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NWZonline.de Ratgeber

Größte Playmobil-Schausammlung In Bremerhaven: Die Geschichte der Weser-Kogge neu erzählt

06.06.2020

Hamburg /Bremerhaven Am Anfang stand die Liebe. Zu exotischen Tieren, schönen Artisten, lustigen Clowns in der Manege. Weihnachten 1981 kam dann Playmobil ins Spiel. Oliver Schaffer gründete „Circus Oliver“ und floh beinahe täglich in eine Fantasie-Zirkuswelt, indem der Dreijährige mit Playmobil-Figuren und einem selbstgebastelten Zelt Aufführungen nachstellte oder sich ausdachte. Die Zuschauer waren Mama und Papa. Inzwischen besitzt Schaffer die weltweit größte Playmobil-Schausammlung, die er seit 16 Jahren ausstellt. Seine neueste Exposition öffnet am 26. Juni im Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven unter dem Titel „Kogge trifft Playmobil – Die Geschichte eines Schiffes neu erzählt“.

Der gebürtige Kieler lebt seit vielen Jahren in Hamburg und hat kürzlich eine Doppelhaushälfte am Rand der Hansestadt bezogen. Dort wohnt Schaffer in seinem Playmobil-Paradies. Im Wohnzimmer stapeln sich blaue Taschen und transparente Kisten, die randvoll sind mit Figuren, Objekten und Zubehör. Im ersten Stock, in Schaffers Atelier, stehen in Regalen mittelgroße und lebensgroße Clowns, Prinzessinnen, Piraten und andere Werbe-Figuren wie sie in Spielzeuggeschäften zu sehen sind.

An der Decke hängt eine Playmobil-Lampe und an den Wänden Plakate; in Kisten und Kästen liegt Kleinkram des berühmten Spielwarenherstellers aus dem fränkischen Zirndorf. In Oliver Schaffers 140-Quadratmeter-Haus befände sich ungefähr die Hälfte seiner stetig wachsenden Sammlung. Diese schätzt er aktuell auf über 200 000 Figuren und mehr als eine Million Teile. Die andere Hälfte verteile sich auf laufende Ausstellungen.

Für die Kogge-Schau in Bremerhaven benötigt der 41-Jährige mit einem blonden Drei-Tage-Bart und blauen Augen etwa ein Fünftel seines Bestandes. Strahlend stellt er die Figuren vor, die vor ihm auf einer weißen Tischplatte stehen zwischen historischen Playmo-Schiffen und Büchern über Koggen und die Hanse: „Das sind die Hauptcharaktere, die den Besuchern in der Ausstellung begegnen werden.“ Der Hanse-Kaufmann, die Piratin, der Maler, der Taucher, die Museumsbesucherin und die Forscherin sind sechs der allseits bekannten Figuren mit dem einheitlich neugierig-freundlichen Gesichtsausdruck. Seit 1974 bevölkern zahllose Variationen dieser stilisierten siebeneinhalb Zentimeter großen Minimenschen die Kinderzimmer auf der ganzen Welt.

Im Schifffahrtsmuseum drapiert Oliver Schaffer diese und viele, viele andere Figuren plus Schiffe, Häuser und Accessoires in elf Dioramen in drei Etagen. Rund um das berühmteste DSM-Exponat von 1380, das in der Kogge-Halle in Kunstwachs konserviert von allen Seiten besichtigt werden kann. Schaffer erweckt das 20 Meter lange, acht Meter breite Holzwrack zum Leben, wenn er den imposanten Einmaster in Miniatur-Welten transportiert und wahre Geschichten detailgetreu nacherzählt.

Oliver Schaffer baut historische Stadtszenen nach, er kreiert Überfälle von Piraten und zeigt, wie Kunstmaler im 19. Jahrhundert die Zeit der Koggen und der Hanse verarbeiteten. In einem der gläsernen Schaukästen sehen Museumsgäste, wie die Kogge 1962 in der Weser in Bremen entdeckt und von Tauchern geborgen wurde, um danach ins Deutsche Schifffahrtsmuseum zu kommen.

Ergebnisse der Forscher, die sich mit der „Bremer Kogge“ beschäftigen, bilden die zehn Kapitel der Familien-Ausstellung. Der Playmo-Profi inszeniert, was sich die Kogge-Experten um Kuratorin Helga Berendsen inhaltlich ausgedacht haben. „Playmobil ist dafür ideal, weil sich komplizierte Sachverhalte vereinfacht und abstrakt darstellen lassen. Die Figuren laden zu einer spielerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Kogge ein. Außerdem ist das Spielzeug bekannt, sympathisch und bildet eine riesige Projektionsfläche für die Fantasie,“ erklärt Schaffer, der seit 2019 auch Markenbotschafter für Playmobil ist und mit dem Namen offiziell werben darf.

Dies bedeutet indes nicht, dass das bayerische Unternehmen den norddeutschen Sammler für lau mit Playmobil versorgt. „Ich bezahle alles selbst und will immer auf dem neuesten Stand sein“, sagt Oliver Schaffer, der sein jährliches Playmobil-Budget grob bei 50 000 Euro veranschlagt.

Auch für die DSM-Schau musste er dazukaufen und umbauen. Denn die Spielzeugmacher haben zum Beispiel keine Einmaster wie die Kogge im Sortiment. Ansonsten bieten die vielseitigen Playmobil-Programme viel Raum zum Improvisieren, meint der Spielzeugfan, der nicht um des Sammelns willen sammelt. „Ich bin ein Zweck-Sammler und kaufe nur das, was ich für Ausstellungen brauche.“

Damit begann Oliver Schaffer 2003 eher zufällig. Dieser verbannte „das Zeug“ als Teenager in einem Dutzend Umzugskartons auf dem Dachboden des Elternhauses. Er entdeckte seine neuen Leidenschaften Tanzen, Singen, Schauspielern und startete nach dem Abitur in Hamburg eine Karriere als Musicaldarsteller. Er trat in Theatern und auf Kreuzfahrtschiffen auf.

Während eines Engagements im Abba-Musical „Mamma Mia!“ kam ein Anruf aus Zirndorf. Die Marke Playmobil feierte 30-jähriges Bestehen und man fragte Schaffer, ob er noch seine Sammlung hätte. Er hatte als Kind mal Fotos nach Bayern geschickt. Man kam für die Jubiläumsschau zusammen und nicht mehr voneinander los.

Nach einer Playmobil-Ausstellung im Westflügel des Pariser Louvre mit Szenen aus „Circus Oliver“ reifte in Schaffer die Idee, seine Sammlung künftig regelmäßig zu präsentieren und ständig zu erweitern. Schließlich produziert Playmobil ohne Unterlass Nachschub aus den Abteilungen Geschichte, Alltag, Fantasy und damit ausreichend Material für weitere spannende Projekte.

Inzwischen inszeniert Oliver Schaffer sechs bis zehn Schauen jährlich und kann seit 2019 davon leben. An Aufträgen mangele es nicht, meint der selbst ernannte Diorama-Künstler. Die Vorbereitung sowie die intensive Aufbauzeit vor einer Eröffnung vergleicht der ehemalige Musicaldarsteller mit den Proben vor einer Premiere.

Auch wenn Schaffer kein „echter Sammler“ ist, träumt er den Traum aller Sammler und möchte sein komplettes Konvolut öffentlich zeigen – inklusive „Circus Oliver“.

Die Sonderausstellung„Kogge trifft Playmobil – Die Geschichte eines Schiffes neu erzählt“ ist vom 26. Juni bis 25. Oktober im Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) zu sehen. Das Gebäude ist unter der Adresse Hans-Scharoun- Platz 1, 27568 Bremerhaven zu finden; geöffnet täglich 10-18 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro (ermäßigt 3 Euro). Tel. 0471-482 07 0.


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