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Auslöser der Opioid-Krise in USA Auch im Nordwesten wird das Medikament Oxycodon verschrieben

Legale Schmerzmittel haben in den USA die größte Opioid-Krise des Landes ausgelöst. Auch in Deutschland wird das Medikament Oxycodon verschrieben.

Legale Schmerzmittel haben in den USA die größte Opioid-Krise des Landes ausgelöst. Auch in Deutschland wird das Medikament Oxycodon verschrieben.

Imago

Im Nordwesten - Das Schmerzmittel Oxycontin hat es in den Vereinigen Staaten zu trauriger Berühmtheit gebracht: Das Opioid-haltige Medikament mit dem Wirkstoff Oxycodon hat nach der Jahrtausendwende die größte Drogen-Krise in der Geschichte der USA ausgelöst. Laut der US-Behörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) sind von 1999 bis März 2021 fast 841.000 Menschen an einer Drogenüberdosis gestorben. Die Einstiegsdroge bei einem Großteil dieser Menschen war das legale Schmerzmittel Oxycodon. Die Patienten haben das Medikament nach ärztlicher Verordnung genommen, wurden abhängig und stiegen schließlich auf illegale Substanzen wie Heroin um.

Was viele Menschen nicht wissen: Auch in Deutschland wird Oxycodon verschrieben. Warum es aber hierzulande nicht zu einer Drogen-Krise geführt hat und Menschen, die Oxycodon langfristig nehmen, sogar unter dem Einfluss des Medikaments Autofahren und arbeiten können, erklären zwei Experten aus dem Nordwesten.

Mehr Verschreibungen

Oxycodon ist ein stark wirkendes semisynthetisches Opioid mit hohem Suchtpotenzial, das vor allem als Schmerzmittel angewendet wird – wenn nichts anderes mehr hilft. Aus der Schmerztherapie sei das Medikament nicht mehr wegzudenken, sagt Apotheker Dr. Rolf Bruns aus Zetel. „Bei starken Schmerzen hat die Verschreibung von Oxycodon seine Berechtigung. Es hat deutlich weniger Nebenwirkungen als Morphium, das bisher verwendet wurde.“ Tatsächlich habe sich die Menge der Verschreibungen des Medikaments in den vergangenen Jahren in Deutschland erhöht, sagt Dr. Rolf Bruns. „Und das ist auch richtig so. Es ist wichtig, dass Menschen, die schwerste chronische Schmerzen haben, versorgt werden. Die Ärzte, mit denen ich zusammenarbeite, gehen verantwortungsvoll damit um.“

Doch wie verhindern die Mediziner, dass ein Gewöhnungseffekt eintritt und die Patienten eine immer höhere Oxycodon-Dosis brauchen? Prof. Dr. med. Christian Byhahn, Chefarzt der Anästhesiologie, Notfallmedizin und Schmerztherapie im Evangelischen Krankenhaus (EV) Oldenburg, sagt: „Jede Dauerbehandlung mit Opioiden allein zieht einen Gewöhnungseffekt nach sich, sodass daraus eine kontinuierliche Dosissteigerung resultiert. Um diese so gering wie möglich zu halten oder gänzlich zu vermeiden, werden bei Patienten mit chronischen Schmerzen, die einer Dauertherapie bedürfen, sogenannte Co-Analgetika eingesetzt. Diese verstärken die Wirkung von Opioiden, ohne dass deren Dosierung erhöht werden muss.“

Wenn die Patienten dann richtig eingestellt seien, könnten sie auch Autofahren oder arbeiten – einen Rauschzustand gebe es nicht, sagt Apotheker Bruns. „Einen Rausch erzeugen die Medikamente nur, wenn sie nicht retardiert sind, sondern der Gesamtwirkstoff sofort freigesetzt wird, und die Dosierung so hoch ist, dass der Patient in den Zustand der Euphorisierung kommt. Aber das kann man ja verhindern.“

Kein Profit für Ärzte

Wenn es also möglich ist, zu verhindern, dass die Patienten das Medikament missbrauchen, warum ist das in den USA nicht gelungen? „Ein wesentlicher Unterschied in Deutschland ist die strikte Trennung zwischen Arzt und Apotheke“, sagt der Apotheker Bruns. „Bei uns verdienen die Ärzte nicht an der Verschreibung von Oxycodon. Solche Medikamente dürfen nicht einmal bemustert werden, es gibt also keine Proben von Oxycodon in den Praxen. Diese Medikamente gibt es nur über die Apotheke, sodass der Arzt keinen Profit macht.“ In den USA aber haben die Mediziner an jeder Verschreibung von Oxycontin mitverdient.

Auch dem Hersteller Perdue Pharma ging es in den USA um das große Geld. Prof. Dr. Byhahn aus dem EV spricht von einer „aggressiven Marketingkampagne“. Und: „Die Zulassung in den USA erfolgte auf einer sehr dünnen Datenbasis und ohne Langzeitstudien, insbesondere hinsichtlich des Abhängigkeitspotenzials.“ Viel zu schnell kam das Medikament auf den Markt – und es wurde massenhaft verschrieben, auch an Patienten, denen leichtere Schmerzmittel geholfen hätten. In Deutschland läuft das anders. Apotheker Dr. Bruns sagt: „Bevor hier Oxycodon verschrieben wird, gibt es andere Medikamente, die kurzfristig verschrieben werden – und zwar in Kombination mit einfachen Schmerzmitteln wie Ibuprofen.“

Im Evangelischen Krankenhaus in Oldenburg werde Oxycodon „quasi ausschließlich unmittelbar vor und nach größeren Operationen sowie für einen Zeitraum von nur wenigen Tagen verabreicht“, sagt Dr. Byhahn. „Die Entlassung von Patienten mit laufender Oxycodon-Therapie ist Einzelfällen vorbehalten.“

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales
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