• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber

Ausstellung: Kuhfladen als Fundament der Hochkultur

20.02.2021

Ostercappeln-Venne „Der Kuhfladen ist das Fundament der Hochkultur“, behauptet Michael Brackmann (70) vom Venner Rinder-Museum. Und der gebürtige Vechtaer muss es schließlich wissen. Nach 40-jähriger Sammeltätigkeit hat der promovierte Tierarzt und Biologe einen Fundus von 3000 Exponaten aus aller Welt zusammengestellt und präsentiert ihn seit Oktober 2019 auf 90 Quadratmetern in der historischen Wassermühle in Venne (Landkreis Osnabrück).

Die kompetent präsentierte Schau wurde von Brackmann ein Jahr vorher fachkundig unter der Schirmherrschaft der Stiftung „Kühe-Kunst- Kulturen“ eingerichtet. Seither können Besucher hautnah nachvollziehen, wie der Mensch zum Rind kam. Denn Brackmann zeigt keine Folklore oder kitschigen Mitbringsel, sondern klärt über die historisch-wissenschaftliche Bedeutung von Rindern auf.

Großes Interesse

Der Heimat- und Wanderverein Venne hatte die Treuhandschaft für dieses in Europa einzigartige Museum übernommen und die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Eine gute Entscheidung aus Brackmanns Sicht, der schon im ersten Jahr – trotz Corona-Pandemie – viele Besucher aus ganz Deutschland zählte. Die Gäste zeigen sich beeindruckt von den faszinierenden Führungen des Experten, der sie auf den Spuren der Rinder zu einer spannenden Weltreise einlädt. „Die Kuh ist für uns so alltäglich, dass man nicht bedenkt, welche Bedeutung sie seit der neolithischen Revolution für den Menschen hat“, verweist Brackmann auf die Ursprünge der Landwirtschaft.

Als in der Jungsteinzeit vor etwa 9000 Jahren Ackerbau und Viehzucht begonnen habe, hätten Rinder von Anfang an eine große Rolle gespielt, erzählt er. Denn der Kuh- fladen habe als Dünger gedient, ohne den der Mensch weiter als Nomade hätte leben müssen. „In Indien haben die Kuhfladen noch heute eine große Bedeutung. Da sie der häuslichen Energieversorgung dienen, werden sie auf Straßen und Weiden gesammelt. Ihre jährliche Gesamtmenge entspricht energetisch etwa 8,5 Millionen Tonnen Holz oder 6,4 Millionen Tonnen Steinkohle“, überrascht Brackmann seine Zuhörer mit derart hohen Zahlen.

Auf seinen Reisen durch fünf Kontinente entdeckte der Tierarzt die hochrangige Stellung der „Kuh als nährendes, fruchtbares Muttersymbol“, der alle Völker seit mehr als 10 000 Jahren sehr viel verdankten.

Rund 1,3 Milliarden Rinder hätten sich überall auf der Welt den klimatischen, geologischen und kulturellen Bedingungen angepasst, woraus sich 600 verschiedene Rassen entwickelten.

In seinem Museum lenkt Brackmann den Fokus auf rund 100 Rassen. Seine Führung lässt seine internationalen Begegnungen und Erkenntnisse über Rinder nachspüren. „Ich bin immer nur dahin gefahren, wo es Kühe gab.

Zusätzlich brachten Freunde Objekte aus Madagaskar, Indien, Indonesien, Kuba, China und Kolumbien mit. Außerdem wurde ich in Ethnoshops, bei der Expo und auf Flohmärkten fündig“, erinnert sich Brackmann an die Herkunft seiner Sammelobjekte, die nun dekorativ platziert in Vitrinen den Betrachter begeistern.

Mythen und Legenden

Sie erzählen Mythen und Legenden aus dem antiken Griechenland sowie Geschichten über die 30 000 Jahre alte Höhlenmalerei, die neolithische Kultur in Mesopotamien oder die Trinkhörner der alten Germanen. Ob der spa-nische Stierkampf, der Alm-abtrieb im Allgäu oder ein Bestattungsritual in Bali – all diese Erlebnisse waren für Brackmann ein unbedingtes Muss auf seiner Suche nach immer neuen Rinderwelten.

Nun ist seine Sammlung reich gefüllt mit Hufen, Hörnern, Keramik, Leder, Fellen, Knochen, Schmuckdecken, Kuhglocken, Stirnschmuck, Gespann-Zubehör und vielem mehr. Laut Brackmann haben Rinder die Menschen schon in der Frühgeschichte fasziniert, wie deren mehr als 30 000 Jahre alten Darstellungen in den Höhlen von Lasceaux und Altamira belegen. Seitdem hätten Kühe und Stiere Künstler immer wieder neu inspiriert.

Von der Wiege zum Grab

Eine Fülle von Zeugnissen ihres Schaffens ist im Rinder-Museum zu bewundern. Auch Werke der Volkskunst wie die Alostelen aus Madagaskar, ein Segelschiff aus Horn sowie ein kleiner balinesischer Sarg in Kuhform zeigen hier die enge Kuh-Verbundenheit des Menschen von der Wiege bis zum Grab.

Die musealen Artefakte in den verschiedensten Stilrichtungen stammen aus unterschiedlichen Epochen. Wer ein großes Herz für die Wiederkäuer hat, dem empfiehlt Brackmann „Das andere Kuhbuch“ zu lesen, das er schon 1999 veröffentlichte. Zurzeit entwickelt der Venner ein spezielles Führungsprogramm für Kinder und ein Audio Guide für den Einsatz von Kopfhörern.

Das Rindermuseum Venneist normalerweise (nach der Pandemie) von März bis September, sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Absprache geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen kosten vier Euro. Pauschal für kleine Gruppen bis sechs Personen 25 Euro. Die Anschrift lautet 49179 Ostercappeln/Venne, Osnabrücker Straße 4. Buchungen unter Telefon 05476/1600. Weitere Infos im Internet


     www.museum-rund-ums-rind.de 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.