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NWZonline.de Ratgeber

Wenn Körper und Klang eins werden

08.09.2018

Oldenburg Man muss es selbst erlebt haben: Etwa 60 Menschen sind rund um den Schamanen versammelt, mit Trommeln und Rasseln folgen sie dem uralten Herzschlag von Mutter Erde. Monoton und kraftvoll ist dieser Rhythmus, 120 Trommelschläge pro Minute, hypnotisch, eindringlich, magisch. Irgendwann verwischen die Grenzen, Körper und Klang werden eins. Einige Teilnehmer beginnen zu tanzen, treten in die Mitte des Kreises.

Uralte Weltsicht

Nein, wir sind nicht bei den Nanai-Indianern im fernen Sibirien. Diese Trommelzeremonie findet direkt in Oldenburg statt im Landesmuseum für Natur und Mensch. Noch bis zum 23. September läuft eine Sonderausstellung, die sich mit dem Alltag und Glauben arktischer Völker befasst. Ganz im Sinne des hautnahen Erlebens gehört zum Rahmenprogramm der Trommelworkshop mit einem „echten“ Schamanen: Andreas Wesemann aus Ritterhude.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich der 59-Jährige hauptberuflich mit dieser vielleicht ältesten spirituellen Weltsicht und Heilkunst der Menschheitsgeschichte. Das Interesse daran sei wieder deutlich gestiegen, stellt er fest. Ist es der boomende Esoterik-Markt, die Suche nach alternativen Sinnentwürfen oder die Sehnsucht nach einer stärkeren Verbindung zur Natur? „Ich würde sagen, viele Leute suchen dasselbe, was ich auch gesucht habe im Schamanismus: das Gefühl dieser alles durchdringenden Lebendigkeit.“

In seinem „früheren Leben“ war Andreas Wesemann archäologischer Grabungsleiter. „Was ja gar nicht so weit weg ist vom Schamanismus, wenn man mit den Händen nach den Hinterlassenschaften unserer Ahnen gräbt“, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu.

Schon als Kind habe er eine besondere Verbindung zur unsichtbaren Welt gespürt. Doch erst viel später habe er diese trainierbare Gabe wieder aufgegriffen, was er als glückliche Rückbindung empfindet. Viele Lehrmeister aus indigenen Kulturen begleiteten ihn auf diesem Weg. Unter anderem besuchte er in Österreich die „Foundation for Shamanic Studies“, die einzige europäische Fakultät zur Erforschung des schamanischen Wissens. Dieses Jahrtausende alte Wissen über Mythen, heilende Rituale und fundamentale Zusammenhänge des Lebens und der Natur gibt er seit 2006 selbst in seinem „INIPI – Haus der Seele“ weiter.

Im Schamanismus, erklärt Wesemann, ist alles, was existiert, lebendig und beseelt. Nicht nur Tiere und Pflanzen sondern auch Steine, Landschaften, die Elemente und Himmelserscheinungen. Neben dieser Mittleren Welt, in der wir leben, gibt es die Obere Welt der Götter und die Untere Welt der Ahnen und Geister. Alles ist eng miteinander verbunden und muss im Gleichgewicht gehalten werden. Denn: Jedes Übel, ob Krankheit, Nahrungsmangel oder Wetterkatastrophen beruht aus Schamanensicht auf einer Störung dieser Harmonie. Dann müsse mit den verärgerten Göttern verhandelt werden, die natürliche Ordnung wieder herzustellen. Diese Mittlerrolle übernehmen Schamanen. Nur sie sind nach alter Überlieferung in der Lage, in die Anderswelt zu reisen und mit den Geistern in Kontakt zu treten.

Was dabei passiert, kann Andreas Wesemann aus eigener Erfahrung schildern. Wie seine historischen Vorbilder begibt er sich selbst in eine tiefe, kontrollierte Trance. Zum Beispiel mithilfe einer stunden- oder sogar tagelangen Trommelzeremonie. Die Schamanentrommel dient auf dieser mystischen Reise nicht nur als Rhythmusinstrument, sondern als Pfad und Reittier zugleich.

Schamanen sind Meister der Bewusstseinsveränderung. In Ekstase löst sich ihre „Freiseele“ aus der menschlichen Existenz und kann sich nun unabhängig vom Körper im Diesseits und im Jenseits bewegen. „Das ist wie sehr intensives Träumen, losgelöst vom normalen Wachbewusstsein“, versucht er zu beschreiben. Ihm begegnen dann lebende und tote Menschen, Krafttiere, Ahnengeister und Hilfsgeister, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen.

Heilmethode anerkannt

In seinem „Haus der Seele“ bietet er eine Vielzahl traditioneller Rituale an, die Seele, Geist und Körper ins Gleichgewicht bringen sollen. Wenn ein Mensch erkrankt, ist nach schamanischem Glauben ein Teil seiner Seele – zum Beispiel durch einen Schock – verloren gegangen. „Während der Trommeltrance,“ so Wesemann, „erhalte ich innere Bilder, die mir Zugang zu gekränkten oder vergrabenen Persönlichkeitsanteilen verschaffen.“ Diese Anteile könne er mithilfe geistiger Verbündeter wieder zurückholen und integrieren. Ein Weg, den er nicht als Ersatz sondern als sinnvolle Parallele zu konventionellen Therapieformen sieht. „Wenn alle Heilverfahren, einschließlich des Schamanismus, zusammenarbeiten, dann sind wir gut beraten.“ Selbst die Weltgesundheitsorganisation hat die Wirksamkeit schamanischer Heilmethoden, insbesondere bei psychosomatischen Erkrankungen, anerkannt.

Für Wesemann hat der moderne Schamanismus auch eine politische Komponente: „Wenn Schamanismus bedeutet, dass jeder mit der Welt und all ihren Phänomenen untrennbar verbunden ist, dann stellt er auch ein absolutes Gegengewicht zur heutigen Tendenz des Dichtmachens dar,“ so seine Überzeugung. Oder wie ein Schlüsselwort der Lakota-Indianer sagt: „Mitakuye Oyasin“ – ich bin mit allem verwandt.

Die Sonderausstellung „Schamanen – Jäger und Heiler Sibiriens“ im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg (Damm 38–44) thematisiert den Lebenslauf eines Schamanen und sein Wirken als Heiler. Gezeigt werden einzigartige Alltags- und Ritualgegenstände der Ethnien Korjaken und Nanai. Die Ausstellung wurde aufgrund der großen Nachfrage bis zum 23. September verlängert. Auch die „Nacht der Museen“ am 22. September steht ganz im Zeichen der Schamanen.

Öffnungszeiten:dienstags bis freitags 9–17 Uhr, samstags und sonntags 10–18 Uhr.


     www.naturundmensch.de 

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