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NWZonline.de Ratgeber

Tsingtau - Mit Sack und Pack ins Reich der Mitte

14.09.2019

Oldenburg /Qingdao Als das Deutsche Kaiserreich im März 1898 die Kiautschou-Bucht an der ostchinesischen Küste pachtete, wurde auch in Oldenburg und Wilhelmshaven nach Architekten, Bauarbeitern und Handwerkern gesucht für den Aufbau eines Flottenstützpunktes und einer Kohlenverladestation in dem kleinen Fischerdorf Tsingtau, das heute Qingdao heißt. Die allgemeine Wirtschaftslage war Ende des 19. Jahrhunderts nicht die beste, viele junge Männer sahen deshalb in China eine Chance.

Bewundert und beneidet

Die Ausstellung „Rote Dächer am Gelben Meer“ vom 19. September bis 2. November in der Landesbibliothek Oldenburg stellt einige Oldenburger Familien in den Mittelpunkt, die während der Kolonialzeit in Tsingtau gelebt haben. Als Kooperationspartner holte die Landesbibliothek die Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft (GDCF) in Oldenburg und das Deutsche Marinemuseum in Wilhelmshaven ins Boot. Gerlinde und Wolfgang Pehlken von der GDCF hat bei den Vorbereitungen vor allem das Schicksal der Frauen berührt, die ihre Männer in die Fremde begleitet haben.

Da ist zum Beispiel die bewegende Lebensgeschichte von Minna Stielow aus Wilhelmshaven. Sie hat mehr als 40 Jahre in China gelebt. Otto Stielow war Maschinist und fuhr 1906 mit der Marine von Wilhelmshaven nach Tsingtau, Minna folgte ihm kurze Zeit später. Sie heirateten in Tsingtau und bekamen zwei Söhne. Als die Japaner im November 1914 Tsingtau besetzten, war Otto Stielow mit dem Geschwader-Begleitschiff „Titania“ in der Südsee unterwegs. Er wurde gefangen genommen. Erst 1919 kam er wieder frei. Minna blieb währenddessen mit den Söhnen in Tsingtau. Ende Februar 1920 kehrte die Familie nach Wilhelmshaven zurück, eine Tochter wurde geboren.

Otto Stielow ging 1923 nach dem Rückzug der Japaner erneut nach Tsingtau, wo er nun in einer Import-Export-Firma arbeitete. Minna folgte ihm mit der Tochter. Sie arbeitete ab 1927 als Handarbeitslehrerin an der deutschen Schule und führte von 1934 bis 1943 die Privatpension „German House“. Otto Stielow starb 1937 in Tsingtau, Minna kehrte erst 1950 nach Wilhelmshaven zurück, wo sie 1960 in einem Altersheim starb.

„Die Situation der Frauen war nicht einfach“, sagt Gerlinde Pehlken. In der Heimat wurden sie bewundert und beneidet, denn die Familien in der Ferne hatten ein doppeltes Einkommen und konnten sich einiges leisten. Für die Arbeit im Haushalt gab es Angestellte. Zur Kehrseite der Medaille gehörten aber die ständige Angst vor Überfällen und gesundheitliche Probleme. Den Kindern aus Deutschland setzte vor allem der eisige Sandsturm zu, sie erkrankten häufig an Bronchitis. Zudem grassierten Cholera und Typhus.

Stoff für einen großen Roman liefert die Geschichte von Ernst und Dr. Elise Troschel. Der Marine-Baurat reiste 1903 mit seiner Frau und vier kleinen Kindern nach Tsingtau, wo er die Leitung der Hafenbauabteilung übernahm. Elise Troschel, 1869 in Köslin geboren, hatte in Zürich in der Schweiz Medizin studiert und war eine der ersten Ärztinnen in Deutschland. In Tsingtau durfte sie eine Praxis eröffnen, aber nur Chinesen behandeln. In China wurden die Kinder Wiegand und Gerda geboren.

Deutsche Architektur

Ernst Troschel wurde 1905 nach Wilhelmshaven berufen, um die Kaiser-Wilhelm-Brücke zu bauen, ab 1908 war er mit Bau des Hafens in Tanger beteiligt. Schon in Tsingtau arbeitete er an einem Handbuch der Holzkonservierung und die Zerstörung des Holzes durch den Bohrwurm, der später nach ihm benannt wurde: Teredo navalis Troscheli. Ernst Troschel wurde im Ersten Weltkrieg schwer verwundet und starb 1915.

Elise Troschel berichtet in ihrer Biografie „50 Jahre Dr. med“ auch aus ihrem Leben in Tsingtau. Sie schildert zum Beispiel, dass es nur drei gepflasterte Straßen gab und bei ihrer Ankunft etwa 1000 Europäer in der Kolonie lebten. Die Ärztin hat ihren Lebensabend in Oldenburg verbracht. Sie starb 1952.

Wolfgang Pehlken (75) war beruflich viel in China unterwegs, Geschäfte im elektrischen Anlagenbau führten ihn auch in die frühere deutsche Kolonie. Er war von Qingdao fasziniert. „Modern im Landesinneren, alt im Stadtzen­trum“, beschreibt er die zwei Gesichter der Stadt. Die typisch deutsche Architektur, Fachwerk und rote Dächer, werde von den Chinesen geschätzt, betont er. Und die 1905 gebaute Kanalisation funktioniert heute noch.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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