertengremium installiert, das Empfehlungen für Kunstankäufe und Stipendienvergaben aussprach.

Kräftig zugekauft

Im Verlauf der 1970er und 1980er Jahre, die als Höhepunkt der niedersächsischen Kunstankaufspolitik bezeichnet werden können, wurden vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der ­Bezirksregierung Weser-Ems 398 Kunstwerke ans Landesmuseum Oldenburg überwiesen. Darunter waren herausragende Arbeiten von Oldenburger Künstlerinnen und Künstlern wie die Gemälde von Marie Meyer-Glaeseker, Pop-Art von Werner Berges, Zeichnungen und Serigrafien von Klaus Beilstein sowie Bronzen von Udo Reimann und Anna-Maria Strackerjan.

Ins Auge fallen auch ausgefallene skulpturale Werke von Katinka Nicolai, Helmut Bartels, Horst Kohlem und Siegfried Pagel. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre konnten 108 weitere Eingänge von Kunstwerken verzeichnet werden, danach jedoch keine weiteren. Dies hing offenbar mit den drastischen Kürzungen im Landeshaushalt zusammen, die nach der Landtagswahl von 1994 verhängt wurden, um Steuermindereinnahmen aufgrund der Neuordnung des Länderfinanzausgleiches zu kompensieren. Allein das Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) musste in diesem Zusammenhang rund 100 Mio. DM einsparen und konnte daher keine größeren Summen für Kunstankäufe aufbringen.

Nachdem 2002 und 2011 wieder einzelne Kunstwerke überwiesen worden waren, wurde 2020 auf Wunsch und durch Mittel des Ministeriums ein Konvolut aus 60 Farbholzschnitten des Heidkamper Malers und Holzschneiders Heinrich Schüler aus dessen Familienbesitz erworben.

Veritable Sammlung

Bis heute hat das Landesmuseum Oldenburg 623 Gemälde, Grafiken, Skulpturen und kunstgewerbliche Objekte aus Regierungsankäufen erhalten, aus denen eine repräsentative Sammlung zur nordwestdeutschen Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erwachsen ist.

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